30.07.09

Weiße Sommertrüffel aus Jena

Als ich vor kurzem die kleine Ausstellung "Auf der Promenade" des Malkreises unter der Leitung von Wolfgang Heinrich (87 Jahre) besuchte, freute ich mich über die vielen Bilder, die die wunderschön sanierten Freiflächen des Wenigenjenaer Ufer zum Thema hatten. Gespannt wartete ich in diesem Jahr auf die angebotenen Weißen Sommertrüffel des Gasthauses "Grüne Tanne" auf der Saaleterasse. Die kleinen knollenartigen Pilze gedeihen auf dem Muschelkalk und in Eichenwäldern um Jena und der leicht nussartigen Geschmack soll schon den Fürsten von Schwarzburg überzeugt haben, bis zu 150 Pfund pro Saison hat er verzehrt. So viel gab es nicht am gestrigen Tag, aber gespart hat der Wirt nicht. Kräftig wurde auf Butterspaghetti und Carpaccio gehobelt und der gut gekühlte regionale Weißwein vom Weingut Herzer und dem Jenaer Weinberg Zwätzen rundeten das Trüffelerlebnis ab. Leider war der Küchenchef auch so großzügig mit der Ölbeigabe auf dem Carpaccio, es schwamm darin wie die Enten auf der Saale.

Dermaßen kulinarisch gestärkt, war der Hunger nach Kultur durch Sophie Hunger auf der Kulturarena der Höhepunkt des Tages für Genießer. Ein sehr feines Konzert der sympathischen Schweizerin, diesmal bestuhlt. Glückwunsch an die junge Mutti, die sich nach dem Konzert auf den Weg in die Frauenklinik machte. Dem neuen Wiegenkind mit dem musikalischen Namen Tilda wünscht Villa unstillbaren Hunger nach Leben.

26.07.09

Sehr schade

Sehr schade, dass die Reihe "JenaAbend", bei der auch junge Jenaer Bands mit hausgemachter Musik ihre Chance bekamen, nicht fortgesetzt wurde. Dabei zeigt die Beilage zur aktuellen Akrützel-Ausgabe die Vielfalt der heimischen Musikszene.
Besonders gefreut hatte ich mich auf ein Konzert mit den Jungs von Helljack. Leider findet dies nun zu einem Zeitpunkt statt, der nicht in meine Urlaubsplanung passt. Da ich überzeugt bin, dass es ein heißer Musikabend wird, empfehle ich es ausdrücklich!

25.07.09

Enttäuschung vor ausverkauftem Kulturarenahaus


Nein, das war nicht mein Konzert. Emiliana Torrini erzählte zu Beginn, sie hätte am Morgen den Regentanz beschworen und zumindest das Wetter stellte sich nach ein paar kurzen Schauern darauf ein. Später bildetet sich einen schillernden Regenbogen über dem Theatervorplatz. Ein Freund meinte am Ende, er würde trauriger nach Hause gehen. Vorhandene Erwartungen sind schwer zu erfüllen, ich hatte keine, war aber insgesamt von der fast eintönigen Musik enttäuscht. Die Musiker waren äußerst sparsam mit ihren Instrumenten, hatte große Probleme mit der Gitarrenabstimmung und klimperten abwechselnd auf einem Xylophon. Die Sängerin mit italienischen und isländischen Wurzeln verlor öfter den Faden, fand nicht die richtige Tonlage, konnte den Funken auf das Publikum, mit ihren indiegeprägten Elektrofolk, einfach nicht übertragen. Außerdem nervte sie mich mit unentwegten jungmädchenhaften gezupfe und nesteln am weißen Elfenkleid, oder war es ein Mormonen-Hippie-Kleid? Auch ihr Jammern über Tourenstress erntete fast schon höhnisches Gelächter. Als etwa eine halbe Stunde vor Schluss, die Band aus ihrem nordischen Tiefschlaf zu erwachen schien, war es indes nur ein kurzes Aufflackern und der von vielen erwartete Titel "Jungel Drum" (war ich die Einzige, die ihn nicht kannte?) konnte das Konzert nicht retten. Der Regenbogen war lange verschwunden und mein Interesse auch.
Zeit mal was über das Arenacatering zu schreiben. Seit Anbeginn holen wir treu unsere Getränke bei "Müllex" dem Mann der Ersten Stunde und heutigen Betreiber des Cafe Central am Marktplatz. Sehr positiv bewerte ich die superleckeren Angebote von Christof Truppel (H&S), der mit seiner Mannschaft einen klasse Veranstaltungsservise hinbäckt und mich schon des Öfteren vor dem Hungertod bewahrt hat.
Fazit: Meine Enttäuschung macht noch keinen Sommer, keine Kulturarena aus Villa

22.07.09

Brüno im CineStar


Nachdem Phillipp am Wochenende dieses Capitolbild gemalt hat, sahen wir uns gestern die Satire Brüno im CineStar an. An dem britischen Komiker Sacha Baron Cohen scheiden sich die Geister. Der Kinosaal 3 war mit 13 Besuchern, bei dem in Englisch (mit Untertext) ausgestrahlten Mockentary fast leer. Wir haben bei dieser bitterböse Satire sehr viel gelacht, wobei mir bei manchen Szenen das Lachen im Halse stecken blieb. Das Wort Fremdschämen hat eine neue Dimension angenommen, wenn sich eine Paula Abdul auf einen auf allen vieren knienden Mexikaner setzt, um mit Brüno über Menschenrechte zu diskutieren und Mütter für fünf Minuten Ruhm beim Kindercasting mit allem einverstanden sind. Ich wundere mich, dass er bei einigen seiner Aktionen mit heiler Haut davongekommen ist. Brüno als österreichische schwule Modereporter darf in der Ukraine wegen anstößiger Szenen nicht gezeigt werden, England hat zwei Versionen auf dem Mark und Österreich setzt die Altersgrenze herauf.
Danke für das Bild und die Kinoeinladung sagt Villa

18.07.09

Von wegen Räuberpistole

So Phillipp!
Nun musst du mir doch die Krone aufsetzen. Ich habe die Freunde und den Trüffelmann so genervt, dass sie heute den weiten Weg in Kauf nahmen, mir den Schiefertrüffel persönlich zu überbringen. Villa als Kochtopfmykologin zollt der Superspürnase Willy (Frank Putzmann aus Schmiedebach) ihren Respekt. Inzwischen weiß ich, dass er nicht nur bei Tham einem Verein für Pilzfreunde mitarbeitet, sondern auch als Umweltschützer z.B. gegen den willkürlichen staatlichen Waldwegebau durch geschützte Gebiete ankämpft.
Herzlichen Dank an unsere Freunde aus Weitisberga, die heimische Villa duftet nach Wald und Trüffel. Phillipp, um zu beweisen, dass es kein Fake ist, habe ich den Traum aller Gourmets auf die heutige Ausgabe der OTZ gelegt und wer schmückt das Titelblatt? Gentleman!
Villa, die sich heute für Phillipps Verstecken einer Krausen Glucke revanchiert hat

Gentleman in der Kulturarena Jena

Tilmann Otto Baujahr 75 geboren in Osnabrück, nennt sich Gentleman.

Keine Ahnung wie Wikipedia einen Gentleman definiert, aber wenn man international Platten in diesem Genre verkaufen will, ist ein deutscher Otto vermutlich so hilfreich wie Stöckelschuhe auf einem Ärzte-Konzert. Aber warum ausgerechnet Gentleman?

Okay, Namen sind sowieso Schall und Rauch. Und dieser Schall (für den Rauch will ich mal nicht sprechen) hatte es echt in sich. Als pünktlich 10 nach 8 die eher durchschnittlich beleuchtete Bühne einen Blick auf die Gentlemannschaft freigab, saß noch so mancher recht cool auf seinen vier Buchstaben, hatte jedoch gleich beim 1. Titel „Intoxiation ein ACH-DER-IST-DAS-GESICHT und spätestens jetzt Rhythmus im Körper (oder war schlichtweg tot).

Wollte dieser Gentleman einschließlich seiner Far East Band gestern unsere Provinzstadt rocken? Wollte er uns zwei Stunden nach Jamaika tragen, unsere Beine wie Froschschenkel unter einer Flachbatterie zucken lassen, uns pure Lebensfreude eintakten? Falls dem so war: Mission erfüllt, Mr. Gentleman! Hut ab, mein Lieber, das hätte ich so nicht erwartet. Vor dem Konzert kreisten unsere Gedanken um unser privates Kulturbudget (28,-EUR Abendkasse), das dortige Catering und angesagte Gewitterfronten. Nach dem Konzert, ich gebe zu, haben wir nachgeschaut,wo man einen Jamaika-Urlaub buchen könnte.

So müssen Konzerte sein!


Ein wild gewordener Gentleman sang, tanzte und schrie (Jeeenaaaa!) sich die Lunge aus dem Leib. Aber vor allem gab er dem Theatervorplatz einen Rhythmus, einen Takt, ein gutes Gefühl.

Später bei „Different Places hab ich gesehen, wie einem Rollifahrer die Füße wippten, da schwöre ich jeden Meineid. Als letzten Song bekamen wir noch den "Redemption Song" mit viel Liebe a capella vorgetragen als Wegzehrung mit. Ungelogen, so viel gemütlich herumlungernde Hörerschaft auf dem Engelplatz habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen.

Wahr ist auch, dass uns Gentleman für das nächstes Frühjahr ein neues Album versprach, auf das jeder 2. Konzertbesucher an diesem Abend noch eine Anzahlung geleistet hätte. So hingerissen und besoffen kann einem eine laue Sommernacht, Weißwein und Reggae-Musik vom Feinsten machen. Da kann der Künstler Rumpelstilzchen, hüpfender Reggaefrosch, Otto oder Gentleman heißen - scheiß egal!

Im Reggae-Rausch waren nicht nur Phillipp und Villa sondern auch dieses reizende Huckepackkind.

16.07.09

Schöne Konzertbilder aus der Hinterbank

Der Däne hat tolle Bilder vom Konzert The Cat Empire gemacht. Zu sehen sind sie hier
Danke und Grüße in den Norden
Villa

The Cat Empire wieder in Jena


Mit den Worten "Die Kulturarena ist erwachsen geworden." eröffnete Jenakultur-Chefin Dr. Franz am Abend die 18. KonzertArena und versprach eine Reise um die Welt in 46 Tagen. Was uns die acht hervorragenden Jungs aus Melbourne gestern Abend lieferten, war eine fröhliche Fusion auf höchstem Niveau mit Ausnahmequalität. Nichts war leichter unseren dänischen Gästen das Wesen dieses Festivals zu erklären, als sie zu schweißtreibenden Funk-Ska-Jazz-HipHop-Latin-Rock tanzen zu lassen. Und nicht nur sie haben getanzt, die ganze Arena rockte und wurde zu einer riesigen Party. Wenn Professionalität auf Spielfreude trifft kann der Abend nur ein Erfolg werden. Selbst vor den Toren auf dem Engelsplatz feierten hunderte Zaungäste Australiens derzeit erfolgreichste Live-Band. Das Wetter, die perfekte Konzertdramaturgie ließ die Stimmungskurve schon nach dem ersten Titel steil nach oben steigen und wer nach Ende des Konzertes Alben von The Cat Empire kaufen wollte hatte Pech. Sie waren restlos ausverkauft.


Villa tanzt heute nicht in der Arena, sondern auf dem Gattengeburtstag
Morgen freue ich mich auf den Festland-Jamaikaner "Gentleman" und traditionellen Reggae und am Samstag hat der werte Herr Pest Krause hier angekündigt, was uns zu erwarten hat.

13.07.09

Auf der Jagd nach dem Blauen Gold

Seit Jahren leiste ich mir mit Phillipp eine erbitterte Pilzfehde. Die Ersten, die Schönsten, die Größten, die Speziellsten, alles kommt in die Waagschale unseres Wettbewerbes. Nachdem nun Phillipp, dieser Lump, am Montag die Thüringische Landesgrenzen überschritten hat und das Frankenland um sieben Kilo Pfifferlinge erleichterte, gebührt ihm wohl die Führung 2009. Um die Rivalität anzustacheln, begab ich mich am Samstag in den Naturpark "Thüringer Schiefergebirge-Obere Saale", von dort hatte ich Kunde einer exquisiten Pilz-Rarität. Der Schiefertrüffel war mein Begehr. In der sehr speziellen Kulisse der Lehestener Schiefergrube traf ich den Bürgermeister und den Waldschrat Robin Hood der Schieferumwelt Willy, um in Erfahrung zu bringen, wo dieser seltene kostbare Trüffel zu finden sei. Während mir der Bürgermeister vom 19 Millionen verschwundenen Fördergeldern erzählte, erklärte mir Willy wie der Schiefertrüffel aussieht. Nach einer schrumpeligen Kartoffel sollte ich Ausschau halten, im Inneren dunkelrot wie Blutwurst. Im Schiefergeröll zu suchen war schwierig und ich hatte auch keinen Erfolg. Röhrenpilze und Pfifferlinge fand ich so nebenbei, aber damit kann ich im Wettbewerb nicht gleichziehen. Ein schöner Ausflug war es allemal und die Live-Mucke "Oldi-Mix" die wir im Staatsbruch Lehesten hörten, spielte bis gegen 4.00 Uhr in der früh. Wie sagt der Gatte immer zu mir: "Hinterm Berg wohnen auch noch Leute." Willy versprach mir seinen nächsten Fund (mehr als ein paar Exemplare findet er auch nicht) und damit werde ich dann bei Phillipp punkten.
Villas Suche war keinen Pfifferling wert, aber geschmeckt haben die Gelbbringer

12.07.09

War es Befreiung oder Meuchelmord?


Diese Frage konnte ich an diesem Abend für mich nicht klären.
Schillers letztes vollendetes Theaterstück (etwas ein Jahr nach der Uraufführung starb er 46-jährig) war passend zum Schillerjahr 2009, dem Namenspatron unserer Uni, gewählt. Wilhelm Tell, das Sinnbild eines Schweizer Helden, war eine Frau, die Bernerin Vera von Gunten. Außer durch ihre Spielfreude wirkte sie durch ihren schweitzerdeutschen Dialekt glaubhaft. Das weiße Kreuz auf rotem Grund schmückte den Theatervorplatz, insgesamt war die Alpenlandschaft eine tolle Kulissenleistung. Prima gespielt der böse Landvogt Gessler. Als er aus der hohlen Gasse heraus erschossen, minutenlang regungslos im Wasser lag, fror ich noch mehr. Es war ein sehr kühler Sommerabend und das Stück ging bis nach Mitternacht. Nette Gags begleiteten das Theaterspiel. Als Ernesto Che Guevara im Trabi einfuhr und in seiner beschwörenden Rede ans Besuchervolk "Viva la Revolucion! Viva Wilhelm Tell" rief, sorgte dies für viel Heiterkeit. Die größten Heiterkeitsbringer und besten Mimen waren für mich Bernhard Dechant als Hirte Kuoni und Ralph Jung als Fischer Ruodi. Die 8-fache deutsche Bogenschützen-Meisterin Chistiane Röher kam ebenso zum Apfelschuss wie der Titelheld und bei der Frage nach den Heronen
des Publikums agierten die Schauspieler als Äpfel durch die Besucherreihen. Viel Spaß am Spiel war auch bei den ca 60 Laienschauspielern zu beobachten, wobei es durch die große Anzahl der Mitwirkenden für mich manchmal etwas unübersichtlich wirkte. 100 Darsteller sind schon eine bemerkenswerte Zahl.
Über den gelungenen Auftakt der 18. Kultuarena freut sich Villa