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05.05.13

Geteiltes Glück

Gibt es ein Ministerium für Glück und Wohlbefinden? Schaffen wir es gemeinsam zum Bruttonationalglück?
Die Plakataktion der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Mannheim begegnete mir gestern in der Oberaue auf meiner Frühlingswanderung durch das Pennickental in Richtung Wöllnitz und zurück durch die Saale-Auen.


Mein Ziel und Glück auf dieser etwas verregneten Wanderung sollte die Suche nach Morcheln sein. Dieser Frühjahrspilz ist ein begehrtes Glück für jeden Pilzgänger und eine kulinarische Köstlichkeit. Als ich nach vierstündiger Wanderung die Hoffnung längst aufgegeben hatte, wurde ich an den Saale-Auen doch fündig.
Die Käppchenmorchel, ein Schlauchpilz, der auch als Halbfreie Morchel bezeichnet wird, wächst bevorzugt in Auwäldern. Nun, davon haben wir ja in Jena reichlich.


Einmal die Büchse der Pandora geöffnet und meine Sammelleidenschaft kannte kaum Grenzen. Dabei mahnte mich ja das Plakat in der Oberaue: Bewusstsein, Reduktion, Zufriedenheit!


Zufrieden registrierte mein Pilzauge noch andere Pilzschönheiten. Der Schuppige Stielporling hatte riesige, frische Fruchtkörper ausgebildet. Sie sind auch essbar, aber ich habe sie nur abgelichtet.




An den gleichen abgeholzten Baumstämmen fand ich auch wunderschöne Becherlinge, welche ich noch bestimmen muss.



Mit dem Gespür für die richtige Zeit am richtigen Ort registrierte mein Pilzradar noch weitere Pilzlein.


Vom neu gestaltenten Märchenbrunnen im Jenaer Paradies aus trat ich den Heimweg an.


...um zu Hause festzustellen, für den kulinarischen Hochgenuss einer Morchelrahmsoße hatte ich nicht genügend Sahne im Haus. Also noch mal in den nächsten Supermarkt, Sahne kaufen. Das neue Studentenwohnheim in unmittelbarer Nähe des Supermarktes hatte im letzten Jahr die Grünanlagen mit Rindenmulch ausgestattet und da klingelte was in meinem Kopf: Rindenmulch = Mulcheln! Das erfreuliche Ergebnis seht ihr hier:


Komplettiert wird der heutige Sonntagspilzbraten "Morcheln in Rahmsoße" von einem Bacchus 2012 trocken "Jenaer Grafenberg". Dieser Jenaer Wein ist eine Rarität unter den Saale-Unstrut-Weinen. Den Weinanbau bei Kunitz beobachte ich seit seiner Wiederbelebung 2010 und nur er erscheint mir passend für das opulente Morchel-Pilzmahl.




Morchelbezwingerin Villa, mit drei Zeckenbissen, die ihr Glück gerne mit euch teilt.

14.10.12

Die Ernte ist eingefahren

Am Grafenberg unterhalb der Kunitzburg gab es in diesem Jahr die erste Weinlese. Die Qualität auf der fünf Hektar großen Fläche soll hervorragend sein, aber durch die strengen Februarfröste hielt sich der Ertrag in Grenzen. Dieser Weinberg steht seit Pflanzung der ersten Rebe unter meiner Beobachtung und wenn vor Weihnachten die ersten Jenaweine von dort in den Handel kommen, bin ich sehr gespannt auf das Ergebnis.


Sehenswert sind in diesen Herbstagen auch die terrassierten Hänge bei Kleinjena und Großjena im Burgenlandkreis - wahrlich ein schöner Landstrich! Köstliches, bodenständiges Essen aus der Region zum Rebensaft machten unsere kleine Oktoberweinreise unvergesslich: Zanderfilet gefüllt mit Thüringer Rotwurst auf Trauben-Linsen-Gemüse mit Silvaner-Schaum und Gleinaer Knöllchen (Kartöffelchen, angebaut gleich hier um die Ecke) und im mageren Speckmantel gebratene Kräuterforellen vom Forellenhof Schmidt aus Müncheln. 
Mein Dank geht ans Mütterchen für die schöne Einladung.


Gestern mit dem vielleicht letzten warmen Sonnentag flüsterte der Altweibersommer leise zu mir: Villa komm in den Wald! Es war noch mal eine sehr ertragreiche Tour durch ein schönes Maronengebiet, rechts der Saale Richtung Rudolstadt. Die Kerlchen standen überall, auf Lichtungen, Waldrändern und im Unterholz. Dies wird wohl meine letzte pilzige Ausschau für dieses Jahr sein. Je mehr ich über Pilze erfahre, desto mehr weiß ich, dass ich nichts weiß.



Nachdem wir unsere Beutel Körbchen gefüllt hatten, fuhren wir durch Beutelsdorf, einem land- und forstwirtschaftlich geprägten Ortsteil der Gemeinde Uhlstedt-Kirchhasel. Von einer  Kamillenwiese aus konnte man die gut gefüllten Scheunen sehen. Im Ort entdeckte ich ein wunderschönes altes Bauernhaus, vor dem ein knorriger Apfelbaum und eine Wasserpumpe Wache standen.  Besonders das alte Türblatt mit Kassettenfüllung, gesäumt von Säulen erregte meine Aufmerksamkeit. Dank an den Gatten, der immer sehr geduldig auf mich wartet, wenn ich meine Fotos schieße und dabei die Zeit vergesse.


Villa, im Zauber des Herbstes und des Waldes gefangen.

02.06.12

Genussvolle Verführung - Das Ende ist noch nicht vorbei

Während sich meine hochgeschätzte Blogfreundin Sandy (Confiture-de-vivre.de) bei einem aufregenden Foodstyling und Foodphotographie Workshop in Südfrankreich mühte, ihr Wissen über Foodfotografie zu erweitern, habe ich im Verlauf unseres Genussabends im Perfetto Leipzig die Hausfrauenkamera einfach nur draufgehalten. Schließlich wäre es ja unpassend, bei einem außerhäusigen Dinner die Spiegelreflexkamera auszupacken und ewig das perfekte Foto zu schießen zu wollen.
Bei den Köchen in der Feinkostabteilung des Perfetto Leipzig hatte ich wieder das Gefühl, Kochen ist nicht nur Beruf, sondern Berufung und gutes Essen hat immer Konjunktur.


Meine Vorliebe für Weine aus der Region wurde an diesem Themenabend mit ausgesuchten Spezialitäten von Sachsens ältestem und größtem privaten Weingut "Schloss Proschwitz" sehr gut bedient. Das Fünf-Gänge-Menü konnte sich sehen und vor allen Dingen schmecken lassen. Bei der Trilogie vom Thunfisch war es das aufregende Tatar, welches besonders mundete und die Tomatenessenz beim 2. Gang hatte eine Farbe, die ich nie Tomaten zugeordnet hätte. Bei meiner Nachfrage erklärte man mir, der klare Sud entsteht durch ganz langsames Passieren durch ein Tuch. Zum Waldpilzrisotto reichte man uns einen sehr filigranen Weisburgunder von 2011 und zum perfekt gebratenen Rinderfilet (drei Stunden! bei 80 °C im Ofenrohr nachgegart) einen im Barrique-Fass ausgebauten Spätburgunder, der auf meinem Gaumen eine leichte Ahnung von Kirsche, Johannisbeere und Holz hinterließ.


Mein Leipzig lob ich mir und schon kommende Woche freue ich mich riesig auf den Live-Auftritt der "Ärzte" mit ihrem neuen Tour-Programm: Das Ende ist noch nicht vorbei. Es wird sicher keine "zeiDverschwÄndung" und nein, ich habe nichts Besseres zu tun. Die neue Scheibe dudelt schon einige Zeit in heimischer Umgebung und ein paar Lieblingsstücke haben sich schon ins Ohr geschlichen.


Villa lässt sich gerne verführen, von gutem Essen und den ÄRZTEN sowieso.

11.05.12

Trendgemüse Bärlauch

Für den Gatten ist es stinkendes Grün, für mich ist die urheimische Lauchpflanze, die wild in unseren Wäldern wächst, eine Nahrungspflanze, aus der man sehr leckere Gerichte zaubern kann. Das Gewächs darf für den Eigenbedarf vorsichtig gesammelt werden. Unweit von Jena, in einem malerischen Tal des Tautenburger Forstes, war mein Jagdrevier. Schon die alten Germanen wussten zu berichten, dass heimische Braunbären in rauen Mengen dieses Wildgemüse fraßen und dadurch zu "Bärenkräften" gelangten. Meine Kräfte dagegen schwanden ein wenig bei dem mühevollen Pflücken. Wir waren Anfang Mai etwas spät dran, viele Pflanzen hatten schon ihre weißen, doldenförmigen Blüten ausgebildet, und wenn dies der Fall ist, wird das Aroma noch intensiver und der Geruch fast penetrant. Derzeit werden überall "Lifestyleprodukte" mit diesem Waldknoblauch angeboten, frisch gesammelt schmeckt er aber am besten. Die "Hexenzwiebel" ist leicht zu konservieren, die Blätter einfach zerhäckseln, mit Salz und Öl mischen, so halten sie mindestens ein Jahr.


Unser Sammelort Tautenburg hatte aber noch mehr zu bieten. Auf dem mehrere Hektar großen Dammwildgehege am Waldesrand tummelten sich zahlreiche Jungtiere. Die sonst so scheuen Tiere ließen sich von uns mit frischem Gras anlocken (nein, den Bärlauch habe wir nicht an sie verfüttert) und wir konnten sie beim ausgiebigen Äsen gut beobachten.


Die nächste Station des etwas verregneten Sonntagsausfluges war die Thüringer Landessternwarte Tautenburg. Leider gibt es am Wochenende dort keine Führungen, dabei hätte ich zu gerne einmal einen Blick in das Observatorium geworfen. So war der Zeltplatz auf der Rabeninsel in Porstendorf unser nächstes Ziel und mit dem aufgeschlossenen Koch des kleinen Bistros Jürgen Horn hatte ich ein nettes Gespräch über Saale-Unstrut-Weine. Nur dort bekomme ich die wunderbaren Weine von der Golmsdorfer Gleisburg, von den Weingütern Wolfram Proppe und Hubertus Hüttig. Selbst die Familie Goethe bezog bis 1826 dort ihr edles Nass.


Vom Campingplatz aus ist es nicht mehr weit zu meinem geliebten Gleistal. Ich war gespannt, ob die Pfingstrosen und Orchideen schon blühen. Die Blütenpracht am Wegesrand ist zwar noch nicht voll ausgebildet, dafür fehlte der Regen, aber die Orchideen standen schon und mein gepflückter Strauß aus Pfingstrosen, wilden Tulpen und Staudensalbei leuchtete in den schönsten Farben.


Im Gasthaus "Zur Kunitzburg" war Stärkung angesagt und wir wollten natürlich auch unbedingt ein Bärlauchgericht verkosten. Leider war die Zwiebel-Tomaten-Bärlauchsuppe nicht nach meinem Geschmack und auf die Nachfrage des Kochs, nörgelte ich etwas herum. Dies wollte er aber nicht auf sich sitzen lassen und zu unserer Überraschung kochte er uns ein neues frisches Bärlauchcremesüppchen gratis. Bravo, das nenne ich guten Service.


Gelegentlich wachsen Maiglöckchen und Bärlauch zusammen. Die beiden Mai-Blüher haben wirklich Blätter, die sich sehr ähneln und eine Verwechslung mit den giftigen Doppelgängern hätte fatale Folgen.


Villa, die sich an ihrem Maiglöckchenstrauß erfreut und heute Bärlauch und frischen Spargel isst.

16.10.11

Blinddegustation im herbstlichen Gewand

Sehr gerne sind wir der Einladung dieser zwei lustigen Gesellen zu einem Herbstfest und einer Blinddegustation gefolgt. Herzlichen Dank an die "Plattenspielerfamilie" für die schöne Idee.


Teilnehmergebühr war ein beleuchtetes Kürbisgesicht und besonders Phillipp hat die Aufgabe mit Hingabe bewältigt. Beim Pilzquiz waren wir eh unschlagbar. In geselliger Runde wurden Weine anhand ihrer sensorischen Merkmale charakterisiert und bewertet.


Wein ist ein schönes Thema im Herbst und es gab kein Grund dem Sommer nachzutrauern.
Rebenfreundin Villa

12.06.11

Deutsche Bahn boykottiert Saale-Weinmeile

"Ein guter Schluck zur rechten Zeit, schafft Frohsinn und Gemütlichkeit."
Das diesjährige Motto der Saale-Weinmeile war der Deutschen Bahn wohl ein Dorn im Auge.
Unser Zug 9.13 Uhr vom Jenaer Saalbahnhof verspätete sich um rund eine viertel Stunde und obwohl der Zugführer nach eigener Aussage darum gebeten hatte, den Anschlusszug auf dem Umsteigebahnhof in Großheringen warten zulassen, war dies verweigert worden. So strandeten ca. 50 Weinfreunde, die sich auf die Saale-Weinmeile begeben wollten in Gr0ßheringen. Da war die Stimmung noch relativ gut, obwohl wir hier fast eine Stunde warten sollten. Sie schlug aber schnell um, als eine weitere Hiobsbotschaft kam: Der nächste Zug nach Bad Kösen würde ausfallen bzw. käme noch ein Stunde später. Viele Fahrgäste fuhren enttäuscht zurück nach Hause. Von Frohsinn und Gemütlichkeit keine Spur mehr. Seit dem 8. Juni betreibt die DB einen Twitter-Kummerkasten Twitterkanal @DB_Bahn, der wäre am Pfingstwochenende für servicerelevante Fragen eh nicht in Betrieb gewesen (vorerst immer von Montag bis Freitag von 6 bis 20 Uhr), hätte uns aber auch nichts genutzt, da wir rund um den Bahnhof keinen Netzempfang hatten. Unsere zehnköpfige Gruppe ergatterte nach einiger Zeit, unter Mithilfe der Großheringener Bevölkerung, ein Großraumtaxi und kam sehr teuer mit Kind und Kegel in Bad Kösen an.

Die bereits traditionelle Saale-Weinmeile zwischen Bad Kösen und Roßbach im südlichen Burgenlandkreis feierte an diesem Pfingstwochenende ihr 10-jähriges Jubiläum.
Wie auf einer Perlenschnur reihten sich entlang der 6 km langen Wegstrecke 34 bekannte Weingüter und Winzer, die ihren Wein im Nebenerwerb oder als Hobby anbauen.

Entlang der Meile erlebten die Liebhaber der Saale-Unstrut-Region die schöne Natur, den Weinbau, Kulinarisches und Musikalisches hautnah. Allerdings waren Tausende unterwegs und das Gedränge oft sehr groß. Wir hatten Glück, bei jedem Regenschauer saßen wir gerade unterdacht bei einem guten Tröpfchen. Besonders gut gefallen hat mir die Musik der The String Company, mal wild-zigeunerisch, mal cool, mal harmonietrunken.

Zwischen der Kurstadt Bad Kösen und dem Weindorf Roßbach wurde den Weinfreunden unterhalb der Weinberge beste Weine und gute Unterhaltung geboten.

Ein Bus-Shuttle brachte uns zurück zum Bahnhof Bad Kösen und die Rückfahrt verlief reibungslos.
Frohsinnig Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß

05.03.11

Hammer-Essen in der Hammermühle

Seit Jahren beobachte ich die Berufsvita des Sohnes meiner besten Freundin, Ron Hartmann, vom Jungkoch zum Chef de Cuisine. Nach seiner Kochausbildung im Fairhotel Jena führten ihn seine Lehr- und Wanderjahre nach Österreich, Schweiz und Spanien. Zurück in Deutschland hängte er ein Studium zum Gastronomiebetriebswirt in Leipzig an seine Ausbildung.Während dieser sinnvollen Erfahrungen entwickelte er sich für mich zu einem wahren Zauberer in der Küche. Dies in der Praxis auch umzusetzen, versucht er derzeit im Hotel und Gesundheitsresort Hammermühle Stadtroda. Angetreten, die etwas antiquierte Küche der Hammermühle in eine Spitzengastronomie der Region zu führen, bedurfte es einer grundlegenden Erneuerung des Angebotes. Ich habe das neue Angebot getestet.

Dabei folgte ich der Menü-Empfehlung des Tages: französische Schnecken, Safran -Tagliatelle, Jakobsmuscheln & Garnelen und Aperol-Blutorangen Sorbet. Meine Freundin Esther hielt sich an den Loup de Mar (Ein "Wolf des Meeres"- Wolfsbarsch, stehend serviert.)
Sehr gute Schule bewies der aufgeschlossen agierende Restaurantleiter Christopher Franz, der mir unfassend meine vielen Fragen beantwortete. Er hat als Koch selbst bereits in einer Sterneküche in Magdeburg gearbeitet und so waren seine Auskünfte sehr fundiert. Besonders meine Fragen nach der Tages-Attraktion, den weißen italienischen Frühlingstrüffel, auch Bianchetti genannt, wurden ausführlich und souverän beantwortet. Sie sind mit die aromatischsten Trüffel, die in dieser Jahreszeit angeboten werden und mit ihrer leichten Knoblauchnote passten sie perfekt zu meinen Safran-Tagliatelle.
Der Weinbegleitung und Empfehlung des Restaurantleiters konnte ich blind vertrauen, war es doch der filigrane, feinduftige Auxerrois des Weingutes Proppe, der mein Herz erfreute.
Besten Dank an die Mannschaft der Hammermühle, ihr seid auf einem guten Weg, ein Highlight der Gastronomie in unserer Region zu werden und ich hoffe noch viele Gäste werden sich daran erfreuen.
Villa mit kulinarischen Entdeckerfreuden

27.02.11

Literarischer Weinabend in Dornburg

Die Redensart "Aller guten Dinge sind drei" brachte den literarischen Weinabend im Ratskeller Dornburg auf den Punkt. Angeregt durch den Restaurantbesitzer Frank Tischendorf fand am letzten Samstag eine Paarung von Genuss, Kriminalgeschichte und Wein statt. Unstruter Schneckensüppchen, Rinderfilet und Limonencreme waren die Zutaten aus der Küche des Hauses, Auszüge aus dem Debütroman "Krügers Erbe", erschienen im Greifenverlag zu Rudolstadt, verlas Autor Klaus Jäger und Winzer Wolfram Proppe rundete mit edlen Rebensäften aus Sonnendorf und dem Gleistal den Abend ab.
Genießerherz, was willst du mehr?
Autor Klaus Jäger, im Berufsleben Lokalchef der "Thüringer Allgemeinen" in Apolda, siedelt seine Krimihandlung im thüringischen Riedburg an und der Protagonist Peter Hartmann ist wie er Journalist. Die ausgewählten Textpassagen vermochten die Zuhörerschaft zu fesseln und auch nach mehreren Weinproben wurde es mucksmäuschenstill, wenn gelesen wurde.
Ebenso spannend waren aber auch die Ausführungen des sehr ambitionierten Winzers Wolfram Proppe. Als Kellermeister im Weingut Bad Sulza trägt der gebürtige Jenaer dort die Verantwortung. Gemeinsam mit seiner charmanten Lebensgefährtin Wencke Werra (die an diesem Abend die Wirtsfamilie tüchtig unterstützte) baut er seit 2006 aber auch 4000 Rebstöcke auf dem eigenen Weingut am großen Gleisberg Golmsdorf aus. Und das sehr erfolgreich, eine Goldmedaille bei der 18. Landesweinprämierung von Saale und Unstrut für seine "Kerner Auslese trocken" waren der Lohn. Dornbug ist ein Refugium alter Weinstöcke, meinte der Winzer, und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese erfolgreich zu kultivieren.
Gaumenlyrik waren die Jungweine an diesem Abend!
Villa
Dornburger Schlösser mit Weinreben

31.10.10

Wein trifft Kürbis

Das wunderschöne Herbstwochenende veranlasste mich, meiner selbtgewählten Dokumentationspatenschaft über den neu angelegten Weinberg am Fuße der Kunitzburg nachzukommen. Und sie sind wunderbar gewachsen die 7000 Reben, ca. ein Meter hoch. Allerdings entdeckte ich auch eine üppige, spontane Wildflora (Unkraut), da ist wohl ein kleiner Hackeinsatz von Nöten.

Einmal auf dem Weinweg, beschlossen wir, der Weinstraße an Saale und Unstrut zu folgen und eventuell unsere Vorräte des Jahrganges 2009 aufzufüllen. Unser Ziel war der sehr ambitionierte Winzer Frank Böhme des "Gleinaer Weingutes Böhme", der in den letzten Jahren ein gutes Gespür für Spitzenqualität bewies. Zahlreiche prämierte Weine, Ehrenpreise und die Auszeichnung "Empfehlenswerter Betrieb" im Gault Millau Wein Guide gaben nicht alleine den Ausschlag, sondern unserer vorgeprägter, rein subjektiver Weingeschack. Weinbauern sind oft sehr nett und unkompliziert. Wir platzten unangemeldet, jenseits offizieller Öffnungszeiten, in das Weingut. Obwohl am Vormittag die anstrengende selektive Traubenlese von Hand die Winzer beschäftigte, nahmen sie sich viel Zeit für uns. Frank Böhme gewährte uns Einblicke in seine Betriebsabläufe, seine Umbaupläne und seine Weinphilosophie. Sein persönliches Ziel ist es, auch einen qualitativ guten Rotwein in unseren Breitengraden, also weg vom ausschließlichen Weißweinimage, zu erzeugen. Hilfe hatte er vom Jungwinzer Hendrik Bobbe. Dieser hat gerade seine Ausbildung im Weingut Pawis absolviert, stellt dem Gleinaer Weingut Böhme seine Arbeitskraft zur Verfügung und sammelt dabei wertvolle Keltererfahrung.

Leider war unser Lieblingswein vom letzten Jahr restlos ausverkauft, aber ein paar gute Tropfen konnten wir dennoch erwerben. Am Nachmittag sollten die letzten Trauben geerntet werden und wir wünschen guten Ertrag und uns weiterhin edle alkoholische Traubengetränke.

Auf unseren Heimweg kamen wir an einem riesigen Kürbisfeld vorbei. Die große Vielfalt hat mich verblüfft und an einem kleinen mobilen Kürbisstand erwarben wir passend zu Halloween ein mittelschweres Exemplar.

Inzwischen ziert der Kürbis als Fratze Phillipps Garten, fraglich ist, ob er wirklich böse Geister abzuschrecken vermag.


Wein traf Kürbis, ein Wochenendausflug am letzten Oktobertag - Villa

11.07.10

Verheißungsvoll

Die Rebe ist ein Sonnenkind. Trotz gleißender Mittagssonne (34,1°C) umrundete ich heute die zwei Hektar Bacchus-Reben unterhalb der Kunitzburg. Seit Mai sind die Rebstock-Setzlinge auf rund 30 cm angewachsen und halten mit dem Unkraut Schritt. Wie mir die Vertreter des Thüringer Weingutes Bad Sulza versprachen, wurde eine Info-Tafel aufgestellt, die wissenswerte Eckpunke des neuen Weinberges erklärt. Wann die nächsten Arbeiten anfallen, weiß ich nicht, versuche es aber nächste Woche zu erfahren.

Urlaub in der Stadt verspricht die KulturArena Jena 2010. Unter dem Motto „Nordostpassagen“ verheißt das größte Sommerfestival Thüringens tolle Urlaubsstimmung nach Feierabend.
Mein Karten-Portfolio ist schon seit Wochen gefüllt, sicher kommt aber noch das eine oder andere Spontankonzert dazu.

Sich auf die Kulturarena freuend Villa

26.06.10

Eine symbiotische Einheit

Wenn Lehrende und Lernende, die "Leuchten" der Landespolitik und Hausmeister, gemeinsam ein rauschendes Sommerfest feiern, dann hat Jenas Universität abermals bewiesen, dass sie eine symbiotische Einheit mit der Stadt bildet. Das Motto des Abends "Lichtsymbiose", das an das Internationale Jahr der biologischen Vielfalt erinnern sollte, ließ 4800 Gäste feiern, flanieren und genießen. Ein Abend so prall wie das Leben, mit erstklassiger Live-Musik, aufwändigen Lichtdekorationen im Festareal Griesbachgarten/Planetarium/ Botanischer Garten und einem musikalischen Feuerwerk (Carmina Burana), welches die Reinstädter Feuerwerker am Prinzessinnenschlösschen pyrotechnisch inszenierten.

Kulinarisch deftig wurde ein Sechs-Zentner-Ochse am Spieß gegrillt und zu meiner großen Freude war der Weinstand aus unserer Region. Mit dem Geschäftsführer vom Thüringer Weingut Bad Sulza Andreas Clauß führte ich eine sehr informative Unterhaltung über die Neuanpflanzung in Jena-Kunitz und die Erweiterung der Rebfläche am Großen Gleisberg. Der Gatte und ich schossen mit farbegetränkten Bällen auf eine Leinwand, die vom Jenaer Künstler Timo Faber installiert und später für einen gemeinnützigen Zweck versteigert wurde. Das Losglück ereilte mich bei einer Tombola zugunsten der Juni-Kinder (eine flexible Kinderbetreuung auf dem Uni-Campus) und schon bald kann sich die Thalia Buchhandlung auf einen Besuch von mir freuen. Sehr, sehr interessant war die kleine Forscherwerkstatt im Freigelände des Griesbachgartens zum Thema biologische Vielfalt. Jede der einzelnen Stationen wurde kreativ betreut und selbst der Chef des Botanischen Gartens, Prof. Dr. Frank Hellwig, ließ es sich nicht nehmen, die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit zu demonstrieren. Dies allein hätte für eine Abendunterhaltung ausgereicht, aber wir wollten ja noch den zahlreichen kulturellen Amüsements beiwohnen.

Acht Bands rockten auf sieben Bühnen Jena. Kabarett, Theater und Filmvorführungen komplettierten das reichhaltige Angebot. Wer im Pappelsaal tanzen wollte, ließ sich vom Bigband-Sound der Wolf-Friedrich-Bigband verführen, wer der Intensität des Blues erlag, bekam eine Gänsehaut bei dem Duo "Friend`n Fellow" und wer die gute Laune mit in den nächsten Tag retten wollte, sang und tanzte beim Rock'n'Roll in Reinkultur der "The Firebirds".
Das gesamte Publikum vor der Planetariumsbühne johlte den letzten Titel der Band, den offiziellen Rocksong des Staates Ohio und dessen Universität Ohio State University "Hang On Sloopy" lauthals mit.

Der Vollmond spendete uns sein machtvolles Gewebe aus Licht und das durchdringend laute Froschkonzert im Seerosenteich begleitete mich auf dem Heimweg - Villa



06.06.10

Blut, Schweiß und Weißwein

Das Gute im Wein
Oder
Das Böse unter der Sonne an Saale und Unstrut


Als Vinophile Ermittler waren wir Gäste der 1. Krimi-Wein-Wanderung des Thüringer Weingut Zahn, Kaatschen Weichau. Das mordsmäßiges Vergnügen hat Phillipp zusammengefasst:

Mit 45 Euro kann man viel machen.
Man kann sich eine Eintrittskarte für ein Bundesliga-Spiel kaufen, einen Mittelklassewagen halb voll tanken oder sich mit 20 Portionen Himbeereis den Magen verderben. Man kann aber auch eine Wanderung rund um das Weingut Zahn in der lieblichen Gegend zwischen Kaatschen, Rödigen und Tultewitz machen.
Am besten, und in ein Fußballstadion würde ich auch nur ungern alleine gehen, ist es natürlich, wenn man noch ein paar Freunde an seiner Seite weiß. Am allerbesten, wenn diese Triathleten, Rettungsschwimmer oder Weinköniginen (im Idealfall in Personalunion) wären. Warum? Weil es hier um eine (endlich) sommerheiße Krimi-Weinwanderung ging. Ein EVENT!
Nein, nicht eine dieser schnöden Weinverkostungen mit anschließendem zwanghaften Kaufrausch, sondern ein echter Krimi. Geschrieben von Matthias Biskupek persönlich. Da lässt der gemeine Blogschreiberling nebst Spürnasenfreunden doch sofort den Federkiel aus der Hand fallen und begibt sich stante pedes auf die Spuren von Dr. Watson und Co., um mit Instinkt und CSI-Methoden (wozu glotzt man sonst diesen Mist?) den Täter spektakulääärrr dingfest zu machen. Harr!
Aber der Reihe nach.
Nachdem die 124 Gäste und auch ein Kamerateam(!) endlich eingetroffen, die üblichen Grußworte der Ausrichter verkündet waren, hörten wir uns, mit einem Gläschen Sekt bewaffnet das erste Kapitel des Krimis an (obligatorischer Leichenfund, erste Hinweise). Leider war der Autor selbst, zu ganz ganz toll wichtigen Terminen kreuz und quer im Lande unterwegs und so übernahm Helga Heilig, Redakteurin des Naumburger Tageblatts die Aufgabe, der geneigten Krimi-Wandergruppe die polizeilichen Ermittlungen häppchenweise vor, während und nach unseren Weinproben auf Feld und Hain vorzutragen. Dieser Vortrag allerdings war eher mäßig. Ich wurde die ganze Zeit den Eindruck nicht mehr los, sie habe den Text, wenn schon nicht zum ersten Mal, so doch aber nicht viel öfter vor ihren strengen Oberlehreraugen (Trinken Sie Wasser!!!!) gehabt.
Eingeteilt in Gruppen zu zwei Dutzend durstigen Möchtegern-Detektiven durchlatschten wir fortan den schönen Burgenlandkreis bei wolkenlosen Burgenlandhimmel und wohl 30 Grad herrlichster Burgenlandsonnenhitze. Seit der Kachelmann in der JVA herumoxydiert, fehlt mir jede Anleitung, wie ich das Wetter gefälligst zu fühlen habe. Aber irgendwas ist ja immer.


Waren die Zahnwinzer mit Hinweisen und Indizien für "unseren" Mordfall auf der Strecke eher geizig, hatten sie doch glücklicherweise für genügend Stationen mit ausreichend Wein und sehr leckeren Speisen gesorgt. Für Letzteres zeichnet übrigens der freundliche Rumtreiber Steffen Franke verantwortlich, der uns nicht ohne Stolz von seinen Wanderjahren in fremden exotischen Kochgefilden berichtete. Überhaupt waren die Einheimischen vom sympathischen Chefkoch über Opa Felix (Musik) bis zur Weinprinzessin Cathleen I. zu Reinsdorf allemal ein Gewinn.
(Dass sie nun mal nicht Auto fahren können, jeder der schon mal ein BLK-Nummernschild vor sich hatte weiß, was ich meine, ist ja keine böse Absicht.)


Mit jeder Station bekamen wir lahmere Füße und bessere Laune. Als uns zum Abschluss eine Flussfahrt zurück zum Weingut geboten wurde, waren wir begeistert. Okay, wer auch immer sich ausgedacht hatte, dass es eine gute Idee wäre, 16 angetüdelten Landratten ohne jegliche Führung, Erfahrung oder Schwimmwesten (war wahlweise, also legte die keiner an) auf die Hochwasser führende Saale zu lassen, sollte besser in einer extrem kulanten Berufsgenossenschaft versichert oder auf ein persönliches Treffen mit Jörg Wettergott erpicht sein. Glücklicherweise blieb es bei einigen blauen Flecken, Kratzern, Prellungen und einem blutbeschmierten Hemd. Unser selbsternannter, ahnungsloser Steuermann aus der Seefahrerhochburg Sonneberg sollte Neptun mal eine Kerze spendieren. Verdient hätte er es, aber wirklich!

Wir strandeten (Landung konnte man das wahrlich nicht nennen) dann auch fast punktgenau am Ausgangspunkt unserer Krimi-Wanderung und mit Mühe habe ich Mitreisende zurückgehalten, auf den Knien den Boden zu küssen. Lag es am Silvaner, oder weil wir so knapp dem Seefahrertod entronnen waren? Jedenfalls haben wir anschließend noch schön gefeiert. Ist ja eh Bundesligaspielpause, gell?


PS. Ach ja, der Mörder war tatsächlich der Gärtner.

Soko Zahn - Phillipp und Villa