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25.08.13

Hallelujah!

Wenn das Hallelujah aus 12000 Kehlen erklingt, waren wir nicht auf einem Kirchentag, sondern auf dem intensiven Konzert des fast 80-jährigen Kanadiers Leonard Cohen im königlichen Garten von Odense DK.
Das Auftaktkonzert, im Rahmen des Hans-Christian-Andersen-Festivals, bestritt der Altmeister der Musikwelt grandios in einem dreieinhalbstündigen Konzert. Es war nicht nur seine klingende Biografie, sondern auch die unsere. 
Begleitet wurde er von sechs Musikern und drei tollen Background-Sängerinnen, denen er immer wieder die Möglichkeit gab, mit Solos selbst zu glänzen. Dreißig wunderbare, unvergessliche Songs durften wir hören, die durch die sehr gut austarierte Anlage optimal wiedergegeben wurden.
Hallelujah - ein perfekter Open Air Sommerabend


Auf dem Weg nach Dänemark machten wir auf der schönen Halbinsel Darß in Prerow halt. Unsere Freunde aus Jena betreiben in erster Strandlage das Restaurant Dünenhaus und sind sehr motiviert, als Thüringer dort Fuß zu fassen. Das schöne Ambiente, die tolle Lage mit Seeblick, die gute Küche und ein dem Andrang gewachsener Service geben Anlass zur Hoffnung, dass es klappt.
Villa drückt fest die Daumen


Hallelujah ist ja ein Ausdruck, seine Freude auszurufen. Wir folgten einer Einladung meines dänischen Bruders und seiner Frau zu einem besonderen kulinarischen Aha-Erlebnis.
Der Marco Polo Reiseführer scheibt zu Rudolf Mathis: "Der vielleicht beste Fischkoch Dänemarks". Ob das so ist, kann ich nicht beurteilen, für mich aber war es Genießen in Perfektion. Ein hinreißender Abend, fünf Stunden das große Aften Menu am Hafen von Kerteminde, der vom großartigen Serviceteam wohltuend gestaltet wurde. Nach dem Motto: Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, wählten wir die volle Weinbegleitung. Die Aromen des Rebensaftes, vom Sommelier mit viel Finger(Zungen)spitzengefühl ausgewählt, unterstrichen die köstliche Menüfolge.
Halllujah - ein Erlebnis der Sinne


Es folgten entspannte Tage auf der schönen Insel Fünen mit Spaziergängen, Pilzsuche, Fischfang mit Poul und seiner "Bells Bogense" und gemütlichem Beisammensein im Familienkreis.



Herzlichen lieben Dank an die Dänen und Hallelujah!

Villa

22.06.13

Wer hat's vergurkt?

Mückenplage und Sahara-Hitze haben uns unseren Kurzurlaub im Spreewald vergurkt.


Die stehenden Gewässer auf den Überflutungsflächen im Biosphärenreservat Spreewald und die schwülheißen Tage und Nächte führten zu einer Massenvermehrung der lästigen Blutsauger. Die Mückeninvasion war auch mit handelsüblichen Abwehrmitteln nicht zu bändigen.
Leider war auch unser, ansonsten sehr schöne Hotel "Strandhaus" in Lübben, nicht darauf vorbereitet. Bei einem stolzen Zimmerpreis von 180 Euro pro Nacht gab es weder Klimaanlage noch Jalousien oder Fliegengitter. Das abendliche Durchlüften wurde durch einen Lichtbewegungsmelder behindert. Da besteht eindeutig Nachholbedarf!


Kulinarisch hat der Spreewald mehr zu bieten als Gurken, auch wenn man oft den Eindruck gewinnt, Spreewälder Brauchtum sei auf die grünen Originale reduziert. Sowohl im Hotel "Strandhaus" als auch im "Schlossrestaurant Lübben" wurden wir mit mundender Küche verwöhnt.


Aufgrund der Hochwassersituation waren Bootsverkehr und Wassersport verboten. Nur die Kahnfährleute konnten nach einer kurzen Zwangspause wieder einige Routen im Spreewald befahren.


Gespannt war ich auf den Stadtwald "Lübbener Hain" mit seinen Stieleichen, Buchen, Eschen und Ulmen und natürlich auf das Pilzaufkommen dort. Aber das Spazierengehen wurde eine blutige Angelegenheit. Trotz langer Kleidung bei gefühlten 37°C und Abwehrsprays durchstachen diese Mistviecher auf der Jagd nach Menschenblut alles bis auf die Haut. So konnte ich dem Wald nur ein schönes Hexenei entwenden und dann fluchtartig das Naturschutzgebiet verlassen.


Das Hexenei (Phallus impudicus dt.:unzüchtiger Penis) ist die unreife Frucht der Stinkmorchel. Seine gallertartige Masse soll, frisch auf Hände und Gesicht verrieben, die Haut auch nach Stunden noch wie eingecremt erstrahlen lassen. Auch soll das Innere roh essbar sein und in der Pfanne gebraten zur Delikatesse mutieren. Ich habe nichts von alledem probiert, vielleicht traue ich mich ja das nächste Mal.

Zerstochen Villa

25.11.12

In der Jammerbucht

Fast keinen Grund zu jammern hatten wir bei unserem Herbsturlaub in der dänischen Jammerbugt an der Nordwestküste Jütlands. Das Wetter war für November annehmbar und so konnten wir die landschaftliche Schönheit dieser einzigartigen Natur genießen.


"Jammern ist der Gruß der Kaufleute" heißt es, aber die Jenaer Kaufleute hatten keinen Grund zu jammern. Alle unsere umfangreichen Vorräte wurden aus heimischen Geschäften in den hohen Norden Dänemarks verbracht. Bei der Ankunft im Ferienhaus bunkerten wir den größten Teil davon auf der Terrasse des Hauses. Auch ein extra bei der Buchaer Fleischerei bestellter frisch geschlachteter Hase war dabei und er sollte die Krönung gemeinsamer Kochsessions werden. Leider war schon in der ersten Nacht ein unverschämter Fressfeind zugange, der all die schönen Köstlichkeiten in die Dünen verstreute und den Mümmelmann stahl. Ausgerechnet zu dieser Zeit lobte Dänemark eine Belohnung von 5000 Kronen aus, für einen Wolf, den der dänische Ornithologe Kim Forst angeblich fotografiert hatte. Natürlich wurde nun in unserer Gruppe wild spekuliert, dass nur ein Wolf den Meister Lampe geraubt haben könnte. Ich forderte eine nahtlose nächtliche Observation der Terrasse, um den Täter in den darauf folgenden Nächten auf frischer Tat zu ertappen. Wir waren schließlich keine Jammerlappen!
Irgendwie gab es aber physische Probleme bei der Strategie der nahtlosen Überwachung und so konnte es passieren, dass es noch mehr Übergriffe auf unsere Vorräte gab. Zweimal wurde sogar das Dosenbier Opfer der Raubzüge und wir fanden am Morgen tiefe Zahnkerben von Fangzähnen in den LEEREN! Dosen. Frustriert verlagerten wir unsere Kochkünste mehr in den vegetarischen Bereich und besuchten zur Abwechslung das Nordsee-Ozeanarium in Hirtshals.


Wie ich aus gut informierten dänischen Kreisen gestern erfahren habe, der Wolf - nun ist er tot.
Die Uni in Aalborg hat bei einer Untersuchung festgestellt, das Tier sei einem Krebsleiden erlegen.

Einen ganz besonderen Charme hat diese Jahreszeit an der Nordsee. Die Stände sind menschenleer, die frische gesunde Nordseeluft zaubert rosa Wangen bei Spaziergängen in die Gesichter und in den Ferienhäusern ist es bei Kaminfeuer so richtig gemütlich.


Insgeheim dürften die Freunde wohl doch noch ein wenig gejammert haben, dass ich sie mit meiner Pilzverrücktheit genervt habe. Der November ist ja kein ertragreicher Monat für Funde und mit den Sorten und Arten im Jammertal des Norden kannte ich mich auch nicht so aus, aber ich habe dennoch ein paar Neufunde und Raritäten entdeckt. In den Lild Klitplantagen, einem internationalen Naturschutzgebiet, gab es ein Sammelsurium mir unbekannter Pilze.


Der blutblättrige Hautkopf, ein gelbbräunlicher Wurzeltrüffel und eine morchel-lorcheloide Missbildung fesselten besonders meine Aufmerksamkeit.


Jammern ist sozialer Klebstoff - Villa

Wie immer gilt: Doppelklick macht Bilder groß

21.06.12

Richie Hawtin lässt das Obst tanzen

Im Bauch von Barcelona, an der Las Ramblas, liegt die wohl schönste Markthalle der Welt. Dort hatte ich Gelegenheit, in den Elektronik-Musik-Kosmos einzutauchen und die Minimal-Techno-Ikone Richie Hawtin zu erleben. Drei Tage und drei Nächte strömten 98.000 Besucher zu dem größten Musikfestival in Europa für elektronische Musik. Das "Sónar" lädt jährlich im Juni zu Konzerten und zu Schauen internationaler Multimediakunst ein.


Wie zum Teufel konnte es mich in die vorderste Front dieses Hexenkessels verschlagen? Während der Gatte längst weit abgedrängt am Rande des Platzes geduldig auf mich wartete, brachte Hawtin die Menge zum Toben. Ekstatisch, irre, ein gewolltes Chaos.





Der Rausch der Bilder und musikalischen Eindrücke bleiben in Erinnerung.

Der Wochenmarkt Mercat de la Boquera war überhaupt ein Ort, der meine Sinne ansprach. Jeden Tag deckten wir uns dort mit frischem Obst und katalanischen Spezialitäten ein.


Direkt auf dem Flanierweg entlang der Rambles zum Hafen regiert dagegen die touristische Offensive. Dort haben wir sehr schlecht gegessen, egal wo wir es probierten. Vertrocknete Tapas, mager belegte Baguette, Fast Food ohne einen Hauch von Gemüse, nichts was meinen Erwartungen entsprach. Schließlich entdeckte ich aber doch für die schnelle Mahlzeit zwischendurch eine sehr angenehme Alternative. Pinchos (baskisch: Pintxos). Dies sind kleine, frisch zubereitete Köstlichkeiten auf einen Zahnstocher gespießt. Man sucht sich an der Bar die Teile nach seinem Gusto aus, abgerechnet wird später nach Anzahl der Spieße.


Einen feinen Restaurant-Tipp habe ich noch. An der ehemaligen Stierkampfarena "Las Arenas" am Placa Espanya schwebt man mit einem gläsernen Außenfahrstuhl auf die 360° Panorama-Dachterrasse. Unter den zahlreichen Restaurants wählten wir das "Cinco Jotas" und waren vom Essen und der Aussicht begeistert.


Barcelona, die katalanische Metropole will erobert werden. Wir haben unzählige Plätze, Ausstellungen, Parks, Museen und architektonische Meisterleistungen gesehen. Der Gatte war mir wie immer der perfekte Begleiter. Wir mögen Städte - und diese in Spanien war besonders schön.


Olé, Villa

08.04.12

Osterferien auf Rømø

Im vier Generationen Familieverbund verlebten wir eine wunderbare Osterferienwoche auf der südlichsten dänischen Nordseeinsel Rømø. Genügend Platz für die 15 Personen starke Gruppe fanden wir in einem sehr schönen Ferienhaus. Besonders den Kindern bot ein großer Pool und ein Fitnessraum viel Abwechslung. Ostereier färben, Nachtwanderung, gemeinsames Kochen und vieles mehr sorgten stets für erfrischende Perspektivwechsel.


Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir Nordeuropas breitesten befahrbaren Sandstrand. Landsegeln mit dem Blokart wurde für Phillipp und mich der sportliche Einstieg in die diesjährige Seifenkisten-Saison. Schnell und extrem manövrierfähig sind die Biester. Sie haben keine Pedale, nur drei Räder und ein Segel. Der Wind wird nur mit einem Seil in der Hand gebändigt. Angetrieben von einer kräftigen Brise erreichten wir rasante Geschwindigkeiten. Ein Riesenspaß!



Schöne Ostern wünscht Villa

18.09.11

Reiseziel Dalmatien

Aufgebrochen, den Sommer zu suchen, war unser Reiseziel die kroatische Küste Dalmatiens, genauer gesagt die Makarska-Riviera, noch genauer Tučepi. Tučepi ist ein kleiner Touristenort zwischen den Abhängen des Biokovo-Gebirges und der mit Kiefern bedeckten Kieselsteinküste der Adria. Entspannt kann man dort die Annehmlichkeiten eines Urlaubes genießen.

Besonders beeindruckt hat mich die sehr gute Wasserqualität an der Küste. Das wohl sauberste Gewässer am Mittelmeer, das ich jemals sah, immer wieder ausgezeichnet mit dem Ökolabel "Blaue Flagge", empfing uns mit glasklarem, türkisfarbenem Wasser. Mit dem Taxiboot und einem motorisierten Schlauchboot haben wir mehrfach die Küste erkundet.

All die kleinen Orte an der Küste haben noch ein höher gelegenes Pendant in den steilen Karstfelswänden des Gebirges. Zweimal sind wir in den frühen Abendstunden mit dem Taxi in die alte Siedlung gefahren. Ein imposanter Blick von der Anhöhe auf die offene See und die vorgelagerten Inseln und die scheinbar jahrhundertelange Ruhe der steinernen Häuser waren unser Lohn. Etwas mühevoll waren die Wanderwege jeweils zurück zur Küste, aber sie boten uns ungetrübte Natur und entspannte Ruhe. Viele verlassen Weiler, Olivenhaine und Feigenbäume säumten den Weg.

Ein größerer Ausflug brachte uns zum Flussgebiet von Krka. Der Nationalpark "Krka" (wie verdammt spricht man das aus?) beeindruckt mit seinen sieben Rauwacken-Wasserfällen und seiner außerordentlich reichen Flora und Fauna. Allerdings ist der Parkbereich, ein Netz aus Pfaden und Brücken auch sehr belebt und wird touristisch stark ausgebeutet.

Eine wunderschöne Panoramafahrt durch die Hochgebirgsregion des Naturschutzparks Biokovo brachte uns zur höchsten Bergspitze SV. Jure, die sich stolze 1762 m über den Meeresspiegel erhebt. Auf dem Weg dahin wieder verlassene Dörfer und Weiler. Das karge Landleben hat die Bewohner wohl veranlasst, ihr Heil an der Küste zu suchen. In den Mauern der alten, verlassenen Steinhäuser haben wir auch ein besonderes Krabbeltier gefunden. Der schwarz-braune Skorpion (Euscorpius italicus) sah zwar etwas giftig aus, aber seine Stiche sollen weitgehend harmlos sein.


Zum Schluß noch etwas über die Küche in Dalmatien. Also für mich war sie kein Gaumenschmeichler. In den Küstenorten beherrscht Fastfood das Angebot der vielen Pizzerien, Konobas und Tarvernen. In den von mir besuchten Restaurants hatten sie es immer geschafft, den frischen Fisch oder das Fleisch tot zu braten oder leider mit nicht so hochwertigem Öl zu ersäufen. Lediglich das in der Holzkohleasche gebackene Brot in dem Bergdorf Tučepi, der leicht angeräucherte dalmatische Rohschinken, der Schafskäse und das frische Obst konnten mich überzeugen. Der immer so heftig angepriesene Kräuterbrand eignete sich nur als Fotomotiv.


Ausgezogen, den Sommer 2011 zu suchen, haben wir Ruhe und Entspannung bei bestem Sommerwetter an der Küste Dalmatiens gefunden.

Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß
Gerade bemerkt, Blogger hat etwas verändert und man muss neben das Bild klicken, um es doppelt so groß zu sehen ...seltsam.

26.03.11

Mit hundert Augen

Dieser kapriziöse Hühnervogel mit den hundert Augen begegnete uns auf der Insel Cran Canaria. Der blaue Pfau (Pavo cristatus) gilt als Sinnbild der Eitelkeit.

Goethe schreibt in einem Gedicht: "Der Pfau schreit hässlich, aber sein Geschrei erinnert mich ans himmlische Gefieder...".
Unser himmlisches Vergnügen war eine Fahrt aus der Vogelperspektive im Heißluftballon, dem Sonnenaufgang entgegen. Etwas mulmig war mir schon, als wir gegen 3.00 Uhr in die Berge fuhren und der Ballon aufgeblasen wurde. Ich entdeckte faustgroße Löcher in der Ballonseide! Auf meine skeptische Nachfrage wurde mir versichert, dies wäre kein Problem, die Masse der heißen Luft würde ihn schon oben halten und warme Luft würde nur sehr langsam entweichen. Auch hatte ich mir die Ballongondel etwas größer vorgestellt, aber der Fahrer, der Gatte und ich hatten genügend Platz, als es in den frühen Morgenstunden ab in die Höhe ging. Der Blick auf die Insel und das Meer von oben war faszinierend schön und mir schwand das kleine Angstgefühl. Nach anfänglich großer Höhe, sind wir in Küstennähe so niedrig gefahren, dass ich fast den Wetterhahn einer Kirche berühren konnte. "Weich" gelandet sind wir auf einer großen Palmenallee, wo das überstandene Abenteuer mit Cava, dem spanischen Sekt, würdig gefeiert wurde. Ein "Certificado de Bautismo del Aire" nenne ich nun eitel mein eigen.

Die Insel des Kanarischen Archipels ist in ihren touristischen Zentren im Süden ziemlich hässlich und man muss schon das Inselinnere der Vulkaninsel bereisen, um die landschaftliche Vielseitigkeit zu erleben. Die dort wunderschön blühende Flora kam mir vor wie ein gigantischer Naturpark und in den einsamen Bergdörfern schien die Zeit still zu stehen.

Unsere Eindrücke waren so facettenreich wie die farbenfrohen Federn des Pfaus.
el piloto Villa

14.11.10

Austern-Safari im dänischen Wattenmeer-Rømø

Das 10. Mal in Folge verlebte ich meinen Herbsturlaub mit Freunden in Dänemark. Die kleine Nordseeinsel Rømø, die wir über einen Damm erreichten, bot auch in diesen Novembertagen viele Möglichkeiten im Freien die Natur zu erleben.

Ein großes Highlight war die spannende Wattwanderung zu den Austernbänken vor der Küste. Flämming, unser wettergegerbter dänischer Naturführer, begleitete uns bei Ebbe durch den schwarzen Modder des weiten, weiten Watts. Nicht alle unsere Gummistiefel waren so dicht, dass die Füße trocken blieben. In dem schlickigen Untergrund gab es immer wieder kleine Wasserläufe, in denen man zu versinken drohte. Als wir die ersten Muschelbänke erreicht hatten, war das Ernten eine kalte, nasse Angelegenheit. Die Biester hingen oft in größeren Klumpen zusammen und an ihren scharfen Kanten konnte man sich leicht schneiden. Wir sammelten die Schalentiere reichlich in unsere Eimer.
Die Pazifische Felsenauster (Crassostrea gigas) hat sich erst in den letzten Jahrzehnten auf den Nordseebänken breit gemacht und sie stören durch ihre Bio-Invasion das ökologische Gleichgewicht der Wattlandschaft. Klimaerwärmung (steigende Meerestemperatur) macht`s möglich. Jeder kann für seinen eigenen Bedarf den Hauch von Salzwasser, Muskelfleisch und Luxus einsammeln. Nur die Gezeiten bestimmen den Aufenthalt. Die ersten Exemplare haben wir roh vor Ort probiert, doch einige meiner Freunde haben sich so vor dem glibberigen Inhalt geekelt, dass sie sich nicht überwinden konnten, sie lebend zu verspeisen.


Zurück aus dem Watt erzählte uns Flämming in der alten Trøjborger Schlossruine viel Wissenswertes über die Austern, ihre Geschichte in Dänemark und ihre Verarbeitung. Es gab wohl auch Zeiten, in denen der dänische König das Sammeln der Nordseeaustern für das gemeine Volk unter Todesstrafe stellte. Mit einem speziellen Austernmesser öffnete er uns die Austern, die wir mit Zitrone und Sekt zu uns nahmen.
Die Austern bleiben auch nach dem Ernten einige Tage frisch, allerdings halten sie an der Muschel- Kalkhülle sehr fest und ergeben sich nicht so leicht ihren Fressfeinden.
Wir haben einen großen Teil auf den Grill gelegt und sehr kreative Dipps dazu serviert. Der Gatte war verschlossen wie eine Auster und entsagte der Leibspeise der Reichen vollständig.


Villa, die nachts von lebenden Austern im Bauch träumt.

20.06.10

Kulinarischer Wahnsinn

Die bestehende Verknappung der Fischreserven zwingt die Wissenschaft nach Alternativen zu suchen. Neue pflanzliche omega-3-Fettsäuren, z.B. wegerichartiger Natternkopf (Echium), waren Bestandteil einer "Humaninterventionsstudie zum Metabolismus und kardiopräventiver Wirksamkeit pflanzlicher omega-3-Fettsäuren". Zwölf lange Wochen plagte ich mich war ich Studienteilnehmer an der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät der Universität Jena. Gewaltig unterschätzt hatte ich meinen Aufwand dafür. Blutabnahmen, Urinsammlung, Körperfettmessungen, Basiskost, Fischverbot, Ernährungprotokolle waren dabei nicht das Problem. Die tägliche Test-Öl-Einnahme (17g) fiel mir zunehmend schwerer.
Am Ende ekelte ich mich vor allem, was nach Öl aussah oder schmeckte. Die Reglementierung meiner Essgewohnheiten fiel mir auch nicht leicht. Letzte Woche endete das selbst gewählte Elend und ich erfüllte mir einen lang ersehnten Wunsch. Einmal, einmal nur wollte ich in den höchsten Thüringer Koch-Olymp aufsteigen.

Seit 1993 wirkt in der Kunst-und Kulturstadt Weimar ein italienischer Künstler am Herd und der exzellente Ruf des Gourmet-Restaurants "Anna Amalia" weckte meine Begehrlichkeit.
Quartier nahmen wir in einem der ältesten Hotels der Stadt, dem "Grand Hotel Russischer Hof". Das Hotel übermittelt in all seinen Räumen die wechselvollen Geschichte und das kulturelle Leben der Klassikerstadt. Sehr schöne Bilder hingen in unserem Zimmer und wir entspannten uns vor unserem Gourmet-Abenteuer.


Zahlreiche Auszeichnungen erkochte sich der Chef de Cuisine Marcello Fabbri und seine Mannschaft. Der "Feinschmecker” kürte das “Anna Amalia” zu einem der besten Restaurants Deutschlands und vom Gault-Millau erhielt es 17 (von 20) Punkte. Bereits zum sechsten Mal in Folge
bekamen sie einen Stern in der "roten Bibel" von dem Restaurantführer Guide Michelin. Ich war so aufgeregt vor dem Hotel "Elephant", dass mir jeder Appetit abhanden gekommen schien.
Daran, dass ich die raffinierten Köstlichkeiten während der fünf Stunden genießen konnte, hatte der professionelle und charmante Service einen großen Anteil. Besonders der sehr unterhaltsame und fachkundige Restaurantleiter und Sommelier Roman Drobeck nahm mir jede Scheu und wir plauderten über meine Vorliebe für Saale-Unstrut-Weine.

Die Fotos lassen erahnen, wie üppig und kunstvoll mein Degustationsmenü war. Zu dem Feuerwerk der sieben Gängen kamen noch zahlreiche Grüße des Hauses aus der Küche und ich war von der Qualität restlos begeistert. Ich habe noch nie so großartige Speisen auf meinem Gaumen zergehen lassen und auch die begleitenden Weine waren sehr fein gewählt.

Im Gourmet-Himmel angekommen Villa

06.03.10

Essen und Märkte

Essen gilt in Malaysia als gesellschaftliches Beisammensein und durch den Kultur- und Religionsmix ist die Speiseauswahl immer besonders spannend. Restaurants gibt es an allen Ecken und sie spielen im Alltagsleben eine bedeutende Rolle. Dabei sind exotische Gewürzmittel nicht immer eine Gaumenfreude. Wir haben preiswert und teuer, gut und schlecht gegessen. An die Sparte (für mich!) Ekelfood , wie gekochte Hühnerfüße, Mehlwürmer, Heuschrecken, gedämpfte Riesenfrösche und Co haben wir uns nicht herangewagt. Meine kulinarischen Höhepunkte erlebten ich bei Peking-Ente, Seefood und leckerem indischen Essen vom Bananenblatt, der Gatte mochte die von früh bis spät frisch gegrillten Sarte-Spießchen und die Freunde begeisterten sich für Rumsteak. Das Trinkgeld von 10% war zumeist mit auf der Rechnung und enthob uns der Frage, was wohl üblich wäre.


Die grünen Wochenmärkte sind einfach eine Augenweide, ich hätte stundenlang dort verweilen können. Sehr exotisch, sehr grün und mit einem breiten Spektrum mir völlig unbekannter Lebensmittel.

Von Collagen in Jenalebt

Fazit: Lange schon war Borneo mein Traumziel und es hat mich nicht enttäuscht. Wir haben mit unseren Freunden ein wunderschönes Land bereist und die Bausteine, die wir uns selbst zusammengestellt haben, klappten alle reibungslos. Eine ausnehmend freundliche Bevölkerung zauberten Villa ständig dieses typisch asiatische Lächeln ins Gesicht.

Jena zeigt sich heute am 6. März wieder tief verschneit und wenn wir uns heute Abend zur Schwarzbiernacht aufmachen, wird Asiens DJane No.1 Kim Noble mit auf unserem Programm stehen.








Jenalebt wieder Villa

03.03.10

Langkawi Insel der Legenden

12 Stunden dauerte unser Transfer von Borneo zur Insel Langkawi in der südlichen Andamannsee. Die Hauptinsel ist von 98 kleineren und größeren Inseln umgeben und wird von seinen Bewohnern auch "Little Paradise" genannt. Das traumhafte Inselarchipel wurde in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen. Außerdem ist es das malaiische Helgoland, eine große Duty-Free-Zone. Die Sonnenuntergänge bezaubern am Abend, die weißen Strände sind weitläufig und nie überlaufen, das Wasser hat jedoch Badewannentemperatur. Unser Strandhotel war landseitig von einer kleinen Eco Farm mit einem betörenden Seerosenteich und zur Meerseite mit einem palmengesäumten Strand begrenzt. Achmed, der zahnlose Gärtner der Farm, hat mir bei brütender Hitze jede Pflanze und die Tiere erklärt und ich hatte nicht das Herz ihn zu unterbrechen, obwohl ich kurz vor dem Kollabieren stand.


Die Mangroven im Nordosten mit ihren schroffen zerklüfteten Felsformationen, durchbrochen von Höhlen und der einzigartigen Natur, erkundeten wir mit einem Boot.


Ein großes Erlebnis, welches fest auf meinem Plan stand, war die Lankawi Sky Bridge. Von der Cable Car Station fahren einen die Gondeln mit alpenländischer Technik auf die Hängebrücke des Mount Mat Cincang. Eine sehr spektakuläre, sehr luftige Angelegenheit, 700 m hoch über Schlucht und Urwald. Die Aussicht werde ich sicher nie vergessen.


Mein Traum ist zwischen Himmel und Erde wahr geworden Villa

Komfortable Langhaus-Variation für Touristen

Das einzige Hilton im Dschungel von Sarawak, am Ufer des Batang Ai Stausees gelegen, verhalf uns zu einer kleinen Ruhepause. Zwei Tage verbrachten wir auf dem 20 ha großem Gelände einer den typischen Langhäusern nachempfundenen Anlage. Viele internationale Preise (Winner of Green Success) bekam diese wunderschöne Unterkunft für ihre ökologische Naturverbundenheit.
Während unsere Freunde am Pool relaxten, unternahmen der Gatte und ich gemeinsam mit Lunyong (einem Mitarbeiter des Resort) hoteleigene Naturführungen. Über den Baumkronen führt eine Hängebrücken-Anlage über den Urwald und die üppige Vegetation erschloss sich mir aus der Vogelperspektive.


Schwindelfrei Villa, die Mitten im Urwald auf ihren Blog "Jenalebt" zugreifen konnte

Langhaus der Iban

Das eindrucksvollste Reiseerlebnis war unser Besuch im traditionellen Langhaus der Iban (Volksgruppe). Eine ganze Dorfgemeinschaft lebt gemeinsam in diesem Haus auf Pfählen am Lemanak-Fluss. Vorab deckten wir uns in Lachau (einer kleinen Handelsstadt) mit Geschenken für die Kinder ein. Diese Geschenke werden gerne entgegen genommen und sie wurden von der Bürgermeisterin an die vielen Kinder der 38 Familien gerecht verteilt. Auf dem gelb gefärbten Fluss verließen wir mit den Langbooten die Zivilisation und erreichten nach einer Stunde, in einer grandiosen Fahrt durch die üppige Flusslandschaft, die Dschungeleinwohner Borneos.

Bekannt ist, dass die Iban in früheren Zeiten berüchtigte Kopfjäger und Piraten waren, heute leben sie vom Wanderfeldbau. Wir wurden ausnehmend herzlich empfangen, was mir die Peinlichkeit nahm, uns als Eindringlinge zu fühlen. Völlig frei und ungezwungen erschien mir auch die traditionelle Tanzvorführung auf der offenen Veranda, denn die halbe Dorfgemeinschaft nahm lachend und schwatzend daran teil.
Die moderne Technik und europäischer Kulturdruck ist aber auch eingezogen, ich sah große Satellitenschüsseln die waagerecht zum Himmel ausgerichtet waren.

Wir wurden in der Handhabung des Blasrohrs unterrichtet und nahmen Reiswein (Tuak) zu uns. Die privaten Wohnräume (Bilek) haben wir uns nicht angesehen.

Beeindruckend waren die zahlreichen Tätowierungen auf Armen, Beinen, Rücken, Schultern sowie dem Hals bei Frauen und Männern. Uns wurde erzählt, sie zeugten von Aufenthalten in benachbarten Langhäusern, so wie unsere Stempel im Pass. Dank unserem lokalen Führer war das Langhauserlebnis sehr informativ, denn er stammte von den Iban ab und konnte sprachlich vermitteln.

Villa fragt sich, ob sie ständig in so einer großen Gemeinschaft leben könnte