25.07.09

Enttäuschung vor ausverkauftem Kulturarenahaus


Nein, das war nicht mein Konzert. Emiliana Torrini erzählte zu Beginn, sie hätte am Morgen den Regentanz beschworen und zumindest das Wetter stellte sich nach ein paar kurzen Schauern darauf ein. Später bildetet sich einen schillernden Regenbogen über dem Theatervorplatz. Ein Freund meinte am Ende, er würde trauriger nach Hause gehen. Vorhandene Erwartungen sind schwer zu erfüllen, ich hatte keine, war aber insgesamt von der fast eintönigen Musik enttäuscht. Die Musiker waren äußerst sparsam mit ihren Instrumenten, hatte große Probleme mit der Gitarrenabstimmung und klimperten abwechselnd auf einem Xylophon. Die Sängerin mit italienischen und isländischen Wurzeln verlor öfter den Faden, fand nicht die richtige Tonlage, konnte den Funken auf das Publikum, mit ihren indiegeprägten Elektrofolk, einfach nicht übertragen. Außerdem nervte sie mich mit unentwegten jungmädchenhaften gezupfe und nesteln am weißen Elfenkleid, oder war es ein Mormonen-Hippie-Kleid? Auch ihr Jammern über Tourenstress erntete fast schon höhnisches Gelächter. Als etwa eine halbe Stunde vor Schluss, die Band aus ihrem nordischen Tiefschlaf zu erwachen schien, war es indes nur ein kurzes Aufflackern und der von vielen erwartete Titel "Jungel Drum" (war ich die Einzige, die ihn nicht kannte?) konnte das Konzert nicht retten. Der Regenbogen war lange verschwunden und mein Interesse auch.
Zeit mal was über das Arenacatering zu schreiben. Seit Anbeginn holen wir treu unsere Getränke bei "Müllex" dem Mann der Ersten Stunde und heutigen Betreiber des Cafe Central am Marktplatz. Sehr positiv bewerte ich die superleckeren Angebote von Christof Truppel (H&S), der mit seiner Mannschaft einen klasse Veranstaltungsservise hinbäckt und mich schon des Öfteren vor dem Hungertod bewahrt hat.
Fazit: Meine Enttäuschung macht noch keinen Sommer, keine Kulturarena aus Villa

Kommentare:

  1. Pfeife. Großartiges Konzert für Leute, die sich mit Emilianas gesamtem Werk beschäftigt haben, nicht nur mit einem Chart-Erfolg. Daran krankte auch das Konzert ein wenig: Bezeichnend, dass für die zwei Minuten Jungle Drum die Leute kurz vom Bierstand kamen, um nachher direkt wieder dahin zurück zu wandern. Dabei fehlte es gewiss nicht an großen Liedern, dazu hervorragend vorgetragen, aber dazu bedarf es wohl einer größeren musikalischen Aufgeschlossenheit als deiner. Each to their own.

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  2. Krankte das Konzert?
    Danke für deine Kritik und du hast Recht, ich habe mich mit Emilianas gesamtem Werk vorher nicht beschäftigt. Da Radio und TV nicht meine Medien sind, kannte ich die Sommerhitnummer (Chart-Erfolg) überhaupt nicht.
    Diese psychedelischen Songs sind einfach nicht jedermanns Sache und für meinen Geschmack waren die
    wenig instrumentierten Songs klar überbesetzt und der Sound nicht optimal abgemischt.
    Die Wanderungen zum Bierstand während des Konzertes habe ich nicht bemerkt, da ich mich von meinem vorderen Stehplatz keine Minute fortbewegt habe.Der Fairness halber werde ich noch auf die Emiliana Torrini Seite verlinken, möge sich jeder selbst sein Urteil bilden.
    Die Pfeife Villa nimmt es nicht so bierernst, steht aber deiner Kritik aufgeschlossen gegenüber.

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  3. Die 'Pfeife' streichen wir mal aus dem ersten Kommentar - da ist mein Unmut ein bisschen mit mir durchgegangen. :-) Und umso schöner, wenn du auf Emiliana nicht durch Germany's Next Top Model aufmerksam geworden bist! Jungle Drum ist zwar ein tolles Lied, aber nicht eben repräsentativ für ihre Musik. Und genau daran, finde ich, krankte das Konzert in der Tat: an den Erwartungen des Publikums, ausgenommen die Minderheit, die Emiliana bereits vor ihrer neuerlichen Prominenz kannte und mochte. Ich stand ein bisschen weiter weg und musste deshalb viele desinteressierte Nebengespräche der Umstehenden mit anhören - das finde ich nicht nur frech gegenüber Leuten, die wirklich zuhören möchten, sondern auch respektlos gegenüber gleich welchem Künstler.
    Psychedelisch ist übrigens ein Attribut, das ich hier nicht benutzen würde. Da gibt es Musik, die deutlich drogengeeigneter und -beeinflusster erscheint. Und 'wenig instrumentierte Songs klar überbesetzt' verstehe ich nicht. Zu wenige Instrumente, aber zu viele Musiker?! Vielleicht nochmal erklären. Und: Die Sonne genießen, die ja beim Konzert ein bisschen fehlte.

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  4. In Ordnung, ich nehme psychedelisch auch wieder zurück und nehme mir stattdessen vor, die Musik von Emiliana Torrini in der heimischen Villa mal in Ruhe anzuhören.
    Vielleicht ändert sich dann mein Live-Eindruck.
    Ich hätte mir einfach mehr Power von den Musikern gewünscht.
    Mit der Hoffnung auf Sonntagssonnenpower wünsche ich noch einen schönes Restwochenende.

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  5. Einverstanden! Und ich will ja auch gar nicht missionieren. Es ging mir nur um einen fairen Umgang und den Hinweis darauf, dass man das Konzert und die Musik auch wirklich mögen kann. Die meiste 'Power' hat übrigens in der Tat ihr letztes Album 'Me & Armini'. Falls das ein wichtigesw Kriterium für deine Musikauswahl ist, dann Finger weg vom Vorgänger 'Fisherman's Woman', obgleich der auch ganz wunderbare, wenn auch ruhige Schätze zu bieten hat.

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  6. Gerade erst gesehen: Emilianas offizielle Seite ist diese www.emilianatorrini.com - und auch aktueller.

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  7. Um ehrlich zu sein, kannte ich Emiliana Torrini auch nur durch den (quasi aus dem Nichts kommenden) Charterfolg "Jungle Drum".
    Das Konzert fand ich sehr gut, die Musik passte zum Wetter ;-)
    Schade, dass viele Besucher den Abend am Bierstand verbrachten. Aber wie sagte bereits Diederich Heßling in Thomas Manns "Untertan"? "Ich gehe nur in Konzerte, wo ich Bier trinken kann."

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  8. @Mathias
    Ich ändere den Link und gehe danach in die Sonne.
    @Jens
    Das ist gerade das Schöne an diesem Festival, sich immer auf neue Musik einzulassen, auch wenn sie nicht immer gefallen muss.

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