01.08.11

Spannende Unterhaltung im Umspannwerk - Imaginata Jena

Für diejenigen, die es nicht wissen, sollte ich vielleicht erst einmal erklären, was ein Umspannwerk ist. In einem Umspannwerk werden unterschiedliche Spannungsebenen innerhalb eines elektrischen Versorgungsnetzes mit Hilfe von Leistungstransformatoren miteinander verbunden. Etwas vereinfacht ausgedrückt: Ein Umspannwerk sorgt u.a. dafür, dass aus der Steckdose in der heimischen Hütte kein Starkstrom fließt. Wird ein Umspannwerk nicht mehr benötigt, weil der Energieversorger andernorts umspannen lässt, verwandelt sich so eine Ansammlung von Transformatoren in eine ziemlich spannungslose Angelegenheit, es sei denn, man macht es, wie sie es in Jena gemacht haben. Hier ist das ehemalige Umspannwerk inzwischen eine Stätte spannender Kultur. Neben Lesungen unter dem Titel „Geistreiches am Donnerstag“, Zirkus, Kindertheater u.v.m. kann man dort von April bis Oktober an den Sonn- und Feiertagen die IMAGINATA besuchen (an Werktagen nur Führungen für Gruppen und Schulklassen) und Stunden mit den rund 100 Experimenten zubringen. Villa, Phillipp und ich waren dort und wurden nicht nur durch optische Täuschung wieder zu Kindern, sondern stürzten uns wirklich mit kindlicher Spielfreude und Entdeckungslust auf alles, was geboten wurde, obwohl „das Schiefe Haus von Jena“ uns schon gleich hinter dem Eingang fast außer Gefecht gesetzt hätte. Dabei hatten wir meinen Besuch in Jena und das gemeinsame Frühstück in der jetzt von Weinlaub fast überwucherten Wagnergasse doch nur mit einem dezenten Gläschen Prosecco gefeiert. Trotzdem rief das Befolgen der auf einem Schild angebrachte Aufforderung: „Geh langsam in Kreis. – Achte auf deine Körperwahrnehmung...“ einen Zustand hervor, der am besten mit „total besoffen“ zu beschreiben ist.


Im Gegensatz zu den unliebsamen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums – denn ein Gläschen Prosecco ist schließlich nicht übermäßig – entließ uns das Schiefe Haus aber in eine fröhliche Nüchternheit, sobald wir ihm entkommen waren. Nicht einmal der Blick zur IMAGINATA-Kugel hinauf löste ein Schwindelgefühl aus. Wir wussten: Beschwindeln wollte man uns hier nicht, wohl aber mit Tatsachen verblüffen, z.B. in der begehbaren Lochkamera, in der sich das Bild von draußen, mit einem kaum wahrnehmbaren Lichtstrahl durch ein winziges Loch eindringend, auf dem Kopf stehend auf eine Wand projiziert. Es sind die Anfänge der Fotografie, deren Augenzeuge man hier wird. Aber nicht nur das Sehen, auch das Hören wurde gefordert. Eine riesige Schlauchspirale mit Sprech- und Hörmuschel ließ uns die Schallgeschwindigkeit der eigenen Stimme erleben.


Das ehemalige Umspannwerk bietet eine ideale Kulisse für die physikalischen Experimente, die man hier selbst nachvollziehen kann. So kannte ich das unglaublich schwarze Schwarz, das noch schwärzer ist als Schwarz nur aus einem Douglas-Adams-Roman. Hier durfte ich mich selbst davon überzeugen, dass etwas so schwarz sein kann, dass man nicht mehr zu unterscheiden vermag, ob es sich um einen Körper oder um ein schwarzes Loch handelt. Viel (be-)greifbarer wirkten auf den ersten Blick die Holzkugeln, von denen Villa und Phillipp versuchten, möglichst viele in einem gläsernen Würfel unterzubringen. Das erwies sich als größere Herausforderung, als man zunächst meint. Ebenso wenig hätten wir vorherzusagen vermocht, wie sich ein Pendel bewegt, das an einem anderen Pendel befestigt ist. Mit einer über einer Düse schwebenden Kugel (Wasserball) wird der Bernoulli-Effekt vorgeführt, denn der Luftstrom lässt sich umlenken. Wird der Ball nun abstürzen? Nein, er tut es nicht. Sehr zweifelhaft aber erschien mir, ob ich in einer Reihe unterschiedlich großer Dominosteine auch den letzten und größten, mehrere Kilo schwer, zum Umfallen brächte, wenn ich nur den kleinsten (kleiner als ein normaler Dominostein) umstieß. Und wirklich überrascht war auch Phillipp, dass ein leerer Zylinder eine Schräge schneller hinunter rollte als ein mit Holzkugeln gefüllter, der mit Öl nicht einmal genug Schwung bekam, um das Ende der Bahn zu erreichen, während der mit Wasser alle anderen übertraf.

Dass man Meeresrauschen nicht nur in einer Muschel, sondern auch in einem Lampenschirm hören kann, störte meinen Sinn für Romantik ein bisschen; und waren die Hörspiegel-Ohren, mit denen Villa so fröhlich herumspazierte auch eine Demonstration der Helmholtz-Resonanz? – Ach, es gab ja so unendlich viel zu lernen! Mir schwirrte der Kopf, und das benutze ich jetzt mal als Ausrede dafür, dass ich Phillipps „Geheimbotschaften“, diese großartige Pantomime, die er aufführte, um mir zu zeigen, was er aus verschiedenen Holzklötzern auf seiner Seite der Sichtblende baute, auf meiner Seite nicht 1:1 nachzubauen vermochte.


An diesem Punkt unseres IMAGINATA-Besuchs waren wir längst zu Kindern geworden, erlebten diese herrliche Mischung aus Albernheit und Wissbegierde, so dass es des Riesentisches mit entsprechenden Stühlen kaum bedurft hätte, um uns zu zeigen: Wir waren auch mal klein. Eher an meine Teenager-Disco-Zeit erinnerte mich dann das Schwarzlicht. Himmel, war das damals peinlich, wenn die Mädels plötzlich scheinbar im BH auf der Tanzfläche standen, und den Jungs die pubertären Schuppen wie Schnee auf den Schultern lagen! Gleich nebenan wartete die Plasma-Kugel und verzauberte uns regelrecht. Sie mit den Fingern zu umkreisen machte einfach noch mehr Spaß als an ihr die 1904 von Nikola Tesler erfundene Leuchtstoffröhre zum Leuchten zu bringen.

Die Tuschel-Muschel ließ mich an die Sala de los Secretos der Alhambra denken, denn auch in dieser Muschel kann man, gegen die Wand gekehrt, jemandem an der gegenüberliegenden Seite der Kuppel etwas zuflüstern, was dann wie eine Geisterstimme aus der Wand selbst zu kommen scheint. Und wirklich verblüffend war das Haus der Riesenzwerge. Zwar konnte man sich den Grund für die optische Täuschung erklären, hätte aber niemals mit einem solchen Größenunterschied gerechnet.



Wirklich tolle Fotos hat Villa in dem Teil der Ausstellung gemacht, in dem es um Spiegel und Kaleidoskope geht. Kein Spiegelkabinett auf einem Rummelplatz hat mich je so entzückt und zum Lachen gebracht. Hier wird nichts verzerrt, es sind die Spiegelungen der Spiegelungen, welche die überraschendsten Effekte erzielen. Wer manchmal, um sich weniger allein zu fühlen, in den Spiegel schaut, kann hier in einem dreieckigen Spiegelkabinett regelrecht ins eigene Gedränge kommen oder sich zwischen zwei Spiegeln bis in unendliche Fernen zuwinken. Am schönsten aber sind die Spiegel-Kaleidoskope, durch die man sein Gegenüber betrachten kann. Ich glaube, es ist seit Jahrzehnten das erste Mal, dass ich mir ein Foto von mir am liebsten an die Wand hängen würde. Nein, ich denke, ich entscheide mich doch für ein Triptychon als Erinnerung an diesen fantastischen Tag. Ein Besuch der unterhaltsamen und lehrreichen Ausstellung in dieser interessanten Umgebung ist wirklich jedem zu empfehlen.



Danke, liebe Chris für die schöne Zusammenfassung unseres Imaginata-Besuches. Es war ein toller Tag, der für mich und dem Gatten beim Bergfest der Kulturarena im Volksbad endete.

Arenacomedy: Zum Brüllen komisch (Fil), mit einer guten Dosis rabenschwarzem englischen Humor gesegnet und wie eine Rampensau agierend (Mr. Steve Rawlings) und ein tierischer Auftritt mit reptilem Humor (Puppenspieler Michael Hatzius) ergänzten den perfekten Tag.
Villa

30.07.11

Open air macht Spaß - Anna Depenbusch in der Kulturaren

Ganz nett dachte ich im Vorfeld, als ich mir die Auswahl-Videos zur 20. Kulturarena anschaute. Unentschlossen, ob "ganz nett" reichen würde, begab ich mich dennoch (und dieses Entdecken ist ja das Schöne an der Kulturarena) zu dem Konzert der Hamburgerin. Jena wäre eine schöne Festival-Location, meinte Anna und überhaupt käme ihr das alles vor wie im Film. Mit viel Liebe zum Detail hatte sie "Lieder für jede Gelegenheit" im Programm und führte uns anrührend durch ihre kleinen Alltagsgeschichten. Mit entwaffnender Natürlichkeit interagierte sie mit der anwesenden Zuhörerschaft, verwies charmant auf Biografisches und brillierte bei ihren Chansons und Balladen.


Am Ende belohnten 1700 Zuhörer Anna Depenbusch und ihre Hausband mit Standing Ovations bei ihrem ersten Open Air. Sie belohnten uns mit drei Zugaben und schickten uns mit dem letzten Song "Astronaut" in unseren eigenen Kosmos zurück.



Der vom Gitarrenmeister Carlos Santana so gehypte Rebel Reggae Rock aus Down Under, "Blue King Brown", nahm dagegen nur verhalten Fahrt auf. Sie sind in Europa noch eine relativ unbekannte Größe, aber die Aussicht auf schönes Sommerwetter und dazu passenden Sound hatten den Platz ordentlich gefüllt. Normalerweise gibt es bei Konzerten eine Kompressionswelle nach vorn, diesmal lichteten sich schon nach dem vierten bis fünften Titel die Reihen vor der Bühne und vor Ende des Konzertes hatten sich auch die Ränge deutlich geleert.
Dabei hatte die Band aus Melbourne mit ihrer musikalischen Mischung aus Roots, Dub und Raggae eine politische Botschaft zu überbringen. Bei der auf Deutsch gehaltenen Ansprache forderte Bandleaderin Natalie Pa'apa'a uns auf, für soziale Gerechtigkeit, Klimawandel und gegen Hass und Krieg einzustehen.


Die Band sieht sich als Teil der globalisierungskritischen Protestbewegung.

Allerdings wirkte ihr Urban Roots Reagge auf mich zuweilen zu angestrengt. Die Hip Hop Habitus-Gesten der Backgroundsängerinnen Nadee und Jess Harlen konnten mich nicht überzeugen, erst als sie ihre Solo-Auftritte hatten, bemerkte ich ihre guten Simmen. Das Percussionsfeuerwerk und die Gitarren webten einen treibenden Latinflow-Teppich, auf dem die Besucher dann doch zum rhythmischen Kopfnicken auch noch die Tanzbeine schwangen.



Wie sagte Anna Depenbusch so schön: Open air macht Spaß!

Villa

23.07.11

Bring mich nach Jena - Wir sind Helden

Eigentlich wollte ich zu dem "Wir sind Helden"-Konzert nicht gehen, da ich die Band bereits 2005 auf der Kulturarena erlebte. Nachdem Judith Holofernes im Februar aber offen Flagge zeigte, indem sie sich mit ihrem offenen Brief mit der BILD anlegte, wurde die Karte gekauft.

Die Hamburger Deutschrocker "Herrenmagazin" verkürzten uns die Wartezeit als Vorband.


Sehr pünktlich und extravagant gekleidet, ließ es die Frontfrau von „Wir sind Helden“ Judith Holofernes gleich zu Beginn auf der Bühne krachen. Die "Bring mich nach draußen"-Tour war geeignet für alle Altersschichten, in Jena waren sie sichtlich gereift. Durch die Dynamik der Show, die gute Liedmischung und den Spaß der Band auf der Bühne sprang der Funke schnell auf das Publikum über und es kam zu viel Bewegung im ausverkauften Arenarund. Immer wieder wurden die zahlreichen Zuhörer außerhalb des Festivalgeländes mit einbezogen und die Nobel-Zuhörer auf der 1A-Immobilie rechts des Theatervorplatzes gegrüßt. Höhepunkt des Musikabends war der gemeinsam mit den Konzertbesuchern gesungene Song "Denkmal".
Sie monierten die strengen Vorgaben zur Konzertlänge und gaben den *Trottellumen* die Schuld an den restriktiven Anweisungen. Damit sprachen sie wohl den meisten Besuchern aus dem Herzen, für die auch dieser Konzertabend zu schnell vorbei war.


Band-Manager Danny kommt aus Jena und dessen Vater versorgte die Musiker mit original Thüringer Bratwürsten, vielleicht auch deshalb ihre Anfangsworte: "Guten Abend Jena, ihr habt es sehr schön." Danke an die Helden, wir hatten es auch sehr schön mit euch.

Villa

22.07.11

Musikgenuss Beady Belle


Mit Beady Belle gastierte eine der spannendsten Jazz-Formationen Norwegens in der Kulturarea Jena. Ihr variationsreicher Akustik-Soul begeisterte 800 Besucher, die sich am Mittwochabend, trotz Unwetterwarnung, auf den Theatervorplatz einfanden. Es sollte ein heißer Abend mit den Künstlern aus dem kühlen Norden werden.


Meine Ehrerbietung gilt Frontfrau Beate S. Lech. Mit erstaunlich wandlungsfähigen Vocals sang sie überzeugend, hauchte kurze Laute und Sprachfetzen dazu und steigerte sich zu minutenlangen unaufschreibbaren Sound-Installationen.

Ein hinreißendes, entspanntes Konzert, das viel zu schnell vorbei war.
Villa

17.07.11

Volle Konzentradition - Suzanne Vega in der Kulturarena

Mit der großartigen Stimme von Suzanne Vega, die als eine der besten Songwriterinnen ihrer Generation angesehen wird, begann für mich die 20. Kulturarena Jena. Sie gehört zu meiner musikalischen Vergangenheit und ich war sehr erfreut, als ich erfuhr, dass sie im ausverkauften Arenarund eines ihrer seltenen Konzerte geben würde.
Befremdlich empfand das Publikum allerdings ihre Ankündigung auf der Bühne. Frau Dr. Margret Franz forderte die Zuhörer des Open-Air-Konzertes wie eine Kindergartengruppe auf, ihre Handys auszuschalten und der Musik KONZENTRIERT zu folgen. Künstler wie Suzanne Vega haben es meiner Meinung nach nicht nötig, dass das Publikum vorher auf die "richtige" Verhaltensspur gedrillt wird, sie überzeugen durch Leistung und sind selber in der Lage, ihr Publikum zu fesseln.


Mit sagenhafter intensiver Performance und ihrer großartigen Stimme reihte die Künstlerin Songperle an Songperle. Die magischen Melodien, die sich seit Jahrzehnten permanent weiterentwickelten, hatten eine starke Sogkraft. Die wunderbare Duo-Präsentation mit dem irischen Gitarristen Gerry Leonard, der als Gegenpol eine feine Instrumentalisierung auf die Theatervorplatzbühne brachte, ergaben harmonische Melodielinien. Dennoch war die Stimmung verhalten. Wahrscheinlich lag es am konzentrierten Zuhören. Erst nach fast einer Stunde bei ihren früheren Hits „Luka“ (Vegas bis heute höchstplazierter Hit in den US-Charts), „Gypsy“, „Marlene On The Wall“ lockerte sich das Publikum und bei Tom`s Dinner wurde sie mit dem so bekannten "DubDubDubu" unterstützt.



Nach dem Konzert wurde der Film über die Kulturarena gezeigt. Für meinen Geschmack etwas zu viel Selbstbeweihräucherung der Verantwortlichen, ich hätte mir mehr Retrospektive der besten Konzertabende, der wirklich tollen Künstler während der 20 Jahre Kulturarena gewünscht.
Positiv vermerkte ich, dass die bedeutende Rolle Norbert Reifs, dem "Arena-Vater" gewürdigt wurde. Von Anfang an für die Musikauswahl zuständig ist Lutz Engelhardt und er hat bis heute sein gutes Händchen für den besten Kultur-Mix behalten.

Villa, in Vorfreude.

14.07.11

Grazer Freunde in Jena

Haben Freundschaften, die in der internetten Welt entstanden sind, die durch Stetigkeit Bestand erhielten, die Chance, geografische Entfernungen zu überwinden und sich in persönliche Kontakte umzuwandeln? Diese spannende Frage stellte ich mir, als ich einen Freund und seine Familie aus Österreich nach Jena einlud. Virtuelles Denken in was "Greifbares" zu transformieren, fiel bei diesem liebenswerten Besuch leicht.

Ein lebhafter Besuchsprogrammpunkt war die interaktive, multimediale, naturwissenschaftliche Ausstellung im alten Umspannwerk der Imaginata Jena.


Im Stationenpark zur Erkundung naturwissenschaftlicher Phänomene hatte wir Erwachsenen und die Kinder viel Spaß beim Experimentieren, Grübeln und Spielen. Bei heimlichen Flüsterbotschaften in der Tuschelmuschel, mathematischen Knobelspielen, optischen Täuschungen, dem Tastparcours im "schwarzen Labyrinth" und am Sound-Mikroskop vergaßen wir die Zeit. Sorry Wolfgang, dass ich dich auf das Hochseilrad in luftiger Höhe gescheucht habe, du hast den Balanceakt für Wagemutige mir Bravour bestanden.

Phillipp und seiner Familie danke ich herzlich für die Ausrichtung unseres kleinen Erlkönig-Kinder-Seifenkistenrennens.


Ausgangspunkt war der "Erlkönig" in den Saale-Auen von Wenigenjena nach Kunitz. Durch den Brückenbau in Kunitz war das Pkw-Fahrverbot aufgehoben worden, was uns vor besondere Sicherungsmaßnahmen stellte. Doch es hat prima geklappt und am Ende bekamen alle Teilnehmer eine Urkunde und Medaille bei einem fröhlichen Essen in Gasthaus zur Kunitzburg



Bei unserer Wanderung auf den Fuchsturm gefielen Marta die schönen naturbelassenen Wiesen und die große Schmetterlingsvielfalt.


Ich danke den Gästen aus Graz für diese großartige intensive Zeit und die tolle kulinarische Reise durch die Steiermark, Wolfgang für den Speed-Kurs im Geocaching, immerhin war es eure bis dahin nördlichste Schatzsuche. Auf dem schönen Blog der Geologin hatte ich schon öfter etwas von dieser Schnitzeljagd an ungewöhnlichen Plätzen gelesen.
Kompliment an die Plattenspieler-Familie, eure Unterstützung war dankenswert.

Es war mir eine Freude, virtuell & real zu mischen.
Villa

12.06.11

Deutsche Bahn boykottiert Saale-Weinmeile

"Ein guter Schluck zur rechten Zeit, schafft Frohsinn und Gemütlichkeit."
Das diesjährige Motto der Saale-Weinmeile war der Deutschen Bahn wohl ein Dorn im Auge.
Unser Zug 9.13 Uhr vom Jenaer Saalbahnhof verspätete sich um rund eine viertel Stunde und obwohl der Zugführer nach eigener Aussage darum gebeten hatte, den Anschlusszug auf dem Umsteigebahnhof in Großheringen warten zulassen, war dies verweigert worden. So strandeten ca. 50 Weinfreunde, die sich auf die Saale-Weinmeile begeben wollten in Gr0ßheringen. Da war die Stimmung noch relativ gut, obwohl wir hier fast eine Stunde warten sollten. Sie schlug aber schnell um, als eine weitere Hiobsbotschaft kam: Der nächste Zug nach Bad Kösen würde ausfallen bzw. käme noch ein Stunde später. Viele Fahrgäste fuhren enttäuscht zurück nach Hause. Von Frohsinn und Gemütlichkeit keine Spur mehr. Seit dem 8. Juni betreibt die DB einen Twitter-Kummerkasten Twitterkanal @DB_Bahn, der wäre am Pfingstwochenende für servicerelevante Fragen eh nicht in Betrieb gewesen (vorerst immer von Montag bis Freitag von 6 bis 20 Uhr), hätte uns aber auch nichts genutzt, da wir rund um den Bahnhof keinen Netzempfang hatten. Unsere zehnköpfige Gruppe ergatterte nach einiger Zeit, unter Mithilfe der Großheringener Bevölkerung, ein Großraumtaxi und kam sehr teuer mit Kind und Kegel in Bad Kösen an.

Die bereits traditionelle Saale-Weinmeile zwischen Bad Kösen und Roßbach im südlichen Burgenlandkreis feierte an diesem Pfingstwochenende ihr 10-jähriges Jubiläum.
Wie auf einer Perlenschnur reihten sich entlang der 6 km langen Wegstrecke 34 bekannte Weingüter und Winzer, die ihren Wein im Nebenerwerb oder als Hobby anbauen.

Entlang der Meile erlebten die Liebhaber der Saale-Unstrut-Region die schöne Natur, den Weinbau, Kulinarisches und Musikalisches hautnah. Allerdings waren Tausende unterwegs und das Gedränge oft sehr groß. Wir hatten Glück, bei jedem Regenschauer saßen wir gerade unterdacht bei einem guten Tröpfchen. Besonders gut gefallen hat mir die Musik der The String Company, mal wild-zigeunerisch, mal cool, mal harmonietrunken.

Zwischen der Kurstadt Bad Kösen und dem Weindorf Roßbach wurde den Weinfreunden unterhalb der Weinberge beste Weine und gute Unterhaltung geboten.

Ein Bus-Shuttle brachte uns zurück zum Bahnhof Bad Kösen und die Rückfahrt verlief reibungslos.
Frohsinnig Villa

Wie immer: Doppelklick macht Bilder groß

07.06.11

Traumautos?

Von Cuentacuento

Jetzt übertreibt sie aber doch ein bisschen, dachte ich und meinte Villa. Vor dem Hotel, in dem sie abgestiegen war, standen fünf oder sechs Rolls-Royce Stoßstange an Stoßstange. So etwas habe ich noch nicht mal vor dem Adlon gesehen – dass die luxuriösesten der Luxus-Karossen nicht mehr in die Tiefgarage passen, sondern wie normalsterbliche Autos am Straßenrand parken müssen. Da ich mich nicht so leicht beeindrucken lasse von Dingen „that money can buy“ fragte ich später den Taxifahrer, der uns zu „unserem“ Hotel brachte: „Sagen Sie mal, stehen die immer da? Ist das Dekoration?“ – „Nein“, klärte er uns auf, „die nehmen wohl an dieser Rallye teil.“ Und später konnte ich es dann auch in der Zeitung nachlesen: Die Mitglieder der Schweizer Sektion des "Rolls-Royce Enthusiasts' Club" sind im Osten Deutschlands unterwegs. Ihre Tour, genannt "Thüringen-Sachsen-Rallye 2011", begann am Himmelfahrtstag. Noch bis Pfingstsonntag sollen weltweit bekannte Ziele in Thüringen angefahren werden.


Je nun, die schöne Thüringer Landschaft hat es verdient, dass auch Schweizer – und selbst solche mit Rolls-Royce – sich an ihr erfreuen. Und Villa, der Frühaufsteherin, gönne ich es von Herzen, dass sie sich am Anblick der morgens um sechs den Lederlappen schwingenden Rolls-Royce Fahrer erfreuen konnte. Oder jedenfalls will ich doch hoffen, es waren die Fahrer (Besitzer) höchstpersönlich, die da wienerten, putzten und auf Hochglanz brachten. So viel Sportsgeist möchte wohl sein! Oder funktioniert das wie mit den Schuhen, die man zum Putzen vor die Zimmertür stellt, so mit den Autos, die man zum Putzen vor die Hoteltür…???

cuentacuentos

Jenseits der Sehnsucht

Von Cuentacuento

Waren wir „jenseits der Sehnsucht“, als wir uns auf der Terrasse vor der Gastronomie der ACC Galerie Weimar niederließen? Fast. Wenn einem vom Laufen die Füße wehtun, und man durstig ist, hat man eigentlich nur noch zwei Wünsche: Füße hochlegen und etwas Erfrischendes trinken. Aber nicht nur profane Touristenbedürfnisse, sondern auch die Ausstellung „Jenseits der Sehnsucht“ hatten uns hierher gelockt. Zum 16. Mal führt die ACC Galerie Weimar ihr Atelierprogramm durch und zeigt vom 13. Mai – 19. Juni 2011 die Arbeiten der Stipendiaten.

Die Nähe zur Bauhaus-Universität ist überaus passend zu den Gemälden der Argentinierin Leila Tschopp. Seit 2006 hat die Künstlerin verschiedene Projekte entwickelt, die Malerei mit dem realen Raum, Architektur und Szenografie verbinden. Ihr spezielles Interesse gilt Bauwerken aus den 20er- bis 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ihren Deutschland-Aufenthalt nutzte Leila Tschopp, um die Satellitenstädte Halle-Neustadt und Gera-Lusan zu bereisen und sich auf die Spuren Oskar Schlemmers zu begeben. Es entstanden erste Ideenskizzen. Zu erwarten sind Gemälde und Installationen, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart kreuzen, wobei der Blick bewusst nach vorn gerichtet bleibt, die Idee der Moderne als Utopie wieder aufgegriffen wird, um die Gegenwart neu zu durchdenken. Die jetzt gezeigte Installation aus architektonischen Elementen, Leinwänden und Wandgemälden, die den Betrachter in einen fiktionalen Raum versetzen sollen, vermittelt einen ersten Eindruck.

Christoph Ziegler, hatte sich mit der Installation „Utopisches Institut Weimar“ um das Stipendium beworben. Auch sein künstlerisches Interesse geht vom urbanen Raum und dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Architektur aus und untersucht das Streben nach Fortschritt und Perfektion im Widerstreit zu den individuellen Bedürfnissen und den aus ihnen entwickelten Überlebensstrategien, die durchaus darin bestehen können, etwas auf die einfachste Funktionalität herunter zu brechen. Und was könnte einfacher sein als ein Institut, das nicht mehr ist, als eine aus rohen Brettern gezimmerte „Gartenlaube“, in der man Fachliteratur ausleihen und arbeiten kann? Mehr beeindruckte uns aber seine Installation „Moebling“ (2010), bestehend aus einem Objekt, einem Video und einer Serie von Fotografien. In „Moebling“ inszeniert sich der Künstler selbst: ein Schattenboxer in seinem ästhetisierten Kampf, in der Auseinandersetzung mit der ihn umgebenden Einrichtung und deren vorgegebener Funktion. Dabei entstehen kritisch-ironische Konstruktionen und Assemblagen. Es geht um die Legitimierung des Körpers als Experimentalorgan. Bei der Verflechtung von Körper und Möbel eröffnen sich Zwischenräume, in denen der Körper zum Experiment wird bei der Suche nach einer wenn auch unbequemen Lösung.

Kathrin Schlegel untersucht in ihren ortsbezogenen Installationen und Interventionen die subtilen Rituale des Zusammenlebens und die Mehrdeutigkeit standardisierter Umgangsformen. Bezogen auf die Weimarer Geschichte und deren Spiegelung im Stadtraum und mit einer deutlichen Reminiszenz an Vanitas-Stillleben arrangierte sie die beiden vermeintlich falschen Schillerschädel in einem Zwiegespräch. Die Künstlerin weist darauf hin, dass es sich hier nicht um die „originalen falschen“ Schädel, sondern um die „falschen falschen“ Schädel handelt, um eine Fiktion von der Fiktion. In Szene gesetzt wird ein endgültiges, nur in der Vorstellungswelt existierendes Zwiegespräch. Ähnlich hintersinnig und doppeldeutig ist die Performance, ausgeführt auf Schloss Plüschow von authentischen Charakteren der Region um die Wismarer Bucht „Ein Seefahrer und ein Kettenraucher spielen eine Kerzenlänge Schiffeversenken“, in der Ausstellung als Videoarbeit zu sehen. Kathrin Schlegel führt den Aberglauben, dass ein Seefahrer stirbt, wenn man eine Zigarette an einer Kerze ansteckt, ad absurdum. Durch die melodramatische Inszenierung des Spieles «Schiffeversenken» auf dem Dachboden des Schlosses Plüschow bekam das Spiel den bedrohlichen Charakter eines Duells auf Leben und Tod, während die Kerze sich verzehrt.

Vorher die Füße hochgelegt und etwas in der Gastronomie „verzehrt“ zu haben, wirkt sich übrigens ermäßigend auf den Eintrittspreis aus. Ich weiß nicht, ob sich vorheriger Ausstellungsbesuch auch ermäßigend auf den Getränkepreis ausgewirkt hätte. Auch Sprichworte wie „Erst die Arbeit, dann…“ sollte man mal ad absurdum führen.

Kleiner Nachtrag: Der Jenaer Politik- und Literaturwissenschaftler Fabian Beigang hält heute (7.6. 2011 20.00 Uhr) zur aktuellen Ausstellung einen kritischen Vortrag über Facebook, Apple, Google & Co. Thema "Neue utopische Räume oder lauter "Große Brüder"?
Villa

Hans-Christian Schink im Neuen Museum Weimar

Von Cuentacuento

Seit dem 8. April und noch bis zum 13. Juni zeigt das Neue Museum Weimar die Ausstellung „Hans-Christian Schink - Fotografien 1980 bis 2010“ und bietet damit einen beispielhaften Überblick über die verschiedenen Werkgruppen eines der bemerkenswertesten international arbeitenden Fotografen unserer Zeit.

Mit dem Fokus auf vier thematischen Schwerpunkten, zeigt diese Werkschau hauptsächlich großformatige Fotografien aus den Serien „Wände“ (1996-2005), „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ (1998-2003), die 2004 auch als Bildband verlegt wurde und international Beachtung fand, außereuropäische Landschaften sowie das Projekt „1 h“.

Menschenleer sind Schinks Interieurs und Landschaften, und Letztere liegen unter einem gleichsam leeren Himmel. Dies erfordert Geduld bei der Auswahl des geeigneten Materials, Geduld beim Warten darauf, dass der Himmel verschleiert aber nicht verhangen ist oder, wie bei den „Verkehrsprojekten“, der letzte Bauarbeiter die Baustelle verlassen hat. Belohnt wird diese Geduld durch eine nachdenkliche Stille, die nicht durch Kontraste zerrissen wird, durch die zarten Pastelltöne, mit denen sich die Antarktis, die peruanischen Tempel und vietnamesischen Wälder fotografisch zeichnen lassen.


Die Tageslichträume des Neuen Museums Weimar bieten einen optimalen Rahmen, zumal man darauf verzichtet hat, so viel wie möglich zu zeigen. So dienen einige Stücke aus den frühen Zyklen „Leipziger Bäder“ (1988), und „Pjönjang Metro“ (1989), welche die großen Wandgemälde im Gewölbe der Metrostationen gleich Altarbildern inszeniert, zur Vervollständigung der Werkschau, die einen Eindruck vom beachtlichen Spektrum dieses Fotografen vermitteln und gleichzeitig dessen Handschrift erkennen lassen soll.

Hans-Christian Schink, 1961 in Erfurt geboren, studierte von 1986-1991 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, zu deren Meisterschülern er in den zwei folgenden Jahren zählte. Die Serie „LA Night“ entstand 2002-2003 während eines Aufenthaltsstipendiums der Villa Arosa in Los Angeles. 2008 wurde Schink für die Serie „1 h“ mit dem „REAL Photography Award“ ausgezeichnet. Inspiriert durch das Foto „Black Sun“ (1955) des amerikanischen Fotografen Minor White und die dabei verwendete Technik der Solarisation, schuf Hans-Christian Schink eine Bilderfolge mit Belichtungszeiten von jeweils genau einer Stunde. Über Landschaften, deren Breiten- und Längengrad jeweils genau angegeben ist erscheint im Verlauf der ebenfalls genau angegebenen Stunde die Sonnenbahn wie ein fremdartiges Flugobjekt mit variierender Länge und Neigungswinkel. Die fotografisch „festgehaltene“ Zeit lässt auch die unter der Solarisation liegende Landschaft seltsam erstarrt und unwirklich erscheinen.

In größerem Umfang wird die Werkschau anschließend im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg gezeigt. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:
Hans-Christian Schink - Fotografien 1980 bis 2010
Hatje Cantz Verlag, 2011
180 Seiten | 38,50 EUR
ISBN: 978-3-7443-0150-3

Online können Bilder aus den oben erwähnten Serien und mehr auf der Webseite der Galerie Rothamel angeschaut werden.


Diese Schink-Retrospektive sollte man sich nicht entgehen lassen.
Dank an Esau75 für den wertvollen Tipp und den Berlinern für das schöne Weimar Treffen.
Villa