31.07.10

Jena - Trilogie der Töne

Für berührende Momente sorgte am Mittwochabend die aus Dänemark stammende F0lk-Pop-Sängerin und Bandleaderin Tina Dico. Ein Name, den ich mir merken werde, um in ruhigeren Zeiten in die einfühlsamen Akustik-Songs einzutauchen.


Ganz anders die Stimmung am darauf folgenden Tag beim Feuerwerk der Son-Musiker Sierra Maestro. Dort explodierte das Publikum im vorderen Theatervorplatz schon beim ersten Titel mit solistischen Tanzeinlagen. Neben mir befand sich Jenas Salsa-DJ Ernesto und seine zahlreiche spanisch sprechende Anhängerschaft. Da wurde lauthals gegrüßt, geküsst, geherzt und sich gekonnt mit leidenschaftlichem Amüsement zu Mambo, Salza und Cha-Cha bewegt.
Der wunderbare Swing griff auf das Publikum über, ließ uns die dicken Regenwolken vergessen und nur noch kubanische Mentalität und Lebensfreude spüren. Toll, die einzelnen Soli-Einlagen aus dem Gruppenfeuerwerk heraus, jede für sich ein musikalischer Höhepunkt. Mein Aplauso galt besonders dem Trompeter Yelfris Valdes Espinosa. Die typischen Sprechgesangseinlagen der 9-köpfigen Band haben wir zwar nicht verstanden, aber das besondere Flair der besten Son-Gruppe Kubas hat uns temperamentvoll mitgerissen. Ernesto hatte es bei den Zugaben dann schließlich zum Tanzen bis auf die Bühne geschafft und mit heftigen Applausstürmen und Zugaberufen wurde die Band abschließend bejubelt.

Etwas skeptisch ging ich gestern zum Arena-Auftritt des unumstrittenen Publikumsmagneten Milow (bürgerliche Name Jonathan Vanderbroek). Das seit langem ausverkaufte und auch teuerste Konzert in diesem Jahr des 28-jährigen Belgiers zog natürlich durch seine derzeitigen Charterfolge "Ayo Technology“ (der Coverversion eines Hits des US-Rappers 50 Cent) und dem Ohrwurm "You Don’t Know“. Würde aber dies für ein ganzes Konzert reichen?


Den Mann sich live auf der Bühne entfalten zu sehen, seine wahren Qualitäten zu erkennen, war für mich DIE Entdeckung. Der pure Akustikgitarrenklang, die warme Stimme bei den Balladen eroberten mein Herz und ließen mich an meine mich prägenden Lieblinge Neil Young und Bob Dylon denken. Was für ein Konzert!
Einmal schien es, als würde der meisterhafte und gewitzte Gitarrist Tom Vanstiphout ihm die Show stehlen, als er mit den Worten: " Ich habe mich in Jena rundgeguggen und Songs geschrieben..." mit einer Persiflage auf deutsche Schlager das Publikum begeisterte. Aber mit den Worten "Back to my concert" konzentrierte sich der Fokus schnell wieder auf den sympathischen Singer-Songwriter Milow. Auch im Duett mit Background-Sängerin Nina Babet bei der Ballade " Out of my hands" bezauberten mich die Musiker und als sie am Ende des Konzertes mit den Jungs der Vorband Marek Lieberberg & Mario Medrzycki fusionierten, zollten ihnen 3000 begeisterte Besucher ihre Anerkennung.


Tolle Kulturarena, mein Musikerherz läuft über - Villa

27.07.10

Im Schlepptau der Kulturarena

Im Schlepptau des Kulturarena-Schiffs, auf seinem Weg durch die Nordostpassage, ruderte Jochen Distelmeyer am 22. Juli in Jena auf Lyrik-Kurs.

Jochen Distelmeyer (ehemals Kopf der Band Blumenfeld) wächst in seine Rolle als Solokünstler und wurde in Jena von einer kleinen, feinen Fangemeinde sehr wohlwollend aufgenommen. Der erste A-capella-Song "Regen" passte zum Wetter und der Songtext: "Heller Wind und silbern fällt der Regen auf die Welt. Kommt zu mir wie ein alter Freund" entsprach der Arena-Stimmung. Im Konzert gab es etwa ein Drittel alter Blumenfeld-Klassiker und der Rest waren Titel des Albums Heavy (2009) und den Singles "Lasst uns Liebe sein" und "Regen". Ab dem 5. Titel forderte er die Zuhörerschaft mit den Worten "Wir sind verträglich und beißen nicht, kommt nach vorn zum Tanzen, dies ist ein Rock and Roll Konzert." auf, die regenlichten Reihen zu schließen. Vor mir tanzte sich ein wunderschönes Mädchen, mit schwarz/weiß gepunkteten Gummistiefeln, in die lyrischen Songs und lauschte mit geschlossenen Augen dem Songwriter und seinen detailreichen Gesangsmelodien.

Bei der Schifffahrt ist man sehr auf aktuelle Wettervorhersagungen angewiesen und die verhießen für den Auftritt der zwei Fabelwesen "CocoRosie" aus der seefahrenden Nation Frankreich nichts Gutes. Dennoch ließen sich die 2.500 Zuschauer den größten Geheimtipp der aktuellen Indiepopszene trotz Dauerregen nicht entgehen.

Folgende CocoRosie-Konzertbeschreibung stammt aus der Feder von Pest Krause:

"Ihre eigenwillige Mischung aus elektronischer Musik und klassischer Songstruktur wird von zahlreichen ungewöhnlichen Instrumentarien wie Kinderspielzeug, Küchenmaschinen und überhaupt allem, was irgendwie Geräusche erzeugen kann, begleitet. Dabei wechseln sich die Schwestern im Gesang ab, die eine puppenhaft kindlich, die andere mit Opernausbildung im Arien-Timbre. Unterstützt wurden die beiden von einem Beatboxer, der unglaubliche Klang- und Rhythmuswelten nur durch Körpereinsatz entstehen ließ, einem Pianisten und einem Percussionisten und Geräuschkünstler. Die Musik erschien teils esoterisch entrückt, teils ungemein brachial und entfesselt, und im Hintergrund untermalten schräge Animationen und Filmschnipsel die Kunsthaftigkeit des Gesamtkonzepts. Allerdings wirkte dieser Auftritt niemals aufgesetzt und verkopft, denn wenn man zusah, wie die Casady-Schwestern durch ausgelassenes Hüpfen über die Bühne sich und das Publikum gegenseitig aufstachelten, hatte man dann doch den Eindruck einer nie enden wollenden Pyjama-Party."

Auf den Kurswechsel und Abstecher in karibische Gefilde am 29. Juli mit der Band "Sierra Marstra" freue ich mich ganz besonders, hatte ich doch schon dreimal das Vergnügen, auf Kuba den klangvollen Rhythmen zu lauschen.

Ich werde in Erinnerungen zu schwelgen - Villa

22.07.10

Geburtstagsparty im Feuer des Rocks


Eric Bazilian, geboren am 21. Juli 1953 in Philadelphia, Gründungsmitglied der Rockband The Hooters, feierte gestern seinen 57. Geburtstag mit dem begeisterten Publikum in der Kulturarena Jena. Wir waren nur all zu gerne bereit, ihm sein Ständchen zu singen und er belohnte uns mit exzellenter handgemachter Musik.

Live sind die Hooters eine hinreißende, charismatische Band, die es vortrefflich versteht, ihr Publikum einzubeziehen. Erstaunlich für mich, der Opener "Pissing in the Rhine" wurde von der Vereinigten Staaten-Band in Deutsch gesungen. Das witzige, beschwingte Trinklied begann mit den Worten. "Eine gute Flasche Wein. Du bist nicht bei mir. Aber ich bin nicht allein. Hier mit ’nem großen Bier. Pissing in the Rhine. Ich bin nicht allein." Sie waren nicht allein! Vor ausverkauften Arenarund war das Konzert eine Reminiszenz an die gute alte Zeit. Da durften Titel wie "All you Zombies, 25 Houers a Day, Great Big American Car, 500 Miles..." nicht fehlen und als in der ersten Zugaben-Runde der Titel "Johnny B" erklang, hielt es die wenigsten an ihrem Platz. Die zweite Zugaben-Runde waren zwei Lieder, die sie erfolgreich als Songwriter für andere Musiker komponierten: "One Of Us" für Joan Osburg und der Rausschmeisser-Titel "Time After Time" für Cindy Lauper.

Das Gespann um Eric Bazilian und Ro Hyman lieferten zu ihrem 30-jährigen Bühnenjubiläum eine schweißtreibende, spielfreudige Show ab, in der auch Neumitglied Tommy Williams sehr gut integriert war.

Liveenergie erfolgreich übertragen - Villa

18.07.10

Shibusa Shirazu Orchestra in Jena - ein Rausch der Sinne

Passepartout macht Kunst im Nu. So geht es mir mit den Musikkritiken und Empfehlungen von Pest Krause. Seine ureigene, skurrile Sprache und der brillante Wortwitz macht für mich die Kritik zum Bravourstück. Vielleicht gelingt es ihm ja, das geniale Spektakel des gestrigen Kulturarenaabends in Worte zu fassen. Mich überkam nach fassungslosem Staunen über das opulente Kunstwerk der 20-köpfigen japanischen Band eine tiefe Freude über das 19-jährige Bestehen der Kulturarena.

Das Kultorchester "Shibusa Shirazu Orchestra" wählte Jena auf seiner EU-Tour 2010 zum einzigen deutschen Spielort. Die Musiker des Jazzorchesters, weiß gekalkte Butoh-Tänzer mit großer Mimen- und Figurenkraft, Go-Go-Girls in ständig wechselnden farbenprächtigen Kostümen, ein Maler, der während des Auftritts ein für Asien so typisches Bild malte, sowie die anmutige Sängerin, die das Publikum zum Schweigen brachte, alle gemeinsam füllten sie Bühne und Theatervorplatz nicht nur akustisch sondern auch optisch aus. Dabei dirigierte der Bassist Daisuke Fuwa (Gründer der Band) sehr eigenwillig das Riesenensemble, ohne jemals die Zigarette aus dem Mund zu nehmen. Musikalisch eine Fusion von allem: Freestylejazz, traditionelle Gagaku-Lieder, japanische Polka, Punk'n'Funk, Balkanska... ein unbeschreiblicher Stilmix. Der Rhythmus änderte sich ebenso abrupt wie die Dynamik, wobei immer noch Raum für solistische Ausflüge gegeben war.


Mit den Worten "Das ist kein Konzert, sondern eine Big-Party" wurden wir Zuschauer aufgefordert, aktiver Teil der aufregenden Bühnenshow zu werden. Majestätisch entstieg der Bühne ein riesiger Zeppelin-Silberdrache und mit seinen offenen Schwingen schien er direkt in den JenTower zu fliegen.
Subtil waren auch die humoristischen Einlagen. Florian Freistetter fragt auf seinem Blog: "Was treibt die Frau auf der Leiter da mit den Bananen?"

Dieses Konzerterlebnis lässt sich nicht leicht beschreiben und es fällt mir schwer zu glauben, dass es noch zu toppen ist. Aber die Kulturarena 2010 steht ja erst am Anfang und ich lass mich gerne weiter überraschen.

Danke, Herr Pest Krause, für Ihre Begleitung, die schönen Geschenke (juchuuu, die freitagsfrischen Melodien sind mein) und den Kaffee.

Vom anderen Ende der Nordostpassage aus Japan kam das Shibusa Shirazu Orchestra in die Saalestadt - Villa sagt ありがとう

16.07.10

Elektronenbäumchen

Vor ein paar Tagen fotografierte ich das Produkt meiner Arbeit. Es war als kleiner Beitrag für das Blog Tribute to Douglas Adam meiner Freundin Cuentacuentos gedacht. Heute fand ich ein neues Blog im Blogroll der Thüringer Blogzentrale und dort den schönen Beitrag "Angeödete Elektronen" .
Den Vortrag vom "Physik-Entertainer" Harald Lesch hätte ich auch sehr gerne gehört.

Strahlend Villa

Volle Fahrt voraus - Kulturarena 2010 in Jena

Die Nordostpassage (Motto der Musikarena) ist der schnellste Seeweg nach Asien. Entlang der Nordküsten Europas und Asiens, vom Weißen Meer bis zur Beringstraße, ist die Route meist zugefroren und Eisbrecher bahnen den Weg. Nur in den Sommermonaten Juli, August lässt sich die Passage frei durchfahren. Vom Heimathafen Jena aus bewegte sich die Musikflotte mit einer Eröffnungtroika durch die flache Fahrrinne. Der Besucherstrom war noch etwas verhalten nach den Fußballwochen und durch die unerträglichen Sommerhitze. Als Kapitän war die Kulturjournalistin Shelly Kupferberg an Bord und führte die blutjunge Mannschaft durchs Arenagewässer.

Der flämischen Soul-Sängerin Selah Sue fiel die Aufgabe zu, das Eis zu brechen. Die blutjunge Belgierin entpuppte sich als Soul-Reggae-Röhre mit großer Bühnenpräsenz. Sie wird sicherlich nicht länger ein Geheimtipp bleiben. Allerdings sollte sie sich schnell ihre kleinen Starallüren abschminken (Fotografieren nur beim 5. Titel, üblich sind die ersten 3), dann wird aus der sehr talentierten, hübschen Sängerin, mit Sicherheit sehr bald, ein großer Star.

Ebenfalls blutjung war der zweite Matrose an Deck. Der absolut sympathische Holländer "Hamel", dessen Stimme während des Konzertes immer größer wurde, beschwört neue moderne Jazz-Zeiten herauf. Er wollte nie auf Kreuzfahrtschiffen enden und so er betrieb seine Ausbildung am Musikkonservatorium und bei einem Literatur- und Journalismus-Studium. Seine Pop-Musik schreibt er selbst und NL ist zu Recht sehr stolz auf ihn. Den Jenaer Musiker Rainer Pratzka (Dixielanders) begeisterte seine Stimmähnlichkeit mit Jamie Cullum und das perfekte Zusammenspiel mit der Band. Auch den anderen Landratten im Publikum gefiel der Bogen von Jazz-Klassikern bis Bossa Nova und sie erklärten den charmanten Blonden zu Everbody's Darling.

Die polyglot geprägte Musik der Gruppe "Rupa & The April Fishes" war mein dicker Fisch auf der Klangreise. Ich mag einfach die Fusionen aus Folk, Ska, Rock und Latin. Die "Aprilfische" aus San Francisco mischten noch Tango und französische Chansons dazu, lockten die bestuhlten Gäste zum Tanzen vor die Bühne und ab ging die Reise auf stürmische See. Die mexikanische Frontfrau Rupa Marya wäre auch als Ärztin zur Stelle gewesen, hätte jemand bei der Hitzeschlacht Schaden genommen.
Der erste Musikabend gab den Kompass vor, wohin die Arenareise geht. Bei 34 Konzerten stechen unterschiedlichste Musiker in See, werfen in Jena den Anker und nehmen mich mit an Bord. Der Abend endete vom Gattenlotsen begleitet in der heimischen Koje.

Bei ausverkauftem Haus und vor Beginn des Konzertes von "2Raumwohnung" wurde gestern der millionste Besucher seit Arena-Beginn vor 19 Jahren ermittelt. Eine Dame aus Apolda fing den geworfenen Ball und erhielt eine begehrte Dauerkarte für alle weiteren Veranstaltungen. Das Konzert war der kleinste, gemeinsame Nenner in meinem Arbeits-und Bekanntenkreis und die Stimmung auf dem Theaterplatz war hervorragend. Auch wenn die Musik des Popduos nicht so ganz die meinige ist, habe ich mich von der guten Laune anstecken lassen und den Arena-Abend genossen. 21.42 Uhr kam der bekannte Song "36 Grad", da war es in Jena aber nur noch 23.8°C warm.

Mein Freude auf das Samstagskonzert ist riesengroß, nehme ich doch einen blinden Passagier mit an Bord, auf den ich mich so sehr freue wie auf die japanische Band "Shibusa Shirazu Orchester".

Alle Mann an Deck, bereit zum Entern - Villa

13.07.10

Die Messe ist gelesen

Meine organgenen Helden waren nicht die Holländer im WM-Endspiel, sondern die fleißigen Entsorger der Jenaer Stadtwirtschaft. Die ganze Innenstadt war vom vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 eine große Fanmeile und dementsprechend sah es auch aus. Dank an die fleißigen Müllmänner und hier ihr Lied.
Phillipp richtet sein Augenmerk auf unseren weltweiter Medienstar Krake Paul.


Villa dankt ihrem Orakel Phillipp

11.07.10

Verheißungsvoll

Die Rebe ist ein Sonnenkind. Trotz gleißender Mittagssonne (34,1°C) umrundete ich heute die zwei Hektar Bacchus-Reben unterhalb der Kunitzburg. Seit Mai sind die Rebstock-Setzlinge auf rund 30 cm angewachsen und halten mit dem Unkraut Schritt. Wie mir die Vertreter des Thüringer Weingutes Bad Sulza versprachen, wurde eine Info-Tafel aufgestellt, die wissenswerte Eckpunke des neuen Weinberges erklärt. Wann die nächsten Arbeiten anfallen, weiß ich nicht, versuche es aber nächste Woche zu erfahren.

Urlaub in der Stadt verspricht die KulturArena Jena 2010. Unter dem Motto „Nordostpassagen“ verheißt das größte Sommerfestival Thüringens tolle Urlaubsstimmung nach Feierabend.
Mein Karten-Portfolio ist schon seit Wochen gefüllt, sicher kommt aber noch das eine oder andere Spontankonzert dazu.

Sich auf die Kulturarena freuend Villa

07.07.10

03.07.10

Hundstage

BlocksatzDa die heißesten Wochen des Jahres als „Hundstage“ bezeichnet und die in flirrender
Sommerhitze häufig auftretenden Fata Morganen auch als der "vom Himmel tropfender Speichel des Hundsstern" genannt werden, wünschen die Hunde heute keine Ablenkung des Lichts auf den vielen Bildwänden beim Public Viewing.

Viel Spaß am heutigen Samstag beim WM-Spiel Deutschland gegen Argentinien - Villa