02.09.10

Seifenkistenbau in der heißen Phase

Keine Zeit für einen Lissabon-Bericht und Fotos, die heiße Bauphase für unsere Seifenkiste fordert sämtliche Zeitressourcen. Die Bodengruppe wurde körperumfließend vermessen und ausgeschnitten und die Brems-und Lenkeinrichtung positioniert. Ein großes Problem sind weiterhin die Räder. Andreas Stopsack, der in der Bachstraße im März eine Rad-Börse eröffnet hat, wo er gebrauchte Fahrräder und Ersatzteile für kleines Geld vertreibt, besorgte mir vier Räder. Er erzählte, dass er vor ein paar Jahren am Erfurter Lauentor selbst an einem Seifenkistenrennen teilgenommen hat, allerdings auf Skateboard-Rollen. Leider waren seine Räder für unsere Seifenkiste untauglich und auch der nächste Rädersatz (im Netz bestellt), wurde vom Chefkonstrukteur Phillipp verworfen. Überhaupt legt mein Partner einen Ehrgeiz an den Tag, dass man denken könnte, Norbert Haug schleicht seit Tagen um unseren Rennstall. Die Seifenkiste soll im Retro-Design der 50 Jahre entstehen und ich gestehe, dass ich den Arbeitsaufwand gewaltig unterschätzt habe.

Viel Zeit bleibt uns nicht, denn das 2. Jenaer Seifenkistenrennen startet am 18. September in Winzerla. Bereit, Kopf und Kragen zu riskieren, habe ich uns gleich bei zwei Anlaufstellen, dem Jugendzentrum Hugo und bei Streetwork Winzerla, als Rennteilnehmer registrieren lassen. Als ich aber den ersten Streckenverlauf sah - die gesamte Wasserachse - fragte ich mich, ob ich mich nicht maßlos überschätzt hatte. Inzwischen wurde aber der sehr steile und kurfenreiche Verlauf gekürzt und mir versichert, gewaltige Mengen an Strohballen würden den Streckenabschnitt absichern. Hoffentlich!

Im nächsten Bauabschnitt haben wir ein Skelett aus Bügeln und Drahtgeflecht montiert und das Chassis mit Zeitungspapier vorgeformt und gefirnisst. Hierbei war es schon sehr wichtig, die spätere Form vorzugeben. Phillipp hatte so einige Kniffe auf Lager, mit Draht und Fädenziehen, damit es nicht wie eine unförmige Wurst aussieht. Dann kam der "Sonntag der duroplastischen Matrix". Mit Glasfasermatten und Polyesterharz haben wir stundenlang, Lage für Lage aufgetragen. Dämpfe erschwerten diesen Arbeitsschritt und Scheren wurden beim Schneiden der Glasfasern verschlissen. Große Hilfe erhielten wir vom Gatten, aus seinem Erfahrungsschatz früherer DDR-Mangelwirtschaft stand er uns mit Rat und Tat zur Seite. Als wir für unseren damaligen Polski-Fiat keinen Ersatzkotflügel bekommen konnten, hatte er sich die Technik des Laminierens angeeignet. Außerdem spendierte er uns einen Autoreifen für die Bremsbeläge.
Jedenfalls war es eine Scheißarbeit, in wenigen Minuten war der Kunstharz Gelee und konnte nicht mehr aufgetragen werden, alles klebte und stank. Die sich aus den Matten auslösenden Glasfasern pickten, juckten und stachen am ganzen Körper und noch heute eitern einzelne Fasern aus meinen Händen, trotz Schutzkleidung! Aber es ist eine spannende und interessante Arbeit ein Auto eine Seifenkiste zu bauen und erste Fanpost vom Nichtenkind spornt an.

Die Zusicherung, genügend Strohballen würden bereitgestellt, lässt mich fragen, wo zum Teufel haben die Winzerlaer das ganze Stroh her? Am Samstag beobachtete ich die Fütterung der Elefanten des Circus Afrika am Jenzig. Stunden später war einer der Dickhäuter offenbar wieder so hungrig, dass er einer Besucherin der Tierschau auf der Freifläche die Tasche entriss und diese samt Geldbeutel und Autoschlüssel auffraß. Dabei soll er die Frau mit seinem Rüssel umschlungen und über seinen Rücken auf die Wiese geschleudert haben.
Haben wir mit unserem Stroh-Sicherheitsdenken etwa dem Rüsseltier das Futter vorenthalten?

Im Baufieber Phillipp und Villa

Kommentare:

  1. Hab schon gelauert, Holdeste, dass Sie wieder zurück in die Kälte kommen, welcome back!

    Meine Heimatzeitung hatte übrigens noch aus dem Polizeibericht zitiert, dass "die Handtasche im Elefanten verblieb". Und zu Ihrer anderen Frage fiel mir sofort der alte Klassiker ein:

    http://www.youtube.com/watch?v=N6loaOmF5Ak

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  2. Ha! Ich war gerade dabei, Licht in ihre Gustav Bilder zu bringen.

    Lissabon hatte 30°C und war prima.
    Leider hatte ich noch keine Zeit die vielen Fotos zu sortieren. Sie kennen das ja.

    Elefanten, Stroh, Ferkel

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