19.02.12

"What's Goin' On?" Apolda

Von dem 1995 in London verstorbenen irischen Blues-Rock-multi-Instrumentalisten Rory Gallagher stammt das Zitat: Wenn ich einmal abtreten muss, bleibt wenigstens meine Musik als Erinnerung. Und wenn ich im Himmel angekommen bin, werde ich Jimi als erstes fragen: "What's Goin' On?"

Apolda hätte ihm mit dem 26. Bluesfasching, unter dem Motto "Blues zwischen Himmel und Hölle", eine gute Antwort geben können. Großartig wieder die kreative Umsetzung des Themas in der Tiefgarage des Schlosshotels. Lange haben wir vor dem übergroßen Wandbild, das letzte Abendmahl verstorbener Musiklegenden, gestanden und gerätselt, wer wer ist.


Auf unserem Weg durchs Fegefeuer in den Himmel ließen wir uns am Samstag von acht Bands auf drei Bühnen läutern. Das Höllengeschrei eröffneten Tumbling Dice, Kuhle & The Gang und OZMB - Ohne Zeh Mit Bass. Letztere allesamt Mitglieder der Apoldaer-Stadtverwaltung mit dem Urgestein Dietmar Rosenkranz "Rosi", dem seit Jahren die Musikauswahl des Bluesfaschings obliegt.


Zwischen Himmel und Hölle war danach noch Platz für die Lausitz Blues Band, die Musiker von The Sons Of The Desert und Die Anonymen Musikaliker. In den gekracht vollen Gängen der Tiefgarage hingegen wurden Platz und Luft immer weniger.


Nach Mitternacht standen mit der Christoph Gallas Blues Band und Dynamite Daze zwei weitere teuflisch gute Highlights auf den Bühnen. Verstärkt durch den stimmgewaltigen Sänger und Thüringer Bluesurgestein „Big Minna“ Frank Friebel, einem Gastmusiker aus Illinois und dem Jenaer Posaunisten Sebastian Dorschner wurde es ein großartiger bluesgroovender Abschluss.

Mein Dank geht an die vielen Helferlein vom Lindenwurm Faschingsclub Apolda e.V., die das Konzept vom Alternativ-Karneval Jahr für Jahr mit Leben erfüllen.


Mit Blues-Rock im Ohr hat das Jüngste Gericht seinen Schrecken verloren.
Kein gefallener Engel Villa

21.01.12

Apolda zwischen Himmel und Hölle

Um den etwas wintertrüben Augen Glanzlichter zu gönnen, besuchte ich gestern mit zwei lieben Freundinnen die neuste Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde "Reisen mit William Turner".


Der am 14. Mai 1775 in London als Sohn eines Friseurs und Perückenmachers geborene englische Landschaftsmaler William Turner gilt als Entwickler der Stimmungslandschaft und führender Vertreter der Romantik. Im Kunsthaus Apolda sind nun 71 Mezzotinto-Radierungen aus der Mappe "Liber Studiorum" ausgestellt. Leider fand ich keinen so rechten Zugang zu den gezeigten Ausstellungsstücken, ich gestehe freimütig, ich fand sie etwas fad. Von einem freundlichen Servicemann ließen wir uns Mezzotinto (eine Gravur-Ätztechnik) erklären, auch wenn er dafür ein Lexikon bemühen musste. Die Ausstellung ist noch bis zum 09.04.2012 geöffnet, mögen sich andere ein eigenes Urteil bilden.

Um den etwas wintertauben Ohren Paukenschläge zu gönnen, freue ich mich auf den traditionellen Blues-Fasching in der Tiefgarage des Apoldaer Schlosshotels am 17. und 18. Februar. Seit Jahren beweist der Lindwurm Faschingsclub Apolda e.V., dass Blues und Fasching sehr wohl Hand in Hand gehen können. "Blues zwischen Himmel und Hölle" ist das diesjährige Motto und 14 Bands sind bestätigt. Gespannt bin ich auf die Dekoration der Tiefgarage, schon das aufregende Ankündigungsplakat dürfte nicht den Segen des Pontifex erhalten.


Villa, die sich noch überlegt, ob sie sich bei der Abendgarderobe an die Plakatvorgabe hält.

14.01.12

Musikalischer Jahresauftakt mit N.E.M.O aus Jena

Der musikalische Jahresauftakt 2012 war für mich ein völlig ungewohntes Terrain. Die Jenaer Classic meets Metal-Band N.E.M.O. gestaltet ihr Bühnenprogramm nach den Vorbildern von NIGHTWISH und EVANESCENCE und ist seit einigen Jahren mit ihrem Januar-Gig im F-Haus sehr erfolgreich. Kann man sich auf die Musik einlassen, erhält man in der Kombination aus Show und Musik ein echtes Live-Paket. Der Gesang der beiden Sängerinnen Lucy und Ellie waren das prägende Element des Abends, wobei ich mir etwas mehr Präsenz der Streichersektion im vorderen Bühnenteil gewünscht hätte. Ein Hingucker waren die Auftritte von Tina mit mittelalterlicher Sackpfeife und opulenter Feuerschaueinlage. Am meisten gespannt aber war ich auf den studierten Biologen und Gitarristen Sebastian Germerodt, auf dessen Einladung ich zu diesem Hörvergnügen überhaupt erst gekommen bin. Die Musik hat gerockt (ziemlich laut, der Gatte klagt heute über ein taubes Ohr), die Musiker interagierten stimmig miteinander und das Konzert wurde mit viel Bewegung souverän auf der Bühne präsentiert.


Villa, die sich nach dem Konzert erst einmal über die Bedeutung der "gehörnten Hand" Mano cornuta informiert hat.

23.12.11

Einsiedlers Heiliger Abend

Cartoon Phillipp: "Neulich beim Orthopäden"

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab' in den Weihnachtstagen -
ich weiß auch, warum -
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken vesunken.
Da hat's an der Türe gepocht,

und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachstlieder?
ich aber rief nicht: "Herein"!

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott.
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Fröhliche Weihnachten
Joachim Ringenatz


Villa wünscht ein Weihnachtsfest in Geborgenheit.

18.12.11

Kunst am 4. Advent

Wer den Jenaer Weihnachtsmarkt besucht kann und sollte (!) die Ausstellung nicht übersehen, die seit dem 4. Dezember und noch bis zum 4. März 2012 in der Kunstsammlung Jena, Markt 7 gezeigt wird:

Von Renoir bis Picasso - Künstler der École de Paris

Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung des Petit Palais, Genf

[Klick auf den Titel befördert auf die Webseite der Ausstellung]

Die Auswahl von 96 Werken aus der Sammlung des Musée du Petit Palais gibt einen eindrucksvollen Überblick über das künstlerische Schaffen in Paris während der Jahre, die den legendären Ruhm der Künstlerbezirke Montmartre und Montparnasse begründeten und Paris um die vorletzte Jahrhundertwende zur Welthauptstadt der Kunst erhoben. Als Besucher hat man nicht nur Gelegenheit, anhand der Exponate die künstlerischen Strategien und stilistischen Entwicklungen zu sehen, sondern erfährt auch etwas über das Leben der Künstler und ihre Schicksale – eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es sind ja nur ein paar Schritte vom Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt (2011) zu Pedro Creixams‘ „Le buveur“ (1918).

Jena ist stolz darauf, dass das Musée du Petit Palais bereits zum zweiten Mal mit der Kunstsammlung Jena kooperiert.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:



Wer noch unschlüssig über das passende Weihnachtsgeschenk ist, für den ist ja vielleicht eine Einladung in den Menü-Palast Jena eine Alternative. Noch bis zum 26.12 2011 gastieren in dem besonderen Zeltambiente Künstler der internationalen Varieté-Szene. Mir hat das bunte unterhaltsame Programm auch in diesem Jahr sehr gefallen und das Kulinarische kam ebenfalls nicht zu kurz.



Herzlich bedanken möchte ich mich bei meinen Lieben und Freunden, die uns in einer schweren Zeit unterstützen und Kraft geben. Es tut gut, macht Mut und schenkt Hoffnung. Besonders gefreut habe ich mich über das Stück vom Glück, dass die liebe Sandy mit mir geteilt hat, über den schönen Adventskranz der kreativen Birgit, die Orangenlieferung aus Sizilien von lieben Freunden und die moralische Unterstützung aus der fernen Hauptstadt.


Euch allen wünsche ich einen schönen 4. Advent.
Villa

03.12.11

Rock'n'Roll Arena in Jena - für eine bunte Republik Deutschland

Das Spontankonzert begeisterte gestern ca. 50.000 Menschen in Jena. Ich schließe mich Cluesos Worten an: "Für meine Generation ist Osten eine Himmelsrichtung. Es ist egal, wo man herkommt und wir kämpfen gemeinsam gegen jede Art von rechter Gewalt."
Villa

26.11.11

Neulich am Paradiesbahnhof

Aus Jena
Cartoon Phillipp: "Neulich am Paradiesbahnhof"

Seit Tagen habe ich mich durch Blogs, Links, Kommentare und Regionalmedien gelesen, die Reaktionen auf den Aspekte-Beitrag "Extreme Gewaltbereitschaft" waren immens. Anke hat auf ihrem Blog eine gute Zusammenfassung veröffentlicht.
Am 5.12. 2011 wird sich das Aspekte-Team auf einer Podiumsdiskussion im Theaterhaus den Jenaern stellen. Ich bin gespannt darauf.


Ganz in der Nähe des Paradiesbahnhofs ist am 2. Dezember ein großes Rockkonzert mit Udo Lindenberg und anderen Künstlern gegen Rechts geplant.
Motto: "Rock-'n'-Roll-Arena in Jena - für die bunte Republik".

Auch in den vergangenen Jahren war das Paradies Spielort für Konzerte gegen Nazis. 60.000 Gäste werden am Freitag erwartet.


Wehren wir uns gegen braunes Gedankengut, so wie wir es in den letzten Jahren getan haben.
Phillipp und Villa

20.11.11

Valeriy Solovey Ausstellung im Rathaus Jena

Bilder in einer Wohnung sind vom Zeitgeist geprägt und unsere Aufenthaltsqualität (Gemütlichkeit) bestimmen wir selber. Da sie nicht zeitgleich erworben werden, werden sie Teil unserer Biografie. In unserer Wohnung hängen Bilder, die uns zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort angesprochen haben, oder die Freunde gemalt habe.

Seit langer Zeit wünsche ich mir ein Wagnergassenbild, von einem ganz bestimmten Standort. Lange suchte ich nach einer geeigneten Vorlage oder Anregung für dieses Projekt und nun bin ich bei Mathias Moxter von UrbanDreams fündig geworden.

Ich kann mir keinen besseren Maler als Valeriy Solovey vorstellen, der meinen Wunsch umsetzen könnte. Zurzeit stellt er seine Bilder im Jenaer Rathhaus aus und auch seinen Internetauftritt hat er neu gestaltet. Während des vergangenen Sommers traf ich ihn oft am Botanischen Garten sitzend, wo er das Weigelstraßenbild malte.


Ich bin gespannt auf Valeriys individuelle Umsetzung und danke  Mathias, dass ich dein Foto hier zeigen durfte. Von den sehr ambitionierten Freizeitfotografen der Blende5-Gruppe gibt es in der Jena Tourist-Information gerade den wunderschönen Kalender "Jena 2012".

Was habt ihr so in eurer Petersburger Hängung?
Villa

13.11.11

Steinzeit-Facebook auf der Halbinsel Kegnæs

Während Jena ganze Wände in leuchtend rote Herbstfarben tauchte, wie im Innenhof des Uni-Hauptgebäudes, wo der Wilde Wein (auch bekannt als selbstkletternde Jungfernrebe) die Skulpturen umrahmte, begaben wir uns in ein nebliges, novembergraues Dänemark.

Gerade diese Herbstzeit, wenn die Touristenströme vorüber sind, bietet die Ruhe und Entspanntheit für einen gemeinsamen Urlaub mit Freunden. Die dänischen Ferienhäuser sind bestens ausgestattet mit Pool, Sauna, Kamin, Tischtennis, Billard, gemütlichen Kuschelecken und riesengroßen Küchen.

Da Internet in der heutigen Zeit ein fast unverzichtbarer Teil unseres Lebens geworden ist, sind auch die Ferienhäuser gut damit ausgerüstet. Diese Steinzeit-Facebook-Ansammlung sah ich am Strand auf der Halbinsel Kegnæs in Sonderby.

Die dänischen Freunde freuen sich in jedem Jahr auf echte Thüringer Küche und der Auftakt sind immer unsere Bratwürste. In diesem Jahr kamen sie von der Fleischerei Weber in der Neugasse Jena, dazu die beliebten Kwakbrötchen aus Jena-Ost. Wie jedes Jahr steuerte mein dänischer Bruder für die KW45 einen selbst gebeizten Lachs bei, er wog stattliche 2.8 Kilo. Sehr lecker!

Für meinen Kochbeitrag wurde ich von Sandy (Confiture de Vivre) inspiriert. Sie hat das Experiment gewagt, mit dem Jenaer Fleischermeister Petersohn in der Zwätzengasse Jena, eine südfranzösische Spezialität - Mergues herzustellen. Sandy ist eine geniale Foodbloggerin aus Jena, die gerade an der Lebensmittel Blogger-Konferenz in Santa Monica (USA) teilnimmt. Als Beilagen wählte ich Trüffelpilze, Blüten-Lavasalz-Pellkartöffelchen, gebackene Kräuterschnecken und ein süß, würziges Paprika-Zwiebel-Chutney. Die Mergues konnten durchaus dem Vergleich mit unseren Thüringer Bratwürsten standhalten.

Für die Schokoladenseiten unseres Dänemarkurlaubes wusste unsere Kuchenbäckerin immer ein gutes Rezept. Mit der Schokoladen-Birnentorte lief sie zur Hochform auf und sorgte dafür, dass wir unseren Winterspeck vor dem Winter gut ausbauen konnten.

Danke für die schöne Zeit an meine Freunde und an meinen Bruder und seine Frau, die uns die KW45 das 11.Mal ermöglichten. Ihr seid die Besten!

Villa