23.12.11

Einsiedlers Heiliger Abend

Cartoon Phillipp: "Neulich beim Orthopäden"

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab' in den Weihnachtstagen -
ich weiß auch, warum -
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken vesunken.
Da hat's an der Türe gepocht,

und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachstlieder?
ich aber rief nicht: "Herein"!

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott.
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Fröhliche Weihnachten
Joachim Ringenatz


Villa wünscht ein Weihnachtsfest in Geborgenheit.

18.12.11

Kunst am 4. Advent

Wer den Jenaer Weihnachtsmarkt besucht kann und sollte (!) die Ausstellung nicht übersehen, die seit dem 4. Dezember und noch bis zum 4. März 2012 in der Kunstsammlung Jena, Markt 7 gezeigt wird:

Von Renoir bis Picasso - Künstler der École de Paris

Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung des Petit Palais, Genf

[Klick auf den Titel befördert auf die Webseite der Ausstellung]

Die Auswahl von 96 Werken aus der Sammlung des Musée du Petit Palais gibt einen eindrucksvollen Überblick über das künstlerische Schaffen in Paris während der Jahre, die den legendären Ruhm der Künstlerbezirke Montmartre und Montparnasse begründeten und Paris um die vorletzte Jahrhundertwende zur Welthauptstadt der Kunst erhoben. Als Besucher hat man nicht nur Gelegenheit, anhand der Exponate die künstlerischen Strategien und stilistischen Entwicklungen zu sehen, sondern erfährt auch etwas über das Leben der Künstler und ihre Schicksale – eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es sind ja nur ein paar Schritte vom Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt (2011) zu Pedro Creixams‘ „Le buveur“ (1918).

Jena ist stolz darauf, dass das Musée du Petit Palais bereits zum zweiten Mal mit der Kunstsammlung Jena kooperiert.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:



Wer noch unschlüssig über das passende Weihnachtsgeschenk ist, für den ist ja vielleicht eine Einladung in den Menü-Palast Jena eine Alternative. Noch bis zum 26.12 2011 gastieren in dem besonderen Zeltambiente Künstler der internationalen Varieté-Szene. Mir hat das bunte unterhaltsame Programm auch in diesem Jahr sehr gefallen und das Kulinarische kam ebenfalls nicht zu kurz.



Herzlich bedanken möchte ich mich bei meinen Lieben und Freunden, die uns in einer schweren Zeit unterstützen und Kraft geben. Es tut gut, macht Mut und schenkt Hoffnung. Besonders gefreut habe ich mich über das Stück vom Glück, dass die liebe Sandy mit mir geteilt hat, über den schönen Adventskranz der kreativen Birgit, die Orangenlieferung aus Sizilien von lieben Freunden und die moralische Unterstützung aus der fernen Hauptstadt.


Euch allen wünsche ich einen schönen 4. Advent.
Villa

03.12.11

Rock'n'Roll Arena in Jena - für eine bunte Republik Deutschland

Das Spontankonzert begeisterte gestern ca. 50.000 Menschen in Jena. Ich schließe mich Cluesos Worten an: "Für meine Generation ist Osten eine Himmelsrichtung. Es ist egal, wo man herkommt und wir kämpfen gemeinsam gegen jede Art von rechter Gewalt."
Villa

26.11.11

Neulich am Paradiesbahnhof

Aus Jena
Cartoon Phillipp: "Neulich am Paradiesbahnhof"

Seit Tagen habe ich mich durch Blogs, Links, Kommentare und Regionalmedien gelesen, die Reaktionen auf den Aspekte-Beitrag "Extreme Gewaltbereitschaft" waren immens. Anke hat auf ihrem Blog eine gute Zusammenfassung veröffentlicht.
Am 5.12. 2011 wird sich das Aspekte-Team auf einer Podiumsdiskussion im Theaterhaus den Jenaern stellen. Ich bin gespannt darauf.


Ganz in der Nähe des Paradiesbahnhofs ist am 2. Dezember ein großes Rockkonzert mit Udo Lindenberg und anderen Künstlern gegen Rechts geplant.
Motto: "Rock-'n'-Roll-Arena in Jena - für die bunte Republik".

Auch in den vergangenen Jahren war das Paradies Spielort für Konzerte gegen Nazis. 60.000 Gäste werden am Freitag erwartet.


Wehren wir uns gegen braunes Gedankengut, so wie wir es in den letzten Jahren getan haben.
Phillipp und Villa

20.11.11

Valeriy Solovey Ausstellung im Rathaus Jena

Bilder in einer Wohnung sind vom Zeitgeist geprägt und unsere Aufenthaltsqualität (Gemütlichkeit) bestimmen wir selber. Da sie nicht zeitgleich erworben werden, werden sie Teil unserer Biografie. In unserer Wohnung hängen Bilder, die uns zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort angesprochen haben, oder die Freunde gemalt habe.

Seit langer Zeit wünsche ich mir ein Wagnergassenbild, von einem ganz bestimmten Standort. Lange suchte ich nach einer geeigneten Vorlage oder Anregung für dieses Projekt und nun bin ich bei Mathias Moxter von UrbanDreams fündig geworden.

Ich kann mir keinen besseren Maler als Valeriy Solovey vorstellen, der meinen Wunsch umsetzen könnte. Zurzeit stellt er seine Bilder im Jenaer Rathhaus aus und auch seinen Internetauftritt hat er neu gestaltet. Während des vergangenen Sommers traf ich ihn oft am Botanischen Garten sitzend, wo er das Weigelstraßenbild malte.


Ich bin gespannt auf Valeriys individuelle Umsetzung und danke Mathias, dass ich sein Foto hier zeigen durfte. Von den sehr ambitionierten Freizeitfotografen der Blende5-Gruppe gibt es in der Jena Tourist-Information gerade den wunderschönen Kalender "Jena 2012".

Was habt ihr so in eurer Petersburger Hängung?
Villa

13.11.11

Steinzeit-Facebook auf der Halbinsel Kegnæs

Während Jena ganze Wände in leuchtend rote Herbstfarben tauchte, wie im Innenhof des Uni-Hauptgebäudes, wo der Wilde Wein (auch bekannt als selbstkletternde Jungfernrebe) die Skulpturen umrahmte, begaben wir uns in ein nebliges, novembergraues Dänemark.

Gerade diese Herbstzeit, wenn die Touristenströme vorüber sind, bietet die Ruhe und Entspanntheit für einen gemeinsamen Urlaub mit Freunden. Die dänischen Ferienhäuser sind bestens ausgestattet mit Pool, Sauna, Kamin, Tischtennis, Billard, gemütlichen Kuschelecken und riesengroßen Küchen.

Da Internet in der heutigen Zeit ein fast unverzichtbarer Teil unseres Lebens geworden ist, sind auch die Ferienhäuser gut damit ausgerüstet. Diese Steinzeit-Facebook-Ansammlung sah ich am Strand auf der Halbinsel Kegnæs in Sonderby.

Die dänischen Freunde freuen sich in jedem Jahr auf echte Thüringer Küche und der Auftakt sind immer unsere Bratwürste. In diesem Jahr kamen sie von der Fleischerei Weber in der Neugasse Jena, dazu die beliebten Kwakbrötchen aus Jena-Ost. Wie jedes Jahr steuerte mein dänischer Bruder für die KW45 einen selbst gebeizten Lachs bei, er wog stattliche 2.8 Kilo. Sehr lecker!

Für meinen Kochbeitrag wurde ich von Sandy (Confiture de Vivre) inspiriert. Sie hat das Experiment gewagt, mit dem Jenaer Fleischermeister Petersohn in der Zwätzengasse Jena, eine südfranzösische Spezialität - Mergues herzustellen. Sandy ist eine geniale Foodbloggerin aus Jena, die gerade an der Lebensmittel Blogger-Konferenz in Santa Monica (USA) teilnimmt. Als Beilagen wählte ich Trüffelpilze, Blüten-Lavasalz-Pellkartöffelchen, gebackene Kräuterschnecken und ein süß, würziges Paprika-Zwiebel-Chutney. Die Mergues konnten durchaus dem Vergleich mit unseren Thüringer Bratwürsten standhalten.

Für die Schokoladenseiten unseres Dänemarkurlaubes wusste unsere Kuchenbäckerin immer ein gutes Rezept. Mit der Schokoladen-Birnentorte lief sie zur Hochform auf und sorgte dafür, dass wir unseren Winterspeck vor dem Winter gut ausbauen konnten.

Danke für die schöne Zeit an meine Freunde und an meinen Bruder und seine Frau, die uns die KW45 das 11.Mal ermöglichten. Ihr seid die Besten!

Villa

22.10.11

Frank Stella im Depot Jena

Nach dem großen Erfolg der Ausstellung "Darwin im Depot" ist das alte Straßenbahndepot in der Dornburger Straße in Jena Präsentationsort für die weltweit größte Ausstellung eines der bedeutendsten amerikanischen Maler und Bildhauer der letzten Jahrzehnte. Ein Unbekannter ist der 75-jährige Frank Stella in der Stadt freilich nicht, reiben sich doch seit 1996 die Gemüter an seinen fünf Skulpturen der "Hudson River Valley Series", die auf dem Ernst-Abbe-Platz aufgestellt sind. 2001 wurden in der Universität und in der Galerie der Jenoptik AG monumentale Kunstwerke der "Heinrich-von-Kleist-Serie" gezeigt. Frank Stella wurde die Ehrendokterwürde der Universität verliehen. Diesen Titel erhielt vor ihm nur 1905 der Künstler Auguste Rodin.


Der Zigarrenliebhaber aus New York überwachte den Aufbau der 35 Skulpturen und Bilder selbst, immer in dichte Rauchschwaden gehüllt. Sie seien für ihn mit ihren Verwirbelungen Quelle seiner Erfindungsgabe und Fantasie. Rauchkringel und Schwaden hat er in ihren wölbenden Formen oft in seine Werke eingearbeitet.


"Was man sieht, ist was man sieht," sagt Frank Stella und "Abstraktion gibt einem die Gelegenheit, einen Schritt zurückzutreten und die Dinge ein wenig anders zu betrachten. Es wird eine andere Welt, eine andere Erfahrung kreiert."
Sein Sprung von der Leinwand in die Dreidimensionalität zeugt von großer Experimentierfreude und Anwendung neuer Verfahren in der Kunst, dem "Rapid Prototyping". Die Skulpturen scheinen im Raum zu schweben, bunt, lebhaft, leicht und raumgreifend.






Die Ausstellung hätte in New York, Paris, London oder Madrid gezeigt werden können. Frank Stella entschied sich aus persönlichen Gründen für Thüringen - für Jena. Lasst euch diesen ästhetischen Genuss und die einmalige Gelegenheit nicht entgehen.

Mehr Informationen zur Ausstellung und zum Depot (freier Eintritt!) gibt es hier.

Die Schau «Frank Stella. Neue Arbeiten» zündet viele Assoziationsfunken, mir hat sie sehr gefallen.
Villa

16.10.11

Blinddegustation im herbstlichen Gewand

Sehr gerne sind wir der Einladung dieser zwei lustigen Gesellen zu einem Herbstfest und einer Blinddegustation gefolgt. Herzlichen Dank an die "Plattenspielerfamilie" für die schöne Idee.


Teilnehmergebühr war ein beleuchtetes Kürbisgesicht und besonders Phillipp hat die Aufgabe mit Hingabe bewältigt. Beim Pilzquiz waren wir eh unschlagbar. In geselliger Runde wurden Weine anhand ihrer sensorischen Merkmale charakterisiert und bewertet.


Wein ist ein schönes Thema im Herbst und es gab kein Grund dem Sommer nachzutrauern.
Rebenfreundin Villa

Mit dem Kochlöffel im Takt - Herbstzauber beim 6.Köcheball in Jena

Sechs Jahre in Folge inszenierte der Vorsitzende Lutz Melchert vom Verein der "Jena-Saale-Holzland-Köche" in der Thüringer Sozialakademie Jena den Köcheball als einen großen kulinarischen Festakt. Der bedauernswerte Paukenschlag in diesem Jahr war leider seine Ankündigung, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Verantwortung für diese schöne Veranstaltung abgeben muss. Ob es eine Fortführung oder Neuauflage des Köcheballs geben wird, ist ungewiss.


Die dargebotenen Schauplatten waren immer ein Genuss für Ästheten und Feinschmecker. Jedes Jahr wieder machte es großen Spaß, die Welt der Gaumenfreuden in Thüringen auf dem Köcheball festzuhalten. Nicht nur der visuelle Aspekt und die Präsentation stand auf dem Prüfstand, der Geschmack wurde auch auf der Zunge eingefangen.

Etwas wehmütig und mit ein paar Tränchen in den Augen dankte Melchert den Sponsoren, seinen Mitarbeitern im eigenen Haus und seiner Familie, die immer an seiner Seite standen und ihn tatkräftig unterstützten. Sein ganz besonderer Dank ging an seinen Freund und den kreativsten Koch seiner Mannschaft, Thomas Gottbehüt. Er überreichte ihm all die Urkunden, Medaillen und Pokale, die er seiner Meinung nach längst verdient hätte. Ein sehr anrührender Moment.

Überragend bei der Plattenschau war wie in jedem Jahr das "Gasthaus am See" in Hainspitz, in diesem Jahr präsent durch den stellvertretenen Küchenleiter Tobias Rahnefeld.



Johann Wolfgang von Goethe sagte: "Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend."

Für mich war Lutz Melchert die Seele und das Herz dieser Veranstaltung und er hat sich bleibend in meinem Kopf eingenistet. Herzlichen Dank!
Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß

06.10.11

Dem Steinpilz auf der Spur

Die sommerlichen Temperaturen und der herbstliche Morgentau waren die richtigen Wachstumsimpulse für das Pilzwachstum in Thüringen. Leider wird es auch am Abend schnell dunkel und wenn man nach der Arbeit erst in den Wald fährt, muss sich schnell Finderlohn einstellen. Im ersten Wald wurden wir mit reichlich Maronen, Sandpilzen und Birkenpilzen belohnt. Auch ein paar Pfifferlinge und Schirmpilze mischten sich unter die Auswahl. Leider litten ein paar der Exemplare unter dem Heester-Syndrom, da kamen wir einfach zwei Tage zu spät. Unsere Königsdisziplin, die Sommersteinpilzsuche, war in diesem Wald nicht erfolgreich und als wir im nächsten Wald angelangt waren, war die Sonne schon fast untergegangen. Überglücklich stolperten wir dann über ein paar besonders schöne Steinis, madenfrei und fest.


Phillipp erzählte mir während unserer Suche von dem größten bekannten Lebewesen der Welt. Es ist ein Riesenhallimasch, der unter der Erde in Oregon, USA, wächst. Über neun Quadratkilometer groß soll der Monsterpilz sein.

Sehr köstlich war der Pilzbraten - Villa

03.10.11

Kollaps auf dem Brocken

Es lag nahe, das Super-Sonnen-Einheitswochenende (in Jena 27°C) für einen Kurztrip zu nutzen. Meine Wahl fiel auf die höchste Schnittstelle zwischen Ost und West, zwischen Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, den Brocken. Der Nationalpark Harz war der erste länderübergreifende Nationalpark Deutschlands. Schon im Vorfeld, bei der Hotelsuche in Wernigerode wurde mir klar, dass es sehr, sehr überfüllt werden würde. Nahezu alle Hotels waren ausgebucht und nur mit Mühe und sehr teuer fand ich ein Hotel, um das müde Haupt zu betten. Wernigerode, die bunte Stadt am Harz, bedient alle Klischees einer gut florierenden Touristenstadt. Das dominanteste Gebäude ist das schön restaurierte Rathaus am Marktplatz und sehenswert all die bunten Fachwerkhäuser.

Die Schmalspur Brockenbahn sollte uns von Wenigerode zum Brocken bringen. Ein wenig Dampf-Nostalgie steckt doch in jedem von uns. Für die etwa zweistündige Fahrt aus der Stadt, hinauf zum Brockengipfel, war ein stolzer Fahrpreis fällig. Die Züge auf der Hinfahrt waren schon dermaßen überfüllt (es wurden viel mehr Karten verkauft, als Plätze vorhanden waren) und es gab unangenehmes Gedränge und Geschiebe. Bei der anstehenden Rückfahrt kollabierte das Ganze. Lebensgefahr zum Superpreis. Alle gesundheitlichen und sicherheitsbedingten Risiken wurden in Kauf genommen um die Scharen von Passagiere wieder zurückzutransportieren. Nach dieser Zugfahrt waren alle froh, lebendig wieder aussteigen zu können. Einzig zwei betrunkene, übermütige Schweden hatten ihren Spaß, sie kletterten von dem Wagonübergang aus aufs Zugdach und fühlten sich wie in einem amerikanischen Indianerfilm. Sie nahmen freundlicherweise meine Hausfrauenkamera mit (Bildmitte).

Beim Rundgang um die Brockenspitze gaben sich Tausende und Abertausende aus Ost und West ein Stelldichein. Wir alle wollten den schönen Rundumblick genießen. Leider waren auch alle Dienstleistungen hoffnungslos überfordert. Gestresst von einem dringenden Bedürfnis habe ich das erste Mal in meinem Leben eine gut besuchte Männertoilette benutzt. Die Versorgung mit Getränken war sehr zeitraubend, aber notwendig.

Villa reist nie wieder auf den Brocken, es sei denn mit Maulesel und Zelt.

PS. In Thüringen wachsen derzeit wieder die Steinpilze - eine Pilzsuche wäre die bessere Wahl gewesen.

30.09.11

Werkreihe "besenrein - Ästhetik des Aufgebens"

Nachdenklich, bildlich und sehr intim sind die Fotos von Sebastian Krause. Wie oft schon wollte ich eine seiner Ausstellungen besuchen, immer kam etwas dazwischen.
Nun gibt es das Projekt "besenrein - Ästhetik des Aufgebens" im Web und ich habe die Ausstellung einfach zu mir nach Hause geholt.



An einem Bild sind immer zwei Leute beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter.
Ansel Adams

Villa ist sehr beeindruckt von Ihren Projekt werter Herr Pestkrause.

25.09.11

Glücksschmiede Altstadtfest Jena


In der neuesten Generationenbilanz einer Studie "Glücksatlas Deutschland 2011" belegen wir Thüringer in der Lebenszufriedenheit angeblich den letzten Platz. Das alljährliche Altstadtfest Jena zeigte mir während der gesamten Festwoche generationenübergreifend glückliche Besucher. Wieder einmal ist es den Veranstaltern gelungen, mit ihrem Programm die verschiedensten Geschmäcker zu bedienen. Die Altkultbands "Renft" und "Lift" gaben den Auftakt, die "Firebirds" begeisterten mit ihrer temperamentvollen Show, "Rosa" ließ es beim 25-jährigen Bühnenjubiläum krachen und "Tänzchentee" verwandelte den Marktplatz in eine "Ballermannzone". Mein persönlicher Glücksmoment war die großartige Fusion Jenas bester PartySkaBand "Babayaga" mit den Musikern aus St. Petersburg "Marktschneider Kunst".


Von der US-amerikanischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck kommt das Zitat: "Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten."

Villa ist in der Glücksstudie nicht befragt worden.

24.09.11

Mit dem Strom schwimmen

Aus Jena

Danke an meinen Bruder, der mich per Google Chat an seiner großen Amerikatour teilnehmen ließ. Dieses Foto wurde im Hafen einer Küstenkleinstadt etwa 400km neben Los Angelas aufgenommen.

Von den Möglichkeiten der virtualisierten Globalisierung durch moderne Kommunikationstechniken begeistert Villa

18.09.11

Reiseziel Dalmatien

Aufgebrochen, den Sommer zu suchen, war unser Reiseziel die kroatische Küste Dalmatiens, genauer gesagt die Makarska-Riviera, noch genauer Tučepi. Tučepi ist ein kleiner Touristenort zwischen den Abhängen des Biokovo-Gebirges und der mit Kiefern bedeckten Kieselsteinküste der Adria. Entspannt kann man dort die Annehmlichkeiten eines Urlaubes genießen.

Besonders beeindruckt hat mich die sehr gute Wasserqualität an der Küste. Das wohl sauberste Gewässer am Mittelmeer, das ich jemals sah, immer wieder ausgezeichnet mit dem Ökolabel "Blaue Flagge", empfing uns mit glasklarem, türkisfarbenem Wasser. Mit dem Taxiboot und einem motorisierten Schlauchboot haben wir mehrfach die Küste erkundet.

All die kleinen Orte an der Küste haben noch ein höher gelegenes Pendant in den steilen Karstfelswänden des Gebirges. Zweimal sind wir in den frühen Abendstunden mit dem Taxi in die alte Siedlung gefahren. Ein imposanter Blick von der Anhöhe auf die offene See und die vorgelagerten Inseln und die scheinbar jahrhundertelange Ruhe der steinernen Häuser waren unser Lohn. Etwas mühevoll waren die Wanderwege jeweils zurück zur Küste, aber sie boten uns ungetrübte Natur und entspannte Ruhe. Viele verlassen Weiler, Olivenhaine und Feigenbäume säumten den Weg.

Ein größerer Ausflug brachte uns zum Flussgebiet von Krka. Der Nationalpark "Krka" (wie verdammt spricht man das aus?) beeindruckt mit seinen sieben Rauwacken-Wasserfällen und seiner außerordentlich reichen Flora und Fauna. Allerdings ist der Parkbereich, ein Netz aus Pfaden und Brücken auch sehr belebt und wird touristisch stark ausgebeutet.

Eine wunderschöne Panoramafahrt durch die Hochgebirgsregion des Naturschutzparks Biokovo brachte uns zur höchsten Bergspitze SV. Jure, die sich stolze 1762 m über den Meeresspiegel erhebt. Auf dem Weg dahin wieder verlassene Dörfer und Weiler. Das karge Landleben hat die Bewohner wohl veranlasst, ihr Heil an der Küste zu suchen. In den Mauern der alten, verlassenen Steinhäuser haben wir auch ein besonderes Krabbeltier gefunden. Der schwarz-braune Skorpion (Euscorpius italicus) sah zwar etwas giftig aus, aber seine Stiche sollen weitgehend harmlos sein.


Zum Schluß noch etwas über die Küche in Dalmatien. Also für mich war sie kein Gaumenschmeichler. In den Küstenorten beherrscht Fastfood das Angebot der vielen Pizzerien, Konobas und Tarvernen. In den von mir besuchten Restaurants hatten sie es immer geschafft, den frischen Fisch oder das Fleisch tot zu braten oder leider mit nicht so hochwertigem Öl zu ersäufen. Lediglich das in der Holzkohleasche gebackene Brot in dem Bergdorf Tučepi, der leicht angeräucherte dalmatische Rohschinken, der Schafskäse und das frische Obst konnten mich überzeugen. Der immer so heftig angepriesene Kräuterbrand eignete sich nur als Fotomotiv.


Ausgezogen, den Sommer 2011 zu suchen, haben wir Ruhe und Entspannung bei bestem Sommerwetter an der Küste Dalmatiens gefunden.

Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß
Gerade bemerkt, Blogger hat etwas verändert und man muss neben das Bild klicken, um es doppelt so groß zu sehen ...seltsam.

19.08.11

Hexenkessel Kulturarena Jena

Den größten Live-Wahnsinn und die durchgedrehteste Bühnenshow erlebte die 20. Kulturarena mit den Musik-Vagabunden "Gogol Bordello" aus New York. Die Zigeunerpunker verwandelten die Arenabesucher in eine tobende Masse.


Jeglicher musikalischen Schubladisierung entzogen, wohl einer Mischung aus Ska, Metal und Balkan-Gypsy-Punk hetzte uns der Entertainer par excellence Eugene Hütz wie eine Wildsau durch das Programm. 2800 Besucher (mit Hang zum Exzess) bildeten Speed-Ringelreihen und flippten beim Veitstanz aus. Es war wilde Raserei!



Der Ukariner Eugene Hütz wurde mit seiner Familie 1986 aus dem Reaktorgebiet Tschernobyl evakuiert und kam über Umwege Mitte der 90er Jahre nach New York. Seine Vorfahren waren Zigeuner und die Musik hat auch die Ausgelassenheit des fahrenden Volkes übernommen. Von einer kleinen bulgarischen Bar in China Town aus begann er die New Yorker Szene aufzumischen. Inzwischen touren er und seine Band durch ganz Amerika und Europa. Mit viel Akkordeon und dem wilden Geiger (Yuri Lemeshev) sowie Gitarren und Perkussion entfesselte die neunköpfige internationale Musikerband uns im Dauerbeschuss. Fast jegliche Form des Applauses mit Glas in der Hand war unmöglich und ich war froh, dass die ausgegebenen Plastegläser größeren Scherbenbruch verhinderten.



Ganz anders und dennoch auch kosmopolitisch gestaltete sich das gestrige Asa-Konzert. Es war wunderbare Musik zum Chillen, genießen und sich treiben lassen. Die Franco-Nigerianerin brachte den Groove in die Arena, sang mit dunkler, schmeichelnder Stimme mal Soul, mal Reggae, mal afrikanische Rhythmen in ihrer Heimatsprache Yoruba. Sie spielte Trompete und Gitarre mit den Bandkollegen, immer dabei ihre Stimme souverän zur Wirkung bringend.



Gut gelaunt, mit sexy weichem Hüftschwung, kokettierte sie mit uns und forderte uns auf ihren Namen Asa ("Aaascha") zu sprechen. Asa bedeutet "kleiner Falke" und just in diesem Moment verirrte sich eine kleine Fledermaus vor die Bühne. Bestimmt die kleine ortstreue Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros). Villa ist auch ortstreu und freut sich schon jetzt auf eine Neuauflage der Kulturarea 2012.


Nachtragen möchte ich doch die Konzert-Fotos der marokkanischen Balladensängerin Hindi Zahra.



Kleine Kulturarenabegebenheit am Rande: Meine Freundin verlor gestern vor Konzertbeginn einen 50-Euro-Schein und das Unglaubliche geschah. Ein ehrlicher Finder gab den Schein am Kulturarenastand ab und sie bekam ihr Geld zurück. Schon ein tolles Volk, diese Arenagänger.


Villa, die sich in den Sommerurlaub verabschiedet.