05.03.12

Eine musikalische Reise...

Von Cuentacuentos

…war es nicht nur für mich, die ich gerade noch rechtzeitig aus Berlin angereist war, denn mühelos füllten am Sonntag, dem 4. März die Besucher des 3. Kinderkonzerts den Großen Saal der Jenaer Philharmonie bis auf den letzten Platz, um an dieser Reise in fünf Länder teilzunehmen. Die familiengerechte Matinee-Vorstellung von einstündiger Dauer in Zusammenarbeit mit dem Orchesternetzwerk "One" begann um 11 Uhr, nach dem Sonntagsfrühstück und rechtfertigte den großen Zuspruch in jeder Hinsicht.


Den Auftakt bildete Georges Bizet, dessen Sinfonie Nr. 1 (3. Satz) melodisch nach Paris entführte. Es folgte eine Uraufführung: Die wirklich aufregenden Sätze “fire” und “air” aus Three sharmantic rituals des in Berlin lebenden, noch recht jungen ungarischen Komponisten Peter Köszeghy. Dass aber auch die alten Meister für die Jugend von heute keine Langweiler sind bewies (Allegro Moderato) Johann Georg Albrechtsbergers Konzert für Altposaune und Streichorchester, und Mihael Šuler, der junge Solo-Posaunist des RTV Symphony Orchestra aus Ljubljana (Slowenien) beeindruckte dabei mit wunderbaren Tremoli. Nach Israel ging es mit Akeda (Die Opferung Isaaks), das der 1935 in Tel Aviv geborene Noam Sheriff in memoriam Yitzhak Rabin komponierte – ein hochdramatisches Orchesterstück, ein Thriller könnte man sagen. Den feurigen Abschluss bildete Mieczysław Weinbergs Rhapsodie über Moldawische Themen op. 47/1. Diese abwechslungsreiche Zusammenstellung kurzer Stücke und die Moderation durch Friederike Holm hielten das Publikum in Atem. Dem tschechischen Dirigenten Stanislav Vavřínek war die Freude deutlich anzumerken, die es ihm bereitete mit diesem Orchester zu arbeiten, dass sich zu etwa gleichen Teilen aus gestandenen Musikern der Jenaer Philharmonie und Mitgliedern des Jugendorchesters der Musik- und Kunstschule Jena zusammensetzte. Die Leistungen der jungen Musiker waren beeindruckend. Umso anrührender war es, zu beobachten, dass mache der Jugendlichen fast verdutz waren, wenn ihre älteren Kollegen sie ermutigten, sich zu erheben, um ihren persönliche Applaus in Empfang zu nehmen. Verdient war der Beifall allemal und wollte nach Ablauf der sehr unterhaltsamen und alles andere als anspruchslosen Stunde gar nicht mehr enden. „Ich kann nicht mehr“, sagte das neben mir sitzende Mädchen atemlos und klatschte dennoch weiter. Und klatschte und klatschte… wie alle anderen Besucher auch.

Gerne möchte ich allen Jenensern und Jenaern den Besuch dieser Kinderkonzerte wärmstens empfehlen, fürchte jedoch, dass dann vielleicht die Kinder keine Karten mehr bekommen, und gerade sie sollen hier doch erleben, wie viel Spaß und Spannung Musik bringen kann. Also sage ich: Unbedingt mal hingehen (aber im Zweifelsfall den Familien mit Kindern den Vortritt lassen, auch wenn jeder, der am vergangenen Sonntag nicht dort war, wirklich etwas verpasst hat)!


Herzlichen Dank für die schönen Ausführungen zu unserer sonntäglichen Martinee, liebe Christa. Es war auch für mich ein erbauliches Konzerterlebnis.
Für unsere kulinarische Erbauung sorgte ja dann vortrefflich das Team des Hotels Schwarzer Bär.


Bestens gestärkt konnten wir uns so zu den Reihen der Kunstinteressierten hinzugesellen, die den letzten Öffnungstag der Ausstellung "Von Renoir bis Picasso - Künstler der École de Paris" nutzten, um die Bilder und Gemälde im Stadtmuseum zu sehen. Die Ausstellung war mit fast 24.000 Besuchern ein großer Erfolg.




Phillipp und Villa

26.02.12

Auf dem Weg zum Ruhm nach Arnstadt

"Der kürzeste Weg zum Ruhm ist - gut zu werden." - Heraklit

Mein Weg führte mich ins Theater im Schlossgarten Arnstadt. Dort führte das "Junge Musical Arnstadt" in einer Eigenproduktion das Musical "Fame" (dt. Ruhm) auf und zeigte in einer respektablen Leistung den steinigen Weg junger Studenten an der amerikanischen Highschool of Performing Arts, New York.
Die tempogeladene Show wurde von bekannten Songs, Schauspiel, mitreißenden Tanzeinlagen in quirliger Choreografie getragen und von einer wunderbaren "Vocal Brass Big Band" unterstützt. Lagen auch manche Töne der ambitionierten Laiendarsteller daneben, zolle ich ihnen für ihre Gesamtleistung Respekt. Von unserem jugendlichen Freund der Familie Konstantin Schmidt, der im Stück den Schlomo Metzenbaum besetzt, erfuhr ich von den zeitaufwändigen Proben für das Musical. Er studiert an der Technischen Universität Ilmenau Biomedizinische Technik und musste sein Zeitkontingent straff organisieren, um auch noch zusätzlichen Gesangsunterricht zu nehmen.

Um dem Gatten die Wochenendplanung schmackhaft zu machen, wählte ich als Übernachtungsort das "Hotelpark Stadtbrauerei Arnstadt" mit eigener Gasthausbrauerei. Sie rühmen sich, die älteste Weizenbierbrauerei Deutschlands zu sein. Schankmädchen Nadine führte uns auf bierernste Art in die Geheimnisse der Braukunst ein und erzählte von der
1300 Jahren alten Bach-, Bier- und Brunnenstadt.
An einer der Wände las ich, dass ein Bürger 1603 im Bierkeller am Bier-Dampfe erstickt sei, was für ein zweifelhafter Ruhm. Natürlich mussten wir uns von der Qualität der handgebrauten Biere überzeugen, denn wie sagte unser Dichterfürst im Faust: ""Die Tat ist alles, nichts der Ruhm."

Villa

19.02.12

Winterblaues Jena

Villas winterblaue Lichtblicke gegen wintergrau und faschingsblau. So schön war Jena im Februar.

"What's Goin' On?" Apolda

Von dem 1995 in London verstorbenen irischen Blues-Rock-multi-Instrumentalisten Rory Gallagher stammt das Zitat: Wenn ich einmal abtreten muss, bleibt wenigstens meine Musik als Erinnerung. Und wenn ich im Himmel angekommen bin, werde ich Jimi als erstes fragen: "What's Goin' On?"

Apolda hätte ihm mit dem 26. Bluesfasching, unter dem Motto "Blues zwischen Himmel und Hölle", eine gute Antwort geben können. Großartig wieder die kreative Umsetzung des Themas in der Tiefgarage des Schlosshotels. Lange haben wir vor dem übergroßen Wandbild, das letzte Abendmahl verstorbener Musiklegenden, gestanden und gerätselt, wer wer ist.


Auf unserem Weg durchs Fegefeuer in den Himmel ließen wir uns am Samstag von acht Bands auf drei Bühnen läutern. Das Höllengeschrei eröffneten Tumbling Dice, Kuhle & The Gang und OZMB - Ohne Zeh Mit Bass. Letztere allesamt Mitglieder der Apoldaer-Stadtverwaltung mit dem Urgestein Dietmar Rosenkranz "Rosi", dem seit Jahren die Musikauswahl des Bluesfaschings obliegt.


Zwischen Himmel und Hölle war danach noch Platz für die Lausitz Blues Band, die Musiker von The Sons Of The Desert und Die Anonymen Musikaliker. In den gekracht vollen Gängen der Tiefgarage hingegen wurden Platz und Luft immer weniger.


Nach Mitternacht standen mit der Christoph Gallas Blues Band und Dynamite Daze zwei weitere teuflisch gute Highlights auf den Bühnen. Verstärkt durch den stimmgewaltigen Sänger und Thüringer Bluesurgestein „Big Minna“ Frank Friebel, einem Gastmusiker aus Illinois und dem Jenaer Posaunisten Sebastian Dorschner wurde es ein großartiger bluesgroovender Abschluss.

Mein Dank geht an die vielen Helferlein vom Lindenwurm Faschingsclub Apolda e.V., die das Konzept vom Alternativ-Karneval Jahr für Jahr mit Leben erfüllen.


Mit Blues-Rock im Ohr hat das Jüngste Gericht seinen Schrecken verloren.
Kein gefallener Engel Villa

21.01.12

Apolda zwischen Himmel und Hölle

Um den etwas wintertrüben Augen Glanzlichter zu gönnen, besuchte ich gestern mit zwei lieben Freundinnen die neuste Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde "Reisen mit William Turner".


Der am 14. Mai 1775 in London als Sohn eines Friseurs und Perückenmachers geborene englische Landschaftsmaler William Turner gilt als Entwickler der Stimmungslandschaft und führender Vertreter der Romantik. Im Kunsthaus Apolda sind nun 71 Mezzotinto-Radierungen aus der Mappe "Liber Studiorum" ausgestellt. Leider fand ich keinen so rechten Zugang zu den gezeigten Ausstellungsstücken, ich gestehe freimütig, ich fand sie etwas fad. Von einem freundlichen Servicemann ließen wir uns Mezzotinto (eine Gravur-Ätztechnik) erklären, auch wenn er dafür ein Lexikon bemühen musste. Die Ausstellung ist noch bis zum 09.04.2012 geöffnet, mögen sich andere ein eigenes Urteil bilden.

Um den etwas wintertauben Ohren Paukenschläge zu gönnen, freue ich mich auf den traditionellen Blues-Fasching in der Tiefgarage des Apoldaer Schlosshotels am 17. und 18. Februar. Seit Jahren beweist der Lindwurm Faschingsclub Apolda e.V., dass Blues und Fasching sehr wohl Hand in Hand gehen können. "Blues zwischen Himmel und Hölle" ist das diesjährige Motto und 14 Bands sind bestätigt. Gespannt bin ich auf die Dekoration der Tiefgarage, schon das aufregende Ankündigungsplakat dürfte nicht den Segen des Pontifex erhalten.


Villa, die sich noch überlegt, ob sie sich bei der Abendgarderobe an die Plakatvorgabe hält.

14.01.12

Musikalischer Jahresauftakt mit N.E.M.O aus Jena

Der musikalische Jahresauftakt 2012 war für mich ein völlig ungewohntes Terrain. Die Jenaer Classic meets Metal-Band N.E.M.O. gestaltet ihr Bühnenprogramm nach den Vorbildern von NIGHTWISH und EVANESCENCE und ist seit einigen Jahren mit ihrem Januar-Gig im F-Haus sehr erfolgreich. Kann man sich auf die Musik einlassen, erhält man in der Kombination aus Show und Musik ein echtes Live-Paket. Der Gesang der beiden Sängerinnen Lucy und Ellie waren das prägende Element des Abends, wobei ich mir etwas mehr Präsenz der Streichersektion im vorderen Bühnenteil gewünscht hätte. Ein Hingucker waren die Auftritte von Tina mit mittelalterlicher Sackpfeife und opulenter Feuerschaueinlage. Am meisten gespannt aber war ich auf den studierten Biologen und Gitarristen Sebastian Germerodt, auf dessen Einladung ich zu diesem Hörvergnügen überhaupt erst gekommen bin. Die Musik hat gerockt (ziemlich laut, der Gatte klagt heute über ein taubes Ohr), die Musiker interagierten stimmig miteinander und das Konzert wurde mit viel Bewegung souverän auf der Bühne präsentiert.


Villa, die sich nach dem Konzert erst einmal über die Bedeutung der "gehörnten Hand" Mano cornuta informiert hat.

23.12.11

Einsiedlers Heiliger Abend

Cartoon Phillipp: "Neulich beim Orthopäden"

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab' in den Weihnachtstagen -
ich weiß auch, warum -
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken vesunken.
Da hat's an der Türe gepocht,

und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachstlieder?
ich aber rief nicht: "Herein"!

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott.
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Fröhliche Weihnachten
Joachim Ringenatz


Villa wünscht ein Weihnachtsfest in Geborgenheit.

18.12.11

Kunst am 4. Advent

Wer den Jenaer Weihnachtsmarkt besucht kann und sollte (!) die Ausstellung nicht übersehen, die seit dem 4. Dezember und noch bis zum 4. März 2012 in der Kunstsammlung Jena, Markt 7 gezeigt wird:

Von Renoir bis Picasso - Künstler der École de Paris

Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung des Petit Palais, Genf

[Klick auf den Titel befördert auf die Webseite der Ausstellung]

Die Auswahl von 96 Werken aus der Sammlung des Musée du Petit Palais gibt einen eindrucksvollen Überblick über das künstlerische Schaffen in Paris während der Jahre, die den legendären Ruhm der Künstlerbezirke Montmartre und Montparnasse begründeten und Paris um die vorletzte Jahrhundertwende zur Welthauptstadt der Kunst erhoben. Als Besucher hat man nicht nur Gelegenheit, anhand der Exponate die künstlerischen Strategien und stilistischen Entwicklungen zu sehen, sondern erfährt auch etwas über das Leben der Künstler und ihre Schicksale – eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es sind ja nur ein paar Schritte vom Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt (2011) zu Pedro Creixams‘ „Le buveur“ (1918).

Jena ist stolz darauf, dass das Musée du Petit Palais bereits zum zweiten Mal mit der Kunstsammlung Jena kooperiert.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:



Wer noch unschlüssig über das passende Weihnachtsgeschenk ist, für den ist ja vielleicht eine Einladung in den Menü-Palast Jena eine Alternative. Noch bis zum 26.12 2011 gastieren in dem besonderen Zeltambiente Künstler der internationalen Varieté-Szene. Mir hat das bunte unterhaltsame Programm auch in diesem Jahr sehr gefallen und das Kulinarische kam ebenfalls nicht zu kurz.



Herzlich bedanken möchte ich mich bei meinen Lieben und Freunden, die uns in einer schweren Zeit unterstützen und Kraft geben. Es tut gut, macht Mut und schenkt Hoffnung. Besonders gefreut habe ich mich über das Stück vom Glück, dass die liebe Sandy mit mir geteilt hat, über den schönen Adventskranz der kreativen Birgit, die Orangenlieferung aus Sizilien von lieben Freunden und die moralische Unterstützung aus der fernen Hauptstadt.


Euch allen wünsche ich einen schönen 4. Advent.
Villa

03.12.11

Rock'n'Roll Arena in Jena - für eine bunte Republik Deutschland

Das Spontankonzert begeisterte gestern ca. 50.000 Menschen in Jena. Ich schließe mich Cluesos Worten an: "Für meine Generation ist Osten eine Himmelsrichtung. Es ist egal, wo man herkommt und wir kämpfen gemeinsam gegen jede Art von rechter Gewalt."
Villa