16.10.11

Mit dem Kochlöffel im Takt - Herbstzauber beim 6.Köcheball in Jena

Sechs Jahre in Folge inszenierte der Vorsitzende Lutz Melchert vom Verein der "Jena-Saale-Holzland-Köche" in der Thüringer Sozialakademie Jena den Köcheball als einen großen kulinarischen Festakt. Der bedauernswerte Paukenschlag in diesem Jahr war leider seine Ankündigung, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Verantwortung für diese schöne Veranstaltung abgeben muss. Ob es eine Fortführung oder Neuauflage des Köcheballs geben wird, ist ungewiss.


Die dargebotenen Schauplatten waren immer ein Genuss für Ästheten und Feinschmecker. Jedes Jahr wieder machte es großen Spaß, die Welt der Gaumenfreuden in Thüringen auf dem Köcheball festzuhalten. Nicht nur der visuelle Aspekt und die Präsentation stand auf dem Prüfstand, der Geschmack wurde auch auf der Zunge eingefangen.

Etwas wehmütig und mit ein paar Tränchen in den Augen dankte Melchert den Sponsoren, seinen Mitarbeitern im eigenen Haus und seiner Familie, die immer an seiner Seite standen und ihn tatkräftig unterstützten. Sein ganz besonderer Dank ging an seinen Freund und den kreativsten Koch seiner Mannschaft, Thomas Gottbehüt. Er überreichte ihm all die Urkunden, Medaillen und Pokale, die er seiner Meinung nach längst verdient hätte. Ein sehr anrührender Moment.

Überragend bei der Plattenschau war wie in jedem Jahr das "Gasthaus am See" in Hainspitz, in diesem Jahr präsent durch den stellvertretenen Küchenleiter Tobias Rahnefeld.



Johann Wolfgang von Goethe sagte: "Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend."

Für mich war Lutz Melchert die Seele und das Herz dieser Veranstaltung und er hat sich bleibend in meinem Kopf eingenistet. Herzlichen Dank!
Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß

06.10.11

Dem Steinpilz auf der Spur

Die sommerlichen Temperaturen und der herbstliche Morgentau waren die richtigen Wachstumsimpulse für das Pilzwachstum in Thüringen. Leider wird es auch am Abend schnell dunkel und wenn man nach der Arbeit erst in den Wald fährt, muss sich schnell Finderlohn einstellen. Im ersten Wald wurden wir mit reichlich Maronen, Sandpilzen und Birkenpilzen belohnt. Auch ein paar Pfifferlinge und Schirmpilze mischten sich unter die Auswahl. Leider litten ein paar der Exemplare unter dem Heester-Syndrom, da kamen wir einfach zwei Tage zu spät. Unsere Königsdisziplin, die Sommersteinpilzsuche, war in diesem Wald nicht erfolgreich und als wir im nächsten Wald angelangt waren, war die Sonne schon fast untergegangen. Überglücklich stolperten wir dann über ein paar besonders schöne Steinis, madenfrei und fest.


Phillipp erzählte mir während unserer Suche von dem größten bekannten Lebewesen der Welt. Es ist ein Riesenhallimasch, der unter der Erde in Oregon, USA, wächst. Über neun Quadratkilometer groß soll der Monsterpilz sein.

Sehr köstlich war der Pilzbraten - Villa

03.10.11

Kollaps auf dem Brocken

Es lag nahe, das Super-Sonnen-Einheitswochenende (in Jena 27°C) für einen Kurztrip zu nutzen. Meine Wahl fiel auf die höchste Schnittstelle zwischen Ost und West, zwischen Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, den Brocken. Der Nationalpark Harz war der erste länderübergreifende Nationalpark Deutschlands. Schon im Vorfeld, bei der Hotelsuche in Wernigerode wurde mir klar, dass es sehr, sehr überfüllt werden würde. Nahezu alle Hotels waren ausgebucht und nur mit Mühe und sehr teuer fand ich ein Hotel, um das müde Haupt zu betten. Wernigerode, die bunte Stadt am Harz, bedient alle Klischees einer gut florierenden Touristenstadt. Das dominanteste Gebäude ist das schön restaurierte Rathaus am Marktplatz und sehenswert all die bunten Fachwerkhäuser.

Die Schmalspur Brockenbahn sollte uns von Wenigerode zum Brocken bringen. Ein wenig Dampf-Nostalgie steckt doch in jedem von uns. Für die etwa zweistündige Fahrt aus der Stadt, hinauf zum Brockengipfel, war ein stolzer Fahrpreis fällig. Die Züge auf der Hinfahrt waren schon dermaßen überfüllt (es wurden viel mehr Karten verkauft, als Plätze vorhanden waren) und es gab unangenehmes Gedränge und Geschiebe. Bei der anstehenden Rückfahrt kollabierte das Ganze. Lebensgefahr zum Superpreis. Alle gesundheitlichen und sicherheitsbedingten Risiken wurden in Kauf genommen um die Scharen von Passagiere wieder zurückzutransportieren. Nach dieser Zugfahrt waren alle froh, lebendig wieder aussteigen zu können. Einzig zwei betrunkene, übermütige Schweden hatten ihren Spaß, sie kletterten von dem Wagonübergang aus aufs Zugdach und fühlten sich wie in einem amerikanischen Indianerfilm. Sie nahmen freundlicherweise meine Hausfrauenkamera mit (Bildmitte).

Beim Rundgang um die Brockenspitze gaben sich Tausende und Abertausende aus Ost und West ein Stelldichein. Wir alle wollten den schönen Rundumblick genießen. Leider waren auch alle Dienstleistungen hoffnungslos überfordert. Gestresst von einem dringenden Bedürfnis habe ich das erste Mal in meinem Leben eine gut besuchte Männertoilette benutzt. Die Versorgung mit Getränken war sehr zeitraubend, aber notwendig.

Villa reist nie wieder auf den Brocken, es sei denn mit Maulesel und Zelt.

PS. In Thüringen wachsen derzeit wieder die Steinpilze - eine Pilzsuche wäre die bessere Wahl gewesen.

30.09.11

Werkreihe "besenrein - Ästhetik des Aufgebens"

Nachdenklich, bildlich und sehr intim sind die Fotos von Sebastian Krause. Wie oft schon wollte ich eine seiner Ausstellungen besuchen, immer kam etwas dazwischen.
Nun gibt es das Projekt "besenrein - Ästhetik des Aufgebens" im Web und ich habe die Ausstellung einfach zu mir nach Hause geholt.



An einem Bild sind immer zwei Leute beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter.
Ansel Adams

Villa ist sehr beeindruckt von Ihren Projekt werter Herr Pestkrause.

25.09.11

Glücksschmiede Altstadtfest Jena


In der neuesten Generationenbilanz einer Studie "Glücksatlas Deutschland 2011" belegen wir Thüringer in der Lebenszufriedenheit angeblich den letzten Platz. Das alljährliche Altstadtfest Jena zeigte mir während der gesamten Festwoche generationenübergreifend glückliche Besucher. Wieder einmal ist es den Veranstaltern gelungen, mit ihrem Programm die verschiedensten Geschmäcker zu bedienen. Die Altkultbands "Renft" und "Lift" gaben den Auftakt, die "Firebirds" begeisterten mit ihrer temperamentvollen Show, "Rosa" ließ es beim 25-jährigen Bühnenjubiläum krachen und "Tänzchentee" verwandelte den Marktplatz in eine "Ballermannzone". Mein persönlicher Glücksmoment war die großartige Fusion Jenas bester PartySkaBand "Babayaga" mit den Musikern aus St. Petersburg "Marktschneider Kunst".


Von der US-amerikanischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck kommt das Zitat: "Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten."

Villa ist in der Glücksstudie nicht befragt worden.

24.09.11

Mit dem Strom schwimmen

Aus Jena

Danke an meinen Bruder, der mich per Google Chat an seiner großen Amerikatour teilnehmen ließ. Dieses Foto wurde im Hafen einer Küstenkleinstadt etwa 400km neben Los Angelas aufgenommen.

Von den Möglichkeiten der virtualisierten Globalisierung durch moderne Kommunikationstechniken begeistert Villa

18.09.11

Reiseziel Dalmatien

Aufgebrochen, den Sommer zu suchen, war unser Reiseziel die kroatische Küste Dalmatiens, genauer gesagt die Makarska-Riviera, noch genauer Tučepi. Tučepi ist ein kleiner Touristenort zwischen den Abhängen des Biokovo-Gebirges und der mit Kiefern bedeckten Kieselsteinküste der Adria. Entspannt kann man dort die Annehmlichkeiten eines Urlaubes genießen.

Besonders beeindruckt hat mich die sehr gute Wasserqualität an der Küste. Das wohl sauberste Gewässer am Mittelmeer, das ich jemals sah, immer wieder ausgezeichnet mit dem Ökolabel "Blaue Flagge", empfing uns mit glasklarem, türkisfarbenem Wasser. Mit dem Taxiboot und einem motorisierten Schlauchboot haben wir mehrfach die Küste erkundet.

All die kleinen Orte an der Küste haben noch ein höher gelegenes Pendant in den steilen Karstfelswänden des Gebirges. Zweimal sind wir in den frühen Abendstunden mit dem Taxi in die alte Siedlung gefahren. Ein imposanter Blick von der Anhöhe auf die offene See und die vorgelagerten Inseln und die scheinbar jahrhundertelange Ruhe der steinernen Häuser waren unser Lohn. Etwas mühevoll waren die Wanderwege jeweils zurück zur Küste, aber sie boten uns ungetrübte Natur und entspannte Ruhe. Viele verlassen Weiler, Olivenhaine und Feigenbäume säumten den Weg.

Ein größerer Ausflug brachte uns zum Flussgebiet von Krka. Der Nationalpark "Krka" (wie verdammt spricht man das aus?) beeindruckt mit seinen sieben Rauwacken-Wasserfällen und seiner außerordentlich reichen Flora und Fauna. Allerdings ist der Parkbereich, ein Netz aus Pfaden und Brücken auch sehr belebt und wird touristisch stark ausgebeutet.

Eine wunderschöne Panoramafahrt durch die Hochgebirgsregion des Naturschutzparks Biokovo brachte uns zur höchsten Bergspitze SV. Jure, die sich stolze 1762 m über den Meeresspiegel erhebt. Auf dem Weg dahin wieder verlassene Dörfer und Weiler. Das karge Landleben hat die Bewohner wohl veranlasst, ihr Heil an der Küste zu suchen. In den Mauern der alten, verlassenen Steinhäuser haben wir auch ein besonderes Krabbeltier gefunden. Der schwarz-braune Skorpion (Euscorpius italicus) sah zwar etwas giftig aus, aber seine Stiche sollen weitgehend harmlos sein.


Zum Schluß noch etwas über die Küche in Dalmatien. Also für mich war sie kein Gaumenschmeichler. In den Küstenorten beherrscht Fastfood das Angebot der vielen Pizzerien, Konobas und Tarvernen. In den von mir besuchten Restaurants hatten sie es immer geschafft, den frischen Fisch oder das Fleisch tot zu braten oder leider mit nicht so hochwertigem Öl zu ersäufen. Lediglich das in der Holzkohleasche gebackene Brot in dem Bergdorf Tučepi, der leicht angeräucherte dalmatische Rohschinken, der Schafskäse und das frische Obst konnten mich überzeugen. Der immer so heftig angepriesene Kräuterbrand eignete sich nur als Fotomotiv.


Ausgezogen, den Sommer 2011 zu suchen, haben wir Ruhe und Entspannung bei bestem Sommerwetter an der Küste Dalmatiens gefunden.

Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß
Gerade bemerkt, Blogger hat etwas verändert und man muss neben das Bild klicken, um es doppelt so groß zu sehen ...seltsam.

19.08.11

Hexenkessel Kulturarena Jena

Den größten Live-Wahnsinn und die durchgedrehteste Bühnenshow erlebte die 20. Kulturarena mit den Musik-Vagabunden "Gogol Bordello" aus New York. Die Zigeunerpunker verwandelten die Arenabesucher in eine tobende Masse.


Jeglicher musikalischen Schubladisierung entzogen, wohl einer Mischung aus Ska, Metal und Balkan-Gypsy-Punk hetzte uns der Entertainer par excellence Eugene Hütz wie eine Wildsau durch das Programm. 2800 Besucher (mit Hang zum Exzess) bildeten Speed-Ringelreihen und flippten beim Veitstanz aus. Es war wilde Raserei!



Der Ukariner Eugene Hütz wurde mit seiner Familie 1986 aus dem Reaktorgebiet Tschernobyl evakuiert und kam über Umwege Mitte der 90er Jahre nach New York. Seine Vorfahren waren Zigeuner und die Musik hat auch die Ausgelassenheit des fahrenden Volkes übernommen. Von einer kleinen bulgarischen Bar in China Town aus begann er die New Yorker Szene aufzumischen. Inzwischen touren er und seine Band durch ganz Amerika und Europa. Mit viel Akkordeon und dem wilden Geiger (Yuri Lemeshev) sowie Gitarren und Perkussion entfesselte die neunköpfige internationale Musikerband uns im Dauerbeschuss. Fast jegliche Form des Applauses mit Glas in der Hand war unmöglich und ich war froh, dass die ausgegebenen Plastegläser größeren Scherbenbruch verhinderten.



Ganz anders und dennoch auch kosmopolitisch gestaltete sich das gestrige Asa-Konzert. Es war wunderbare Musik zum Chillen, genießen und sich treiben lassen. Die Franco-Nigerianerin brachte den Groove in die Arena, sang mit dunkler, schmeichelnder Stimme mal Soul, mal Reggae, mal afrikanische Rhythmen in ihrer Heimatsprache Yoruba. Sie spielte Trompete und Gitarre mit den Bandkollegen, immer dabei ihre Stimme souverän zur Wirkung bringend.



Gut gelaunt, mit sexy weichem Hüftschwung, kokettierte sie mit uns und forderte uns auf ihren Namen Asa ("Aaascha") zu sprechen. Asa bedeutet "kleiner Falke" und just in diesem Moment verirrte sich eine kleine Fledermaus vor die Bühne. Bestimmt die kleine ortstreue Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros). Villa ist auch ortstreu und freut sich schon jetzt auf eine Neuauflage der Kulturarea 2012.


Nachtragen möchte ich doch die Konzert-Fotos der marokkanischen Balladensängerin Hindi Zahra.



Kleine Kulturarenabegebenheit am Rande: Meine Freundin verlor gestern vor Konzertbeginn einen 50-Euro-Schein und das Unglaubliche geschah. Ein ehrlicher Finder gab den Schein am Kulturarenastand ab und sie bekam ihr Geld zurück. Schon ein tolles Volk, diese Arenagänger.


Villa, die sich in den Sommerurlaub verabschiedet.

14.08.11

Rainald Grebe - Dynamit in der Kulturarena

Aus Jena
Als der Anarcho-Clown Rainald Grebe, als stimmstarker Zampano, voller Ironie sein Lied vom Trend- und Trennungssport "Angeln" sang, war längst klar, er selbst ist der größte Hai im Jenaer Kulturarenabecken. Es hatte was von Dynamitfischerei, das Konzert als musikalischer Zunder. Zündschnur war die wilde Bühnenshow um "unser aller Raini" und sein Orchester der Versöhnung. Das ausverkaufte Arenarund war restlos begeistert. Besonderes Zugeständnis an den Ex-Theaterhäusler und uns Zuschauer war die Ausdehnung der Konzertlänge bis 23.00 Uhr und eine Wiederholung am heutigen Sonntag.





In meiner persönlichen Grebe-Chronologie steht die Nummer mit den Handwerkern beim "Sommernachtstraum" in der Kulturarena 2004. Im März 2007 fand das grandiose Solokonzert bis 2.00 Uhr und sechs Zugaben (Bild unten) im Kassablanca Gleis1 statt und 2008 trat er mit der Kapelle der Versöhnung auf dem Theatervorplatz auf.



Musik und die großartige Bühnenpräsens am Samstag setzte allem die Krone auf und natürlich wurden wir mit der "Thüringenhymne" in die Perseidennacht entlassen. Der Vollmond hat verhindert, dass ich mir etwas wünschen konnte und so erfülle ich mir den Wunsch nach Wiederholung des Spektakels selber und gehe heute zum Wiederholungskonzert.
Villa

12.08.11

Comics aus alten Zeiten

Bildergeschichten und Comic-Tradition waren ein rares Gut zu DDR-Zeiten. Die Nähe zu den trivialen Erzeugnissen der kapitalistischen Widersacher sollte vermieden werden. Dennoch mauserte sich auch in der DDR diese "pennälerhafte Kunstrempelei". Wer von uns las nicht Fix und Foxi, Mosaik und Atze. Eine große Freude bereitete mir heute meine Freundin Cora aus der Schweiz. "Guckt mal, was ich gefunden habe bei meinem Antiquar." lautet die Botschaft für das Überraschungspaket. Enthalten war ein großformatiger Sammelband für den Comicfreund und -sammler. Härzilige Griess und Dank in die Schweiz für diese tolle Fundgrube.

Auch Phillipp hat sich kurzzeitig in dieser "sequenziellen Kunst" versucht. Schade, dass die Zeit nicht ausreichte, dieses Faible zu vertiefen. Ansätze aus Cartoons Comics zu machen waren da. Ich hatte ihm vorgeschlagen, einen Kurs bei Jenas talentiertestem Comic-Künstler Johannes Kretzschmar "Beetlebum" zu belegen, leider ist es nicht dazu gekommen. Aber, was nicht ist kann ja noch werden.


Villa, die heute Comics schmökert.