


wie es leibt und lebt....
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Tilmann Otto Baujahr 75 geboren in Osnabrück, nennt sich Gentleman.
Keine Ahnung wie Wikipedia einen Gentleman definiert, aber wenn man international Platten in diesem Genre verkaufen will, ist ein deutscher Otto vermutlich so hilfreich wie Stöckelschuhe auf einem Ärzte-Konzert. Aber warum ausgerechnet Gentleman?
Okay, Namen sind sowieso Schall und Rauch. Und dieser Schall (für den Rauch will ich mal nicht sprechen) hatte es echt in sich. Als pünktlich 10 nach 8 die eher durchschnittlich beleuchtete Bühne einen Blick auf die Gentlemannschaft freigab, saß noch so mancher recht cool auf seinen vier Buchstaben, hatte jedoch gleich beim 1. Titel „Intoxiation“ ein ACH-DER-IST-DAS-GESICHT und spätestens jetzt Rhythmus im Körper (oder war schlichtweg tot).
Wollte dieser Gentleman einschließlich seiner Far East Band gestern unsere Provinzstadt rocken? Wollte er uns zwei Stunden nach Jamaika tragen, unsere Beine wie Froschschenkel unter einer Flachbatterie zucken lassen, uns pure Lebensfreude eintakten? Falls dem so war: Mission erfüllt, Mr. Gentleman! Hut ab, mein Lieber, das hätte ich so nicht erwartet. Vor dem Konzert kreisten unsere Gedanken um unser privates Kulturbudget (28,-EUR Abendkasse), das dortige Catering und angesagte Gewitterfronten. Nach dem Konzert, ich gebe zu, haben wir nachgeschaut,wo man einen Jamaika-Urlaub buchen könnte.
So müssen Konzerte sein!
Später bei „Different Places“ hab ich gesehen, wie einem Rollifahrer die Füße wippten, da schwöre ich jeden Meineid. Als letzten Song bekamen wir noch den "Redemption Song" mit viel Liebe a capella vorgetragen als Wegzehrung mit. Ungelogen, so viel gemütlich herumlungernde Hörerschaft auf dem Engelplatz habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen.
Wahr ist auch, dass uns Gentleman für das nächstes Frühjahr ein neues Album versprach, auf das jeder 2. Konzertbesucher an diesem Abend noch eine Anzahlung geleistet hätte. So hingerissen und besoffen kann einem eine laue Sommernacht, Weißwein und Reggae-Musik vom Feinsten machen. Da kann der Künstler Rumpelstilzchen, hüpfender Reggaefrosch, Otto oder Gentleman heißen - scheiß egal!
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Der Weg zum Gral ist mangelhaft beschildert.
Nun kennen wir sie also, die wirkliche, die ganze Wahrheit über die Musketiere.
Gestern war es soweit, der Rauten-Pullunderossi vom Dienst Olaf Schubert, gab in Jena ein Gastspiel und das Versprechen uns die ganze Wahrheit über die 3 alten Haudegen zu erzählen. 20 Euro sind zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, sind wir zur Stelle und geben üppiges Salär dem fahrenden Volk.
Harraarr! Hoo Hoo, H-O!
Ritter, aber nicht die Echten, welche wir von den täglichen Mittelalterspektakeln allerorten her kennen (die sind doch die Echten oder?) nein, Gaukler und Hanswürste der allerfeinsten Sorte rennen plappernd und kaspernd über die Bretter, die heute Abend die Welt bedeuten.
Noch eine letzte Schlacht mit SadomasoThilo aus Mittweida und D´Artagnan hat es geschafft. Der heilige Gral, hier "ein dierischer Eimor" genannt, kann König Artus überreicht und die angebetete Jacqueline von D'Artagnan zum Weibe genommen werden.
Harrrr! H-O! Hoo Hoo!!
SM Thilo, dieser fiese Knecht, schwingt einen übergroßen Hammer mit der Aufschrift §218. Vermutlich hat er diesen einer armen gefallenen Feministin aus den kalten Händen gerissen. Aber darüber nachzudenken bleibt keine Zeit, steht doch das Finale an. Jaqueline steigt aus einer grünen Plastiktonne („Materie um nichts - für Kehricht und Erbroch-eeenes“) um sich zu übergeben, also sich ihm, unseren Helden hinzugeben, natürlich. Der Erzähler beginnt einen schreiend komischen Abspann vorzutragen und die Truppe versammelt sich vollzählig auf der Bühne.
Vorher jedoch haben die zahlreichen Gäste im Fauloch zu Jena die spielfreudige Truppe um Olaf Schubert bei einem Klamauk sondergleichen erlebt. Da wird auf der Suche nach geeigneten Gralsfindern so ziemlich alles gecastet was Rang und Namen hat, ein Egon Olsen genauso wie Spiderman oder Rocky Graciano. Die Story ist so hanebüchen wie Ihre Protagonisten und genau so war es wohl auch gewollt. Dazwischen greifen Aramies&Co immer wieder zur Klampfe der elektrischen und verballhornen die gar süße Melodei von Abba bis Bloodhound Gang, nichts ist vor ihnen sicher. „Yes, we can es versuchen.“
Artig werden noch ein paar Jenaer Sehenswürdigkeiten eingeflochten und sogar ein kleiner Seitenhieb auf Erfurt wird nicht vergessen. Dabei hat diese reine Männertruppe nichts weniger notwendig als diesen Opportunismus. Höchstens einen guten Tontechniker und jemanden der sich mit Werbung besser auskennt. Etwas mehr als die paar vereinzelt herumdümpelnden Werbebanner hätten sicherlich noch den einen oder anderen auf die Bänke der Johannesstraße gelockt und Technik, speziell die Tontechnik im 16 Jahrhundert, steckt wohl auch noch in den Kinderschuhen. Hier wird nicht mit feiner Klinge gespottet oder satirisch hinterfragt, nein, hier kriegt jeder sein Fett auf derbe und direkte Art. Die Liste der so verarschten reicht von Störtebecker über Hitler bis Bettina Wegner, ein Linux-Pinguin wird zur Paketfriedenstaube und Napoleon zum Erklärer der Quantenphysik zwischen zwei Nickerchen. Alles egal und alles fast wahr.
Und wenn am Ende unser Held mit der Edelsalami nicht zum Ritter, sondern zum Ungarn geschlagen wird, wunderte sich auch niemand mehr, als er Jacqueline, die heiß begehrte Braut dann doch erst mal in den Kühlschrank zurücklegen lässt.
Die Wahrheit ist, dass es uns gefallen hat.
Einen heldenhaften Abend erlebt von Phillipp und Villa